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Bolivianern helfen – mit dem Inhalt deutscher Schubladen

In Deutschland ist die Versorgung gut – aber wie geht es Menschen mit Diabetes in Bolivien? Nicht sehr gut, und deshalb hat Ramona sich der Aktion der beiden Blogger Cazzy und Bradley (Dream Big, Travel Far) angeschlossen. Was ist daraus geworden?

Wenn man Diabetes hat, macht man sich plötzlich über viel mehr Dinge Gedanken. Und gerade wenn ich meinen Blutzucker vor dem Essen messe oder mir neue Rezepte beim Arzt abhole, um anschließend absolut kostenfrei – denn ich bin von der Zuzahlung für Medikamente befreit – mein Insulin in der Apotheke abzuholen, dann driften meine Gedanken oft dahin, wie gut es uns hier doch eigentlich geht. Auch trotz oder gerade mit chronischen Krankheiten.

Wie würde das nur aussehen, wenn ich nicht das Glück gehabt hätte, in einem hochentwickelten Sozialstaat geboren worden zu sein, sondern irgendwo in einem Dritte-Welt-Land? Ohne die Möglichkeit, mal eben zum Arzt zu spazieren, ohne ausreichende medizinische Versorgung? Und in solchen Momenten fühle ich mich schon fast ein bisschen schlecht dafür, nicht die ganze Welt retten zu können.

Man kann ja etwas tun …

Aber man muss ja nicht tatenlos herumsitzen, und genau das dachten sich meine Freunde Cazzy und Bradley von Dream Big, Travel Far auch, während sie mehrere Monate in Südamerika backpacken waren – mit Diabetes im Gepäck. Neben einer Spendenaktion stand auch noch ein Besuch in einem Zentrum für Kinder mit Diabetes in Bolivien an.

Der Wille zu helfen hörte aber mit dem Ende der Reise nicht auf, und so wurde auch ich auf die schlechte Versorgungssituation für chronisch Kranke in Bolivien aufmerksam. Es gibt kein gut ausgebautes staatliches Gesundheitssystem, alles muss aus eigener Tasche bezahlt werden – und bei dem extrem geringen Durchschnittseinkommen in Bolivien (rund 300 Euro pro Monat) würde rund ein Drittel des Geldes allein für dreimal Blutzuckermessen pro Tag draufgehen, Insulin nicht mit eingerechnet. Zusätzlich lebt ein großer Teil der Bevölkerung in Bolivien abseits großer Versorgungszentren, somit ist kein Zugang zu medizinischer Versorgung gewährleistet und regelmäßige Besuche beim Diabetologen oder Schulungen sind eine eher utopische Vorstellung.

Diabetes-Utensilien für Bolivien: zu Hause einfach mal in die Schubladen schauen!

Und deswegen wurde gesammelt: Cazzy und Bradley baten darum, allen Diabetesbedarf zu schicken, den man auftreiben konnte, um den Kindern in Bolivien das Leben mit Diabetes leichter zu machen.

Und da wir in Deutschland ja nun wirklich gut dran sind und jeder doch massenweise Ersatzmessgeräte, Teststreifen und Kanülen in den heimischen Schubladen herumliegen hat, habe auch ich einen Aufruf gestartet: In diversen Diabetes-Facebook-Gruppen, auf Instagram und meinem Blog habe ich darum gebeten, die Schränke zu plündern. Und die Resonanz war überwältigend!

Stolz darf ich also verkünden, dass wir über 30 Messgeräte, 10 Pens und mehr als 600 Kanülen, mehr als 400 Teststreifen für verschiedene Geräte sowie Stechhilfen, Lanzetten, Einwegspritzen und Traubenzucker zusammenbekommen haben, die die Reise nach Bolivien antreten werden!

Gepacktes Paket

Vielen Dank an dieser Stelle auch an mysugarcase , die mit ihrer unglaublich großzügigen Spende von über 60 (!) Zubehörtaschen den Alltag für die Kinder und Jugendlichen in Bolivien etwas bunter gestalten. Und natürlich auch an alle anderen, die gespendet haben – ihr seid großartig!

Falls ihr die Aktion leider verpasst habt oder noch mehr zu spenden habt: Schmeißt es nicht weg. Da es auch bei mir spätestens nächstes Jahr wieder auf große Reise gehen soll, habe auch ich Ähnliches vor und möchte eine zweite Spendenaktion starten – diesmal für ein anderes Entwicklungsland.

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