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„Alles Zucker!“ – eine Ausstellung in Berlin

Was kann Zucker, außer Durcheinander im Körper eines Menschen mit Diabetes anzurichten? Eine Menge, wie Stephanie in der Ausstellung „Alles Zucker!“ im Technikmuseum in Berlin festgestellt hat…

Zucker ist ungesund. Zucker macht dick. Das weiß jedes Kind – schließlich wird heutzutage gerne über Zucker als fiesen Bösewicht gemeckert. Gerade für uns als Menschen mit Diabetes spielt Zucker natürlich eine ganz besondere Rolle. Jeden Tag beschäftigen wir uns mit dem Stoff, oft bereitet er uns Probleme.

Doch Zucker ist noch viel mehr als ein in Verruf geratenes Süßungsmittel. Zucker ist überall. Zucker ist Nahrung, Werkstoff und Energie. Ohne Zucker gäbe es kein Leben.

Auf 800 Quadratmetern nähert sich die Dauerausstellung „Alles Zucker“ im Berliner Technikmuseum so dem Thema Zucker auf eine ganz andere, unerwartete Weise. Texte, Fotos, Exponate, Hörstationen und interaktive Module laden die Besucher ein, Zucker auch einmal als vielseitigen, eindrucksvollen und bedeutsamen Teil der Natur zu betrachten.

Für mich als Mensch mit Typ-1-Diabetes war der Besuch im Technikmuseum wirklich überraschend. Ich konnte kaum glauben, dass hier nicht der sprichwörtliche erhobene Zeigefinger ausgestellt wurde, der vor übermäßigem Zuckerkonsum warnt. Tatsächlich habe ich den Begriff „Diabetes“ nicht einmal in der Ausstellung gesehen. Statt dessen gibt es vollkommen unerwartete Ausstellungsstücke, wie etwa eine Sammlung kostbarer Zuckerdöschen und Zuckerlöffel oder einen gigantischen Krebs.

Erst auf dem Weg hinaus, in der Eingangshalle, entdeckte ich beiläufig ein klitzekleines Exponat älterer Blutzuckermessgeräte. Endlich, endlich, endlich war Diabetes in der Diskussion über Zucker einmal absolute Nebensache.

So konnte ich mich während meines Besuchs vollkommen unbefangen von dem eindrucksvollen Stoff namens Zucker in den Bann ziehen lassen. Denn Zucker sind die häufigsten Biomoleküle der Welt und finden sich überall in der Natur. In Zucker speichern Pflanzen die Energie der Sonne, er gibt ihnen Stabilität und ermöglicht ihr Wachstum. Auch die Panzer von Insekten, Krebstieren und Spinnen beispielsweise bestehen aus Chitin, einem abgewandelten Zuckerpolymer. Auch in der Medizin oder im 3D-Druck wird Zucker eingesetzt und sogar als möglicher nachwachsender Ersatz für Erdöl gehandelt.

Rundum: Ich hatte einen tollen Tag und fand den Besuch im Museum wirklich lohnenswert. Ich habe viel über Zucker gelernt – und über all das, was er noch kann, außer meinen Blutzucker aus der Bahn zu schießen!

Weitere Infos zur Ausstellung findet ihr hier.

Übrigens: In Stockholm gab’s mal eine ähnliche Ausstellung zum Thema Zucker. Damals hat Kerstin darüber berichtet.

Ein Kommentar

  1. Ohne Klugscheißen zu wollen: Es gab vor einigen Jahren noch das Zuckermuseum in Berlin. Das war im Wedding, Amrumer Straße in unmittbelbarer Nähe zum Klinikum Virchow, dass heute zur Charité gehört.
    Die Ausstellung ist also nicht ganz neu. Sicherlich in diesen Räumen neu(er), aber die Objekte sind sicherlich sehr vieles aus dem Zuckermuseum entnommen. Das Technikmuseum hat das Zuckermuseum nämlich sozusagen ‚übernommen‘.
    – Es wäre ein ’schlechtes‘ Museum, wenn es den Zeigefinger heben würde.

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