T1Day in Berlin – Überraschungen, Top-Themen und ein neuer Blickwinkel

Zusammen mit einer Freundin war Tine auf dem T1Day in Berlin unterwegs. Was gab’s Neues an diesem speziellen Tag, auf dem es nur um den Typ-1-Diabetes geht? Und was ist sonst noch so passiert?

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Am Sonntag, 29. Januar, fand nun bereits zum vierten Mal der T1Day in Berlin statt. Der T1Day ist ein ganzer bunter Tag mit Programm, Vorträgen, Workshops und Themen rund um den Diabetes Typ 1. Anders als eine „normale“ Veranstaltung zum Thema Diabetes, die oft hauptsächlich Menschen mit Typ-2-Diabetes anspricht, geht es hier wirklich nur um die speziellen Kniffe, Probleme und Fragen, mit denen sich Menschen mit Typ-1-Diabetes so rumschlagen dürfen.

Es war in diesem Jahr auch mein vierter T1Day, verfolge ich dieses Projekt doch nun schon von Anfang an. Umso spannender war es für mich in diesem Jahr, mal eine Freundin, ebenfalls mit Typ-1-Diabetes, dabeizuhaben, die sonst nie Kontakt zu anderen Menschen mit Diabetes hat und erst recht nicht so eine Veranstaltung auf dem Schirm gehabt hätte.

 

Top-Themen: CGM, FGM, Kostenübernahme …

Am Sonntag früh trafen wir uns also am S-Bahnhof Alexanderplatz, um uns gemeinsam auf den Weg zur Veranstaltungslocation, einem Kongresshotel, zu machen. Angekommen suchten wir uns einen der letzten freien Plätze in den hinteren Reihen des großen Konferenzsaales, machten es uns bequem und lauschten der Begrüßung und Einführung, die bereits in vollem Gange war. Die Hauptthemen sollten in diesem Jahr – und wie kann es nach dem letzten „Sommermärchen“ anders sein – alles rund um das CGM und auch das FGM sein. Auf der Agenda standen unter anderem ganz spezielle Vorträge rund um Kostenübernahme der Krankenkassen, Dateninterpretation des Sensor-Profils, Hautirritationen bei Pflastern, Sport und Sensortherapie. Außerdem sollte es wieder einen Marktplatz geben, wo neue Diabetestechnologien und Ideen vorgestellt werden konnten, und am Nachmittag dann Fokusgruppen, sogenannte T1DCamps, in denen in kleineren Runden besondere Themen besprochen und erarbeitet werden können. So zum Beispiel Artifizielle Intelligenz bei Diabetes, Diabetes-Apps, Alltag mit Diabetes-Gera oder den richtigen Einsatz von Sport-BEs.

Im Allgemeinen lässt sich sagen, dass das Programm im Gegensatz zu den letzten Jahren ein kleines bisschen runtergefahren wurde, weil oft einfach zwischendurch die Zeit zum Durchatmen gefehlt hat und sich an einem solchen Tag ja auch immer gerne und viel untereinander ausgetauscht werden möchte. Ich finde es super, dass das T1Day-Team auf dieses Bedürfnis weiter eingegangen ist und versucht hat, mehr Raum hierfür zu schaffen.

Hautirritationen? Beschwert euch – das hilft den Unternehmen weiter!

Nach den ersten beiden Vorträgen rund um CGM-Kostenübernahme und Dateninterpretation wurde mir bewusst, dass die Themen in diesem Jahr doch wohl am spannendsten sind für Menschen, die sich noch nie mit dem Thema CGM auseinandergesetzt haben. Meine Begleitung fand es extrem spannend, und obwohl sie seit rund 5 Monaten selbst Sensoren trägt, war so einiges neu oder unbekannt für sie. Für mich persönlich war wenig Neues dabei. Nichtsdestotrotz waren es super Vorträge!

Auch die folgenden Sessions zum Thema Hautirritationen bei Pflastern von Jens Kröger vom Zentrum für Diabetologie Bergedorf und von Ulrike Thurm zu individuellen Therapieanpassungen beim Sport mit CGM waren klasse, und wer bisher nicht viel zu beiden Themen recherchiert hat, konnte hier sicher viel mitnehmen! Und an alle, die von ihren Sensorpflastern Hautprobleme bekommen: Jens Kröger hat mehrfach betont, wie wichtig es ist, dass ihr diese Probleme direkt bei den Kunden-Hotlines der betreffenden Unternehmen meldet. Darauf bauen diese Unternehmen, da sie ohne Feedback ziemlich verloren wären. Also, macht weiter damit! Die Unternehmen sind verpflichtet, eure Beschwerden aufzunehmen. Macht Druck, viele Stimmen helfen viel!

App zu Blutzuckerschwankungen während des weiblichen Zyklus

Mein persönliches kleines Highlight des Tages waren Anja-Sophia und Sara-Luisa Reh mit ihrem Vortrag während des Marktplatzes. Die beiden Schwestern sind 14 und 17 Jahre alt und stellten ihre eigens entwickelte App zur Blutzuckeroptimierung während des weiblichen Zyklus vor. Zunächst beobachteten sie die starken Blutzuckerschwankungen während des Zyklus von Anja-Sophia und bemerkten, dass sich die Schwankungen phasenweise während jedes Zyklus wiederholen. Sie werteten über Monate hinweg Blutzuckerwerte und Insulindosen in Relation zum Zyklus aus.

Dann fiel ihnen auf, dass es zu diesem Thema bisher kaum Material oder Überlegungen gibt, und begannen selbst, daran zu forschen. Mit Hilfe ihrer Forschungsergebnisse entwickelten sie eine Formel, die unter Eingabe verschiedener Parameter genau zeigt, wann die Insulindosen erhöht oder reduziert werden müssen, um im Folgenden Blutzuckerschwankungen zu vermeiden. Das Ganze haben sie in eine App gepackt, die Anja-Sophia wiederum über Monate ausgetestet hat. Sie hat deutlich weniger Schwankungen während ihres Zyklus, und inzwischen testen bereits andere Menschen die App und können Ähnliches berichten. Damit haben sie bereits unter anderem den 1. Preis Biologie, gestiftet von der Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren, des Bundeswettbewerbs „Jugend forscht“ gewinnen können.

Mich hat begeistert, wie selbstverständlich und selbstbewusst die Mädchen vor so vielen Menschen über Menstruation und das Zusammenspiel von Zyklus und Blutzuckerwerten gesprochen haben und was sie mit ihren Forschungen erreicht haben. Ich hoffe, dass diese App irgendwann den Weg in unsere Smartphones finden wird! Meine Begleitung und ich hatten Gänsehaut!

 

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Anja-Sophia und Sara-Luisa Reh während ihres Vortrags

Vieles mit neuen Augen gesehen …

Den Nachmittag verbrachten wir fernab von den Fokusgruppen. Da es der erste T1Day für meine Freundin war, wollte ich ihr die verschiedenen Stände der Unternehmen vor Ort zeigen, mit ihr über ihre Eindrücke und über Therapiemöglichkeiten sprechen. Sie entdeckte die Besonderheiten einer schlauchlosen Pumpe und einer Pumpe, die sich vor einer Unterzuckerung abschalten kann, auf jeden Fall für sich.

Ich war am Ende des Tages alles in allem wirklich sehr froh, dass sie mich zu diesem besonderen Tag begleitet und dafür gesorgt hat, dass ich viele Themen, obwohl sie mir selbst schon bekannt waren, nochmal mit neuen Augen sehen konnte, nämlich mit ihren. Das hilft wiederum uns beiden. Und wieder zeigte es mir, dass wir uns vernetzen müssen, mit Menschen mit Diabetes sprechen und uns austauschen sollten. Sie an die Hand nehmen sollten. Wir sind viele, und wir sind nicht allein. Zusammen können wir mehr bewegen, als wir vielleicht denken!

Bis zum nächsten Jahr, T1Day!

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