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Pumpenantrag – bitte was?

Ganz klar: Die Community ist schuld, dass Ramona inzwischen darüber nachdenkt, mit einer Insulinpumpentherapie zu beginnen…

Ja, ganz richtig gelesen. Pumpenantrag. Und das aus meinem Munde. Bin ich irgendwie schlimm auf den Kopf gefallen oder was geht auf einmal in mir vor? Schließlich war ich ja noch vor ein paar Monaten sehr von meinen Pens überzeugt?! Nun, ich war in der Tat immer sehr glücklich mit meinen Pens. Wahrscheinlich wäre ich es auch heute noch, würde ich nach wie vor in meiner Blase leben, in der ich keine anderen Diabetiker kenne. Also, ganz klare Sache: Die Community ist schuld.

Nein, ernsthaft. Es lief früher nie sonderlich gut in meiner Diabetestherapie, ich hatte sämtliche Basalinsuline durch und bin trotzdem immer mit Werten jenseits von Gut und Böse nicht nur aufgewacht, sondern auch den restlichen Tag herumgelaufen. Gemessen habe ich zwar regelmäßig, aber ich hatte mich an die 280 mg/dl (15,6 mmol/l) auf dem Bildschirm gewöhnt. Da es damals noch keine CGMs für alle gab, war mir die schlechte Einstellung aber nur so richtig bewusst, wenn das HbA1c auch nach den nächsten drei Monaten noch am Ende der 9% herumdümpelte. Dann ein kurzes Drängen vom Arzt, willst du denn keine Pumpe? Nein? Schulterzucken, okay, bis in 3 Monaten. Es wird sich nichts ändern, denn ich hatte keine Motivation.

Zeit für eine Pumpe? (Foto: Ramona Stanek)

Die Community überzeugt…

Und dann erstellte ich irgendwann meinen Blog, tummelte mich in den dazugehörigen Social-Media-Plattformen und schon steckte ich knietief drin in dieser Diabetescommunity. Und merkte auf einmal: Was zum Teufel? Es hat hier ja fast jeder ’ne Pumpe. Scheint ja doch ein nettes Gerät zu sein. Aber nichts für mich. Danke, nein danke. Es lief tatsächlich auch ohne Pumpe endlich gut bei mir, zumindest für meine Verhältnisse – mit Tresiba versorgt konnte ich auf dem Display meines FGMs (mittlerweile CGMs) wunderschöne stabile Nachtkurven bewundern. Nur der Essensbolus, na ja, der ist wohl noch optimierbar.

Und dann wurde Tresiba vom deutschen Markt genommen; die Möglichkeit des Auslandsimports übernimmt meine Krankenkasse nicht. Und wieder bin ich bei den für mich nicht funktionierenden Basalinsulinen. Mein Dawnphänomen (hohe Werte am Morgen) kommt so stark wie eh und je wieder hervor und ich erwische mich immer wieder dabei, wie ich neidisch auf die Möglichkeiten einer Insulinpumpe schiele. Eine Basalrate, stündlich anpassbar und dadurch kein Dawnphänomen mehr! Beim Sport einfach die Basalrate herunterstellen! Mahlzeiteninsulin verzögert abgeben und dadurch hoffentlich endlich nicht mehr die halbe Nacht den Preis für eine Pizza am Abend zahlen! Ich musste es zugeben – die Möglichkeiten von so einer Pumpe, die wären ja schon was.

Foto: Ramona Stanek

Es ist an der Zeit für Veränderung!

Also fing ich an, herumzutesten. Probe-Pumpen zu tragen, jeden Diabetiker in freier Wildbahn mit „KANN ICH MAL DEINE PUMPE SEHEN?“ nerven, und im örtlichen Diabetesfachgeschäft kennt man mich vermutlich beim Namen. Es hat 18 Jahre Diabetesdauer gebraucht, damit ich der Möglichkeit einer Pumpe doch etwas offener gegenüberstehe – und das hat kein Diabetologe geschafft, der es mir einreden wollte. Der Antrieb muss von einem selbst kommen, das weiß ich mittlerweile. Ich denke, auch durch das Tragen eines CGMs habe ich mich einfach an die Tatsache gewöhnt: „Da ist was an mir dran – und das ist nicht schlimm, sondern das hilft mir.“ Daher stehe ich einer Pumpe nicht mehr ganz so kritisch gegenüber – auch wenn die Punkte, die ich immer bei einer Pumpe als Nachteile empfunden habe, immer noch sehr präsent sind. Ob ich wohl auch zu einer dieser Personen mutieren werde, die dann überglücklich sind und sich fragen, wie sie es so lange ohne Pumpe aushalten konnten?

Der nächste Arzttermin steht, das hoffentlich passende Modell für mich ist gefunden und der Pumpenantrag fast fertig ausgefüllt. Jetzt hoffe ich nur noch auf die Gunst der Krankenkassen- und MDK-Götter. Ich bin wahnsinnig aufgeregt, aber auch gespannt auf diese neuen Möglichkeiten. Und wenn mir die Pumpe doch nicht gefällt? Nun, dann kann ich es ja doch mal mit dem Tresiba-Auslandsimport versuchen. 😉

4 Kommentare

  1. Hi Ramona,

    viel Erfolg für Deinen Antrag und einen guten Start mit der Pumpe.

    Ich habe für mich beschlossen, bis auf weiteres darauf zu verzichten und bei Pen mit Levemir / Fiasp zu bleiben.

    Ich habe den direkten Vergleich, da mein Sohn nun auch seit 5 Jahren vom Diabetes begleitet wird. Für ihn kann ich mir wiederum keine andere Lösung vorstellen. Bolusrechner, Basalratenanpassung etc. schon großartig. Aber auch mit der Pumpe muss man vernünftig Messen, SEA einhalten und nicht einfach nur in den Tag reinleben.

    Ich hatte dann auch für 2 Monate mal die Reservepumpe von ihm getragen. Das Gerät am Körper war nervig. Zusätzlich bleiben auch die Schwankungen leider nicht aus und es entsteht eine neue Fehlerquelle. Katheter…sitzt er noch richtig? Schlauch abgeknickt? Es fehlt halt auch am Basal. Wenn da irgendwas nicht passt ist der Blutzucker schnell aus der Spur und braucht gefühlt auch ewig um wieder reinzukommen.

    Dann der ganze Kram, den man dabeihaben muss. Ich fahre viel Rad und auch Tagesstrecken, da zählt dann jedes Gramm. Bisher 2 Pens mit ausreichend Insulin (ggf. Friotasche), ein paar Nadeln, Librescanner und für den Fall der Fälle noch mein Reserve BZMG.
    Pumpe zusätzlich: Katheter, Desinfektionsmittel, Reservoir, Insulin, Reservepen. Alles toll verpackt und nimmt entsprechend Platz im Rucksack weg.

    Pumpe bietet tolle Möglichkeiten, die man nutzen sollte, ist aber kein Allheilmittel. Die Diasau bedarf leider immer einer aufmerksamen Betreuung.

    Ich werde den nächsten Anlauf vielleicht mit einem Closed-Loop machen.

    Viele Grüße

    Sebastian

    1. Hallo Sebastian und Danke für deinen Kommentar!

      Ich verstehe ganz genau, was du meinst. Ich bin ja auch selbst absolut noch nicht davon überzeugt, dass die Pumpentherapie das Richtige für mich ist – wie auch, ich hatte ja nie eine 😀
      Die Punkte, die du ansprichst (neue Fehlerquelle Katheter, zusätzliches Gerät, Schlauch, noch mehr Packesel als sonst schon) sind auch Dinge, die mich immer noch umtreiben. Aber nur der Praxistest wird zeigen, ob die Vorteile überwiegen – oder ob ich das Ding nach 3 Monaten freiwillig in den Karton pfeffere und zurück schicke 😉

      Liebe Grüße
      Ramona

  2. Hej Ramona,
    du schreibst genau auf, was mir gerade durch den Kopf geht. Seit Monaten überlege ich nun schon hin und her, ob ich der Pumpe eine Chance geben soll oder nicht. Ich war bis jetzt auch immer sehr überzeugt von meinen Pens – aber so richtig gut klappen will es damit leider nicht. Und ein bisschen neidsich auf die guten Blutzuckereinstellungen von Pumpenträgern bin ich schon… Ich bin gespannt, was du so berichten wirst, wünsche dir viel Erfolg für deinen Antrag und dass die Pumpe das richtige für dich ist!
    Liebe Grüße, Julia

    1. Hallo Julia und Danke für deinen Kommentar!
      Jaaaa.. aber ein Selbstläufer ist eine Pumpe ja dann auch wieder nicht. Ich glaube, gerade in den ersten Wochen und Monaten wird das eine totale Umstellung (und auch sicher oft eine totale Katastrophe :D), bis die Werte passen. Ich gebe dem Ganzen aber mal eine Chance und werde ja sehen, wohin mich der Weg führt!
      Liebe Grüße
      Ramona

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