Diabetes Typ 1 und Kortison-Therapie – war da was? (Teil 1)

Matthias ist einer der ersten DIY-Looper überhaupt – zum Glück! Denn diese Therapieform und harte Disziplin halfen ihm dabei, eine 5-wöchige Kortison-Therapie mit guten Zuckerwerten zu meistern. Warum er überhaupt Kortison einnehmen musste, erfahrt ihr im ersten Teil seiner Geschichte.

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Disclaimer:

Der folgende Bericht beschreibt meine persönlichen Erfahrungen mit meinem Diabetes Typ 1 unter Verwendung eines „AndroidAPS“ Closed Loop (kurz: Loop) während einer 5-wöchigen Kortison-Therapie. Ich empfehle dieses System nicht und betreibe es auf eigenes Risiko. Das Beschriebene stellt in keiner Weise eine Therapieempfehlung dar und sollte nicht nachgemacht werden. Sämtliche Ausführungen zur Verwendung eines Closed-Loop-Systems dienen nur der Information.

Was war passiert, weshalb Kortison?

Beim Kraftsport, Kettlebell Training („Swings“), hatte ich mich nicht ausreichend oder gar nicht aufgewärmt. Nach dem Training bzw. ein paar Tage später verspürte ich leichte Schmerzen in der linken Schulter und dachte, das wird schon wieder. So verging Woche für Woche, aber wirklich besser wurde es nicht. Im Gegenteil, ich konnte meine Schulter nur noch unter Einschränkung bewegen, hatte starke Schmerzen und habe dann doch mal einen Termin beim Orthopäden gemacht. Dieser überwies mich bezüglich weiterer Diagnostik zur MRT-Untersuchung. Beim Lesen des Arztbriefes musste ich erstmal das Internet befragen, was man unter einer „adhäsiven Kapsulitis“ versteht: eine sog. „Frozen Shoulder“, wohl häufig im Zusammenhang mit Diabetes. Einen Tag vor dem geplanten Besuch beim Orthopäden zur Besprechung des MRT-Berichtes und Klärung weiterer medizinischer Maßnahmen, als ob ich es im Vorfeld geahnt hätte, kramte ich den Artikel von Dr. Bernhard Teupe „Therapieanpassung an Kortison Behandlung“ heraus, in der Hoffnung, das erstmal zu verstehen und mir dann zu überlegen, wie ich das nun machen könnte, sollte es zur Kortison-Therapie kommen.

Die Entscheidung „pro“ Kortison-Therapie

Mein Orthopäde wusste, dass ich Diabetiker bin, aber sehr gut eingestellt und gut geschult. Normalerweise hätte er wegen der bekannten Komplikationen bei Diabetes nicht Kortison verordnet. Aber weil ich das zu lange verschleppt und sich eine massive Entzündung in der Schulter ausgebildet hatte, sah er Kortison als einzige Möglichkeit einer sinnvollen Therapie. Ich habe der Kortison-Therapie zugestimmt, mit der Zusage, dies in Kombination mit meinem Diabetes 100% im Griff zu haben. In Wirklichkeit hatte ich noch keinen blassen Schimmer, weshalb ich zuhause erst einmal anfing, Informationen für einen Schlachtplan zu sammeln. Alles, was ich bis dahin wusste, war, dass Kortison einer der sog. Insulin-Antagonisten (Gegenspieler) ist.

Quelle: pixabay

 

Was ist zu beachten bei der Einnahme von Kortison?

Auf dem Therapieplan stand eine 5-wöchige Einnahme von Prednisolon („Kortison“). Beginnend mit 40mg in der ersten Woche (30/20/10/5 mg reduzierend bis Woche 5). Wenn man Kortison hochdosiert einnimmt, stellt der Körper seine eigene Produktion von Kortison ein und man muss sehr drauf achten, dass man die Dosis über Wochen „schleichend“ runterfährt. Sonst kann es bei abruptem Absetzen zur Nebennierenrindeninsuffizienz kommen, durchaus lebensbedrohlich. Kortison muss morgens eingenommen werden. Es dauert 3 Stunden, bis es anfängt zu wirken, das Wirkmaximum ist in der Mittagszeit und bei 40 mg kommt es zu einer Wirklänge von ca. 16 Stunden.

Was bedeutet dies für meine Therapie in Verbindung mit Closed Loop?

Das waren für mich vorab die Rahmendaten, aber ich hatte immer noch keinen Plan, damit umzugehen. Obiger Teupe-Artikel beschreibt, dass man genau 3 Stunden nach der Kortison-Einnahme eine hohe Insulindosis benötigt in Abhängigkeit der TDD (Total Daily Dose, also Insulin-Gesamtdosis pro Tag), dann erneut nach 6 und 9 Stunden. Dieses Schema basiert allerdings auf der Gabe von Normalinsulin (wie z.B. Actrapid). Vom Grundsatz hatte ich es verstanden, aber mein „Setup“ war nun etwas anders. Kein Normalinsulin, sondern Analogon (Humalog) und dann noch der Closed Loop, den ich seit ca. 3 Jahren nutze.

Was ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht wusste, ist, dass die Insulinwirkung unter Kortison, insbesondere im Wirkmaximum, drastisch verringert wird, sodass man für nur minimale Kohlenhydrat-Mengen (kurz KH) signifikant mehr Insulin benötigt. Ein unglaubliches Beispiel hierfür sind eine Handvoll Radieschen, für die ich, im Wirkmaximum gegessen, 8 IE Insulin benötigte. Normalerweise braucht man hier keine Abdeckung mit Insulin, da dies kaum anrechenbare KH sind.

Kortison-Grundlage verstanden, aber wie mache ich das nun mit dem Loop?

Mir war klar, dass die Kortison-Therapie mit dem Loop weltweit ein Novum ist, da ich meine Pumpe „Off-Label-Use“ betreibe. Somit war es für mich ein „wissenschaftliches“ Experiment, zum einen so gut wie möglich mit dem Kortison klarzukommen, als auch die Loop-Möglichkeiten in Grenzsituation wie dieser auszuloten.

Alles zum Start der Kortison-Therapie unter dem Closed Loop, inklusive Einblicke in meine Zuckerverläufe, erfahrt ihr im nächsten Teil meiner „Diabetes Typ 1 und Kortison-Therapie“-Reihe.

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