Meine erste „Hypo“ mit Bewusstlosigkeit und gravierenden Folgen

Vor 14 Jahren kam es bei Matthias zur schlimmsten Diabetes-Krise. Dies war eine schwere Hypoglykämie mit Bewusstlosigkeit und einer Schulterfraktur. Intraoperativ kostete Matthias das Auftreten einer malignen Hyperthermie fast das Leben. Dieser Bericht beschreibt beide Seiten, seine Diabetes-Krise und die seiner Frau, die nach diesem Vorfall für lange Zeit traumatisiert war.

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Wie kam es zur schweren Hypoglykämie – was war passiert?

Leider hatte ich damals noch kein rtCGM, war also angewiesen auf die klassische Therapie, meinen Blutzucker mit einem Messgerät zu bestimmen. Ich wurde früh am Morgen gegen 05.00 Uhr wach, nass geschwitzt, zittrig und unfähig, einen klaren Gedanken zu fassen. Aber mir war schon klar, mein Blutzucker war wohl sehr tief. Eigentlich hätte ich nur meine Frau wecken müssen, dann wäre nichts passiert, aber ohne Glukose im Kopf passieren keine rationalen Dinge mehr. Also stand ich auf und rührte mir in der Küche ein Glas mit Traubenzuckerpulver an. Aber plötzlich wurde mir schwarz vor Augen und ich wachte erst wieder auf dem Küchenboden auf und ein Sanitäter sah mich an. Mir ging es richtig schlecht und ich hatte höllische Schmerzen in der Schulter. Die Röntgenaufnahmen im Krankenhaus zeigten einen Trümmerbruch, welcher ohne OP nicht zu reparieren war.

Die gravierenden Folgen – mit denen ich heute noch leben muss!

Bei der OP des Trümmerbruchs, der mit einer Titanplatte und 12 Schrauben gerichtet werden musste, kam es während der OP zusätzlich zu einer lebensbedrohlichen Situation für mich. Ebenso war dies für den Anästhesisten eine der schlimmsten Szenarien. Ich krampfte plötzlich sehr stark, mein CO2-Gehalt stieg drastisch an und meine Körpertemperatur schoss auf 42°C hoch, sodass zunächst die OP unterbrochen werden musste.

Quelle: Matthias Momm

Der Anästhesist hat mein Leben gerettet

Ich hatte Glück, dass mein Anästhesist die Situation in Sekundenbruchteilen richtig erkannte und mir mit seiner Diagnose „Verdacht auf eine Maligne Hyperthermie“ und mit der Gabe des Gegenmittels das Leben rettete.

Die größere Krise hatte jedoch meine Frau!

Wie sie das alles erlebte, schildert sie nun selbst:

Ich wurde frühmorgens durch einen dumpfen, lauten Schlag geweckt. Nachdem ich danach nichts mehr hörte, Matthias nicht mehr im Bett lag und unser knapp zweijähriger Sohn auch keinen Mucks machte, stand ich auf, um nachzusehen, was das gewesen sein konnte.

Matthias lag bewusstlos in der Küche

In der Küche wurde dann mein schlimmster Alptraum wahr, als ich Matthias bewusstlos rücklings auf dem Boden liegen sah. O.k., dachte ich mir, jetzt musste ich ruhig bleiben und ihm die GlucaGen-Spritze geben.

Quelle: www.glucagenhypokit.com

So, wie er mir das mal erklärt hatte. Doch als ich die Flüssigkeit aufziehen wollte, brach mir dann vor lauter Aufregung und zittriger Finger die Nadel in der Flasche ab. Was nun? Ich entsann mich, dass Matthias ja noch die 0,5-ml-Einmalspritzen hatte, also mussten die her. Das bedeutete jedoch mehrfach aufziehen und in den Oberschenkel spritzen. Auch das schaffte ich, jedoch immer mit dem Gedanken, hoffentlich wirkt das Glucagon. Hinzu kam, dass Matthias auch noch anfing, währenddessen stark zu krampfen und komisch zu atmen, so dass ich mich dazu entschloss, ihn durch die Nase zu beatmen, die Zähne hatte er feste zugebissen. Als ob das nicht schon genug war, wachte unser kleiner Sohn auf und rief nach mir. Somit musste ich ihn dann auch noch beruhigen und natürlich, nicht zu vergessen, den Notarzt rufen.

Warten auf den Rettungswagen

Während ich dann auf den Notarzt wartete, wurde Matthias langsam wach und ich flößte ihm dann noch Traubenzucker in Wasser aufgelöst ein. Matthias hingegen bekam kaum was mit, stöhnte immer nur über starke Schmerzen in der rechten Schulter. Mir wurde irgendwann klar, er war im ungebremsten Fall auf den am Boden stehenden Brotbackautomat geknallt.

Ab ins Krankenhaus

Dann ging es erstmal, mit unserem Kleinen, ins Krankenhaus und dauerte gefühlt ewig, bis die Ärzte wussten, was Sache ist, und sie Matthias wieder stabil hatten. Also eine OP war angesagt. Am OP-Tag wusste ich, um ca. 11.00 Uhr sollte alles vorbei sein. Erster Anruf dann von mir, doch er war noch nicht auf der Station. Zweiter Anruf von mir dann 1 Stunde später, er war immer noch nicht da und keiner konnte mir Auskunft geben. Ich rief dann bis 15.00 Uhr halbstündlich an und bekam immer mehr Panik, so dass ich mich entschloss, direkt in die Klinik zu fahren.

Nach der OP auf die Intensivstation

Quelle: KWM-Missioklinik Würzburg

Dort schickten sie mich auf die Intensivstation, welche auch Aufwachstation ist. Abgeholt wurde ich dort von einer Ärztin, die mich mit den Worten empfing: „Wenn Sie jetzt ihren Mann sehen, seien Sie nicht so geschockt, es sieht schlimm aus, es gab Komplikationen während der OP, aber er ist über den Berg!“ Ich war verwirrt und bekam immer mehr Panik. Dann sah ich ihn mit Schläuchen daliegen, bleich wie eine Leiche, und bekam gesagt, dass er während der OP durchaus hätte sterben können. In dem Moment wurde mir schwarz vor Augen, schlecht und ich war kurz vorm Umkippen, doch die Blöße wollte ich mir nicht geben und stark für Matthias sein. Also mehrfach tief durchatmen mit Kopf nach unten und ich hatte Glück, mein Kreislauf stabilisierte sich wieder und keiner hatte wirklich mitbekommen, wie es mir gerade ging.

Auf der Station im Krankenhaus ein Spruch, den niemand braucht

Irgendwann kamen dann Ärzte zur Visite, Matthias musste noch zur Beobachtung eine Nacht auf der Intensivstation verbringen. Diese meinten über Matthias, mit ihm hätten sie für dieses Jahr die Quote erfüllt. Ich fand das gar nicht lustig. Erst als ich danach abends nach Hause kam, ist dann alles über mir zusammengebrochen und ich ließ meinen Ängsten seit der Hypo ihren Lauf.  Ab da folgte dann die Zeit der schlaflosen Nächte. Immer wenn Matthias aufwachte oder ich komische Geräusche hörte, war ich sofort wach und schaute, ob er nicht wieder unterzuckert war. Ich lebte Monate, ja jahrelang mit der Angst, er würde wieder so stürzen oder gar etwas Schlimmeres würde passieren.

Heute sind die Ängste nicht mehr so schlimm!

Seit vier Jahren nutze ich das rtCGM und die Ängste meiner Frau sind kaum noch vorhanden, was ein Glück! Sie hat nun auch nicht mehr den ständigen Drang, nach mir zu schauen oder mich zu fragen, wie es mir geht, denn mein Loop hat meinen Zuckerverlauf stabilisiert und mein HbA1c liegt konstant im Wert eines Gesunden ohne nennenswerte Hypos. Das Leben ist für mich und auch die ganze Familie wesentlich einfacher geworden.

2 Kommentare zu “Meine erste „Hypo“ mit Bewusstlosigkeit und gravierenden Folgen

  1. Hallo Matthias,
    oh Mann, was für eine Nummer! Es ist schön, daß Du und Deine Frau die Situation, besonders psychisch, gut bewältigt habt. Zumindest hat es den Anschein. Ich hatte im Januar diesen Jahres eine ähnlich kritische Episode, bei der ich mir zwei Rippen gebrochen und andere Verletzungen zugezogen habe. Zum Glück hatte ich mir in einem halbwegs wachen Moment Glucagon verabreichen können, aber danach wurde es auch wieder dunkel. Sowas ist extrem erschreckend und es braucht eine gewisse Zeit, um es zu verarbeiten. Es hinterlässt seelische Spuren. Von den körperlichen, die wieder verheilen, spreche ich gar nicht erst. Ich wünsche Dir alles gute und eine schöne Zeit.
    Tatjana

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