Probleme mit dem Enlite-Sensor oder die Automatisierung der Diabetestherapie stellt uns vor neue Herausforderungen

Seit einem Jahr trägt Heike die Pumpe MiniMed 640G mit Sensor. Beim Barcamp im September unterhielt sie sich mit teilnehmenden Pumpen-Spezialisten über ihre aktuellen Probleme mit dem Enlite-Sensor.

Read More...

Der Hintergrund: Mein Enlite-Sensor funktionierte über vier Wochen nicht. Ich setzte mir alle zwei Tage einen neuen Sensor. Meine Blutzuckerwerte waren beim Setzen stabil. Und jedes Mal startete nach dem Setzen die  gewünschte Kalibrierung. Aber – es kam regelmäßig nach zwei Stunden die Fehlermeldung „Sensor aktualisiert…“. Und meine Zuckerwerte wurden an der Pumpe nicht angezeigt.

Quelle: Heike Wolf

Zurück zum Altbewährten

Als mein geliebter lieber Sensor nicht mehr mit mir „reden“ wollte, kehrte ich zurück zum altbewährten Modell ohne Sensor. Das war verbunden mit viel blutigem Testen. Ich machte mir in dieser Zeit viele Gedanken über dieses Problem mit dem Sensor. Ich zweifelte innerlich an meinem technischen Geschick und fragte mich: Bin ich zu alt für diese neuen Technologien? Behindern diese neuen Technologien vielleicht mein Diabetes-Management?

Etliche telefonische Kontakte mit der sehr freundlichen „Medtronic-Hotline“ und zwei Treffen mit der Medtronic-Beraterin von Medtronic vor Ort brachten leider immer noch keine Erfolge. Die Verzweiflung setzte sich fort. Aber ich blieb bei meinem altbewährten Diabetes-Management.

Quelle: Heike Wolf

Viel Ausdauer und Geduld bis zur Lösung

Nach vier Wochen und fünf!!! nicht funktionierenden Sensoren – endlich funktionierte mein Sensor wieder. Warum? Ich klebe meine Sensoren jetzt jedes Mal mit einem extra Pflaster fest, so dass der Sensor an der Haut nicht zu viel in Bewegung gerät. Zuvor war das leicht möglich, wenn ich den Sensor am Bauch oder am Bein trug. Dafür muss ich mich jetzt mit noch mehr geröteteten Stellen rund um den Sensor plagen.

Technische Wackelstellen gibt es…

Aber obwohl der Sensor meine Blutzuckerwerte jetzt wieder anzeigt: Die neue Technik „wackelt“ manchmal. So zeigt meine Sensor Werte von 90 mg/dl (5,0 mmol/l) an und unterbricht den Insulinfluss wegen Gefahr von Unterzucker. Ich messe nach und der reale Blutzucker beträgt tatsächlich 180 mg/dl (10,0 mmol/l). Also eine Differenz von 90 mg/dl (5,0 mmol/l)! Die Technik ist nicht immer perfekt!

Und erst gestern gab es zum zweiten Mal eine Bruchstelle zwischen meiner Insulinpumpe und dem Kabel. Glücklicherweise habe ich den Bruch rechtzeitig bemerkt.

Ich möchte hier auf keinen Fall Medtronic oder den Enlite-Sensor kritisieren. Nur glaube ich, muss sich jeder Diabetiker bei all diesen technischen Innovationen eines bewusst sein: Wir als Typ-1-Diabetiker sollten unabhängig von diesen neuen Diabetes-Strategien immer noch in der Lage sein, unseren Diabetes auch unabhängig von diesen neuen Techniken selbständig zu steuern.

Auf Technik ist nicht immer 100 % Verlass. Technik bedeutet große Unterstützung im Diabetes-Management. Forscher und Mediziner arbeiten seit Jahren an Strategien, das Management vom Typ-1-Diabetes wesentlich zu vereinfachen oder bald sogar zu automatisieren (siehe Closed-Loop-System). Dennoch halte ich die persönliche Kontrolle und das Auskennen mit Basics der Diabetes-Therapie auch heute noch für extrem wichtig.

„Durchs Reden kommen Leute zusammen!“

Und genau deshalb ist auch der Austausch auf einer Plattform wie der Blood Sugar Lounge so eine tolle Möglichkeit, über alle großen Diabetes-Herausforderungen gemeinsam ins Gespräch zu kommen. Egal, wie groß ein Problem ist. Wenn man sich gemeinsam zusammensetzt, redet, zuhört und versteht, findet sich in der Regel immer eine Lösung!

Zum Abschluss noch ein kleiner Tipp, den ich durch persönliche Gespräche vom Barcamp mitgenommen habe. Wenn man einen Sensor trägt, ist es sehr wichtig, immer ausreichend zu trinken. Mein tägliches Trinkpensum beträgt jetzt 1,5 Liter Flüssigkeit am Tag. Es ist schwierig, aber machbar …

Habt ihr auch Erfahrungen mit diesen technischen Tücken im Diabetes-Alltag? Schreibt mir! Jeder Leser wird davon profitieren.

5 Kommentare zu “Probleme mit dem Enlite-Sensor oder die Automatisierung der Diabetestherapie stellt uns vor neue Herausforderungen

  1. Hallo Heike,
    da ich aus der DIY-Welt (Loop) komme, sind mir solche Tücken gut bekannt, insbesondere am Anfang vom DIY-Loop vor gut 3 Jahren. Man braucht immer eine “fallback” Lösung und muss sich natürlich gut auskennen mit herkömmlichen Therapien. Ich “übe” das regelmäßig, wenn ich einen Tag in der Sauna “chille” (back to ICT).
    LG Matthias

  2. Die Probleme mit dem Enlite kenne ich auch zur Genüge. Die ersten Erfahrungen mit rtCGM habe ich ebenfalls mit den Enlites gemacht, allerdings noch in Verbindung mit einer Veo. Die Zuverlässigkeit der Sensoren ließ bei mir so etwa zum Jahreswechsel 2016/17 nach. Danach war es überwiegend Krampf. Es lag nicht am Setzen und auch nicht am Trinken. Seit 13 Monaten nutze ich ein anderes rtCGM und bin sehr zufrieden. Und dass ich auch noch ohne rtCGM und auch ohne Pumpe zurecht komme, versteht sich von selbst. Denn an diese technischen Neuerungen habe ich mich erst vor 4 Jahren, in bereits fortgeschrittenem Lebensalter gewagt.

  3. Hallo, ich benutze den Enlite-Sensor jetzt seit 1,5 Jahren, mal mehr oder weniger gut. Sehr viele Probleme mit den angezeigten Werten, die von den tatsächlichen oft um 50 abweichen. Nervt vor allem nachts, wenn die Pumpe andauernd vor niedrigen Werten warnt. Habe ihn auch extra fixiert, vor allem da ich sehr viel Sport mache. Da ist es schon nützlich, wenn man zwischendurch mal durch einen Blick auf die Pumpe den BZ-Wert hat. Aber im großen und ganzen muss man sehr viel Geduld und Nerven haben.

  4. Hallo!
    Wer hat den CGM ohne Probleme? Nur wenige?!
    Ich bin erst seit 3 Tagen auf dem “Enlite” Zug. Bis jetzt geht es so ziemlich gut—ausser für die Alarme in der Nacht. Die Alarme für hoch setze ich grundsätzlich auf stumm, es sei den, die Werte sind sehr hoch. Ein Grund–durch meine lange Erfahrung mit FreeStyleLibre (89 Sensoren) weiß ich, daß ich viel zu viele hochs habe (typischerweise in der Woche 22 zu 1 tief!). Und bis ich die 1-2 Wochen Anfangszeit hinter mir habe, wird da nichts geändert werden, wie ich meine Dia Doc kenne.
    ————————————————Soarer Harald (Typ 1)

  5. Danke für diesen Artikel!!! Ich habe im Frühsommer schon an mir gezweifelt…nun häufen sich die Berichte. Ich hatte am Dezember 2016 große Hoffnungen in den Enlite gesetzt. Die ersten Sensoren liefen super. Dann häuften sich die Ausstiege seit Sommer 2017. Ich kann nur ähnliches berichten – insbesondere Nachts war dies ein riesen Problem. Nicht nur, dass ich den Alarm immer mehr durch Erschöpfung durch die häufigen Ausfälle überschlief – die Abschaltungen bescherten mir zwei Ketoazidosen…so dass ich die Abschaltung dann rausnahm. Im Sommer hatte ich dann echt eine Pause von den Sensoren nötig, da ich mich über Tage befasste, einen Sensor in Gang zu bringen, nur um ihn wieder nach wenigen Tagen zu entsorgen…Ich denke die hohen Temperaturen taten ihr Übriges. Irgendwie konnte mich Metronic bisher wenig überzeugen. Der Wechsel auf Dexcom wurde nun genehmigt.
    Eigentlich ein super System mit richtigen Ansätzen, dass einen unter Umständen echt zermürben kann.
    Danke für den Tipp mit dem Trinken! Das werd ich mir mitnehmen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.