Sauna-Besuch – fast ohne technisches Equipment

Matthias ist seit vielen Jahren ein begeisterter Saunagänger und „chillt“ für sein Leben gerne einen ganzen Tag in der Sauna. Bis auf sein rtCGM stört an so einem schönen Wellness-Tag das ganze technische Equipment, aber er hat am Anfang seiner „Diabetes-Kariere“ gelernt, mit ICT umzugehen. Wie er das nun macht, auch in Verbindung mit seinem Loop, könnt ihr in folgendem Artikel lesen.

Weiterlesen...

Im Folgenden möchte ich meine Erfahrungen beim Sauna-Besuch beschreiben, vom Tag der Vorbereitung bis zum Ende des Sauna-Tages. Ich benutze eine Insulinpumpe, die ich in Verbindung mit einem „AndroidAPS“-Closed-Loop-System (kurz: Loop) betreibe. Das betreibe ich auf eigenes Risiko, welches von mir nicht empfohlen werden kann. Weiterhin stellt es keine Therapieempfehlung dar.

Seit mehr als 20 Jahren besuche ich regelmäßig alle zwei Wochen die Sauna. Dabei spielt es kaum eine Rolle, ob es Sommer oder Winter ist. Es tut mir einfach sehr gut, die Seele baumeln zu lassen und den Diabetes ein wenig zu vergessen.

Quelle: pixabay

Als ich vor vier Jahren mit dem Dexcom-G4-rtCGM anfing und in der Bedienungsanleitung las, dass man große Hitze, wie Besuche in der Sauna, vermeiden sollte, war ich anfänglich sehr frustriert. Ich legte den Sauna-Besuch auf einen Tag mit Sensorwechsel und nahm in Kauf, meinen Blutzucker (BZ), wie früher mit einem klassischen BZ-Messgerät, zu bestimmen.

Ohne die rtCGM-Nutzung schlug ich ganz schnell auf dem Boden der Realität auf. Mein BZ schoss bei früheren Sauna-Besuchen, ohne die Möglichkeit, ihn kontinuierlich im Blick zu haben, schon nach kurzer Zeit durch die Decke. Das kannte ich von früher, als ich nur fünf- bis achtmal pro Tag meinen BZ bestimmt hatte. Somit war die Entscheidung pro rtCGM in der Sauna für mich ganz klar. Abgesehen von der Tatsache, dass ich seit der rtCGM-Therapie kaum noch ernsthafte Hypoglykämien hatte. Zum Schutz gegen die Hitze drückte ich während eines Sauna-Ganges mittlerweile einfach ein kleines Handtuch auf den Sensor, das klappte sehr gut.

Ablegen der Pumpe – was ist zu beachten?

Ich weiß, dass ich durch das Ablegen meiner Insulinpumpe keine Basalrate (BR) mehr im Körper aktiv laufen habe. Für mich gibt es zwei Alternativen:

BR-Lücken „auffüllen“ durch häufige Injektion meines Pumpeninsulins
Grundsätzlich ist es durch die weitere rtCGM-Nutzung in der Sauna kein Problem, die BR-Lücken durch viele kleine Insulineinheiten mit Humalog aufzufüllen.
Weil für mich der Sauna-Tag ein reiner Wellness-Tag mit viel Entspannung sein soll, empfinde ich es als viel zu umständlich und lästig, mir ständig kleine E per Spritze zu injizieren.

Verwendung eines Basalinsulins, wie z.B. Levemir
Die Verwendung eines Basalinsulins habe ich früher unter der ICT gelernt, wobei zu beachten ist, dass die Wirkung nicht sofort nach der Injektion beginnt.
Selbstverständlich darf das Essen an meinem entspannten Wellness-Tag nicht fehlen. Ich esse zwischen den Sauna-Gängen Obst, ungefähr 40 g Kohlenhydrate, verteilt über den gesamten Sauna-Tag. Das Humalog wird nun einfach aus einer Spritze aufgezogen und injiziert. Es ist sehr wichtig, dass nicht direkt vor dem Sauna-Gang gespritzt werden darf, sonst könnte es unter der großen Hitzeeinwirkung zu einer Hypo kommen. Das ist nun mein Equipment für den Tag in der Sauna: BZ-Messgerät, Humalog mit Spritze und mein Smartphone mit rtCGM-Anzeige.

Quelle: Matthias Momm, Sauna-Equipment

Entscheidung pro Basalinsulin für den Saunatag

Um einen bestmöglichen Levemir-Wirkspiegel im Körper aufzubauen, spritze ich schon am Abend vor dem Sauna-Besuch um 19.00 Uhr das Insulin. Mir ist bewusst, dass durch die gleichzeitige Nutzung der Insulinpumpe und des gespritzten Levemirs es in der Nacht zu einer Insulin-Überlappung kommen kann. Das würde zwangsläufig eine Hypo bedeuten, aber der Loop kann mich gut stabilisieren und das Pumpen-Insulin „drosseln“.

Quelle: Matthias Momm (Nightscout), Nacht mit Levemir vor der Sauna

Den Loop-Zielbereich, gewöhnlich definiert mit 90 mg/dl (5,0 mmol/l), hebe ich auf 110 mg/dl (6,1 mmol/l) an. Den Insulinempfindlichkeit-Parameter ISF (Insulin Sensitivity Factor) definiere ich eher konservativ mit 80%. Am Tag des Sauna-Besuches spritze ich um 07.00 Uhr eine weitere Levemir-Dosis für meine BR.

Quelle: Matthias Momm, Levemir

So lief mein Blutzucker in der Sauna

Vor der Sauna frühstückte ich wie gewohnt. Leider musste ich den Sensor neu starten, sodass ich zwei Stunden nach dem Frühstück im „Blindflug“ unterwegs war. Trotzdem lief es mit meinem BZ postprandial sehr gut. Etwas Traubenzucker war trotzdem notwendig, sonst wäre ich wohl in eine Hypo abgerutscht. Mein Essen bestand aus einem Käsebrot mit Obst, welches ich mit einem erhöhten „BE-Faktor“ abdeckte. Gegen 17.00 Uhr setzte ich einen neuen Katheter und aktivierte die Pumpe und den Loop.

Quelle: Matthias Momm (Nightscout), BZ Sauna-Tag

Fazit: Ohne Pumpe mit ICT in der Sauna klappt einwandfrei

Durch die zweimalige Levemir-Gabe kann ich während des Sauna-Tages meinen (Blut-)Zucker stabil im Zielbereich halten. Das Wichtigste dabei ist, den Tag zu genießen und nicht krampfhaft das Bestmögliche erreichen zu wollen (durch den Loop sind meine Ansprüche sehr gestiegen). Klar kann der Gewebezucker an einem Sauna-Tag nicht so perfekt wie mit meiner Insulinpumpe und dem Loop laufen, aber mit der durchgängigen rtCGM-Nutzung kann ich gegebenenfalls meinen Zuckerwert korrigieren. Die Werte an diesem Tag waren etwas „holprig“, aber das kann durchaus passieren, wenn man mit Hitze und Wasser längere Zeit in Verbindung kommt.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.