Meine Diagnose – Diabetes Typ 1

Matthias bekam seinen Diabetes Typ 1 im Sommer 1995. Kaum zu glauben, aber wahr, ein kurz vor der Krankenhauseinweisung herbeigerufener Notarzt sagte ihm, es sei Sommer und er solle mehr trinken. Ein Blutzuckertest wurde nicht durchgeführt. Kurze Zeit später lag Matthias mit einem Blutzucker von über 400 mg/dl (22,2 mmol/l) im Krankenhaus. Im Folgenden schreibt er über seine Zeit vor der Diagnose, während des Krankenhausaufhalts und über die Zeit in der Anschlussheilbehandlung in einer Rehabilitationsklinik.

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[Dieser Beitrag enthält unbeauftragte Markennennung.]

Am Anfang ein sehr langandauernder Husten

Ich hatte noch nie in meinem Leben so lange Husten wie damals, als letztendlich Monate später meine Diabetes-Typ-1-Diagnose gestellt wurde. Alles begann mit einem normalen grippalen Infekt. Dann kam aber ein starker Husten dazu, der überhaupt nicht mehr weggehen wollte.

Klassische Symptome, Hausarztbesuch, Glukosetoleranztest

Einhergehend mit den klassischen Symptomen wie häufiger Harndrang, sehr starker Durst, Müdigkeit und sehr starke Gewichtsabnahme, wurde bei meinem Hausarzt der sogenannte Glukosetoleranztest durchgeführt.

Dieses ekelhaft süße Zeug runterzuwürgen, empfand ich gar nicht so schlimm. Es war halt notwendig. Das Ergebnis war durchaus überraschend mit „Sie haben keinen Diabetes Typ 1“.

Zwar sprachen alle Symptome dafür, aber der Blutzuckerverlauf war komplett in Ordnung. Wahrscheinlich hatte damals meine Bauchspeicheldrüse noch mal alle „Reserven“ mobilisiert.

 

Quelle: accu-chek.de

Wieder total geschwächt nach Hause

Also ging es nach dieser „guten Diagnose“ wieder nach Hause. Es ging mir aber zusehends von Tag zu Tag schlechter. Wie ich das aus heutiger Sicht solange geschafft hatte, fast ein Wunder.

Kurz vor dem finalen körperlichen Zusammenbruch besuchte ich mit meiner Frau einen Modellflugtag an einem Sonntag.

Dort saß ich nur völlig apathisch in der Ecke. Sehr untypisch, denn die Fliegerei war schon damals eine große Leidenschaft von mir. Es quälte mich an diesem Tag ein unmenschlicher Durst und gleichzeitig war mein Mund total trocken. Später wurde eine Pilzinfektion im Mund festgestellt.

Zuhause der Notarzt

Meine körperliche Verfassung wurde zunehmend schlechter, meine Frau rief noch am gleichen Tag den Notarzt. Sie erzählte ihm, dass der kürzlich durchgeführte Glukosetoleranztest keine Auffälligkeiten gezeigt hatte. Der Notarzt war ziemlich entspannt, sprach irgendwas von „Kreislaufproblemen wegen des heißen Sommers“, ich solle etwas mehr trinken, „dann klappt das wieder“.

Immerhin bekam ich eine Vitaminspritze, naja, irgendwas musste ja abgerechnet werden. Was er aber nicht machte, so einfach wie es klingt und ist: einen einfachen Blutzuckertest. Somit war für ihn auch klar, kein Diabetes Typ 1.

Zwei Tage später kam der Krankenwagen

Es kam so, wie es kommen musste, zwei Tage nach dem Notarzt fuhr mich meine Frau zum Hausarzt, weil ich nicht mehr richtig sprechen konnte. Dieser ließ mich sofort mit dem Krankenwagen in die Klinik einweisen. Ich stand vor dem ketoazidotischen Koma.

Für 10 Tage hatte ich nun ein neues Zuhause, ein schickes Bett im Krankenhaus. Aber das schöne Zimmer konnte ich gar nicht so genießen, denn ich war völlig entkräftet und war permanent an einem Tropf angeschlossen. Beiläufig erhielt ich dann auch mal die Diagnose Diabetes Typ 1.

Mein Insulin-Management sah sehr einfach aus. Morgens und abends als Basalinsulin wurde Protaphan gespritzt und zum Essen Actrapid.

Richtig aufgeklärt wurde ich nicht. Ich wurde von Tag zu Tag nervöser, denn mein Blutzucker von ca. 400 mg/dl (22,2 mmol/l) wollte einfach nicht sinken.

Das ermittelte HbA1c lag bei knapp 14%. Ein paar Informationen bekam ich dann schließlich doch noch. Die Ärztin sagte, ich sollte einfach Geduld haben. Ein so hoher Blutzucker und Langzeitwert dürfe nur langsam wieder normalisiert werden. Ich konnte und wollte das zwar damals nicht verstehen, aber akzeptierte es doch.

Am letzten Tag kurz vor der Entlassung bekam ich noch rudimentär ein Spritzschema, das war es. Damit wurde ich ins „normale“ Leben entlassen. Ich war komplett ungeschult, unsicher und verzweifelt.

Quelle: pixabay

Wieder zuhause, Kühlschrank auf und einfach essen?

Nach der Ankunft zuhause kann ich mich noch sehr gut an folgende Situation erinnern: Hungrig machte ich den Kühlschrank auf und wollte alles in mich reinstopfen.

Aber „stopp“, da war doch was! Aus lauter Verunsicherung aß ich fast gar nichts, blickte aber nach vorne, denn drei Tage später sollte eine Anschlussheilbehandlung in einer Rehabilitationsklinik beginnen.

Quelle: Matthias Momm

Drei Tage später ab in die Reha

Zum Glück hielt dieser Zustand nicht lange an, denn in der Klinik wurde eine sogenannte „Anschlussheilbehandung“ organisiert. Die Koffer gepackt, saß ich nun mit meinen abgemagerten 63 Kilo Körpergewicht (188 cm Körpergröße) im Zug, Richtung Norden in eine Reha in Mölln. Im Zug kamen dann sämtliche Emotionen hoch.

Und schon wieder wechselte ich den „Wohnort“, richtiger Umzugsstress.

In der Reha verbrachte ich eine interessante und spannende Zeit. Die drei Wochen verflogen wie im Flug. Dort lernte ich viele „Reha-Freunde“ in meinem Alter kennen.

Die Diabetes-Schulungen waren für die damaligen Verhältnisse qualitativ sehr hochwertig. In den Vorträgen wurde alles erklärt, sogar bis ins Detail, wie Insulin wirkt und ein Insulinmolekül aufgebaut ist.

Die Zeit dort empfand ich bald als Erholung. Ich wurde mental sehr gestärkt und hoch motiviert entlassen.

Quelle: pixabay

Kalorien zählen bis zum heutigen Tag

Bis zum heutigen Tag klappt das Bestimmen von Nährwerten gut. Ich hatte einen sehr nützlichen Helfer, dieses kleine Büchlein. Heute schaue ich nur gelegentlich dort hinein. Das Meiste habe ich verinnerlicht und kenne mich gut aus. Fett und Protein (FPE) wurden damals noch überhaupt nicht berücksichtigt. So weit war man noch nicht.

Quelle: Matthias Momm

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