Selbstgemachte Pizza vom Grill – Blutzucker erfolgreich im Zielbereich

Heute gibt es BBQ-Pizza vom Grill. Matthias zeigt euch alles: von der Zubereitung bis zur fertigen Pizza. Seine „verhaltensoriginelle“ Diabetes-Therapie mit seinem DIY-Loop ermöglicht es ihm, Pizza zu essen ohne Glukose-Spitzen.

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Disclaimer:

Der folgende Bericht beschreibt meine persönlichen Erfahrungen mit meinem Diabetes Typ 1 unter Verwendung eines „AndroidAPS“ Closed Loop (kurz: Loop). Ich empfehle dieses System nicht und betreibe es auf eigenes Risiko. Das Beschriebene stellt in keiner Weise eine Therapieempfehlung dar und sollte nicht nachgemacht werden. Sämtliche Ausführungen zur Verwendung eines Closed-Loop-Systems dienen nur der Information.

 

Pizza wie beim Italiener, aber vom Grill

Ich grille das ganze Jahr mit meinem Gasgrill. Die Jahreszeit spielt keine Rolle. Selbst bei starkem Schneefall habe ich den Grill schon „angeworfen“. Irgendwann dachte ich mir, immer nur Fleisch und Würstchen vom Grill, das ist langweilig, da muss was Neues her.

Man benötigt einen Pizzastein mit einer Pizzaschaufel. Der Pizzastein gibt seine Wärme wie in einem Steinofen gleichmäßig an den Pizzaboden ab und hat den Vorteil, dass die große Hitze nahezu konstant bleibt. Das klappt im konventionellen Backofen in der Küche nicht gut.

Für den Pizzateig benötige ich nur wenige Zutaten. Zucker als Triebmittel nehme ich nicht, da der Teig nach dem Kneten für 20 bis 24 Stunden im Kühlschrank geht. Für eine gute Geschmeidigkeit nehme ich Olivenöl, welches den Teig geschmacklich abrundet.

Die Zutatenliste für den Teig, welcher für vier Pizzen gedacht ist, sieht wie folgt aus:

  • 500 g Pizza-Mehl (Typ 00 oder ersatzweise 550)
  • 300 ml lauwarmes Wasser
  • 10 g Frischhefe
  • 10 g Salz
  • Pfeffer aus der Mühle
  • 1 EL Olivenöl

Einen guten Pizzateig knetet man mit der Hand

Den Pizzateig stelle ich einen Tag vorher her. Das dauert ungefähr 20 Minuten (ohne Ruhezeit für den Teig). Das Mehl gebe ich in eine ausreichend große Schüssel. Salz und Pfeffer aus der Mühle werden vor dem Einrühren der Flüssigkeit mit einem Löffel sorgfältig ins Mehl vermengt. Anschließend drücke ich in die Mitte des Mehls eine Mulde. Die Frischhefe rühre ich mit einem Schneebesen ins lauwarme Wasser ein. Sobald die Hefe sich komplett aufgelöst hat, gebe ich das Olivenöl mit der Flüssigkeit zum Mehl und vermenge es nur grob mit einem Teigwender (ein Kochlöffel tut es auch).

Quelle: Matthias Momm

Abgedeckt mit einem Handtuch stelle ich die Schüssel an einen warmen Ort, damit der Teig ruhen kann. Inzwischen bereite ich die Arbeitsfläche vor, um den Teig nach der Ruhezeit mit der Hand zu kneten. Vorbereiten heißt: genug Platz räumen und die Fläche mit Mehl bestäuben, damit der Teig nicht beim Kneten festklebt. Man braucht keine Küchenmaschine für das Kneten des Teiges. Das beste Ergebnis beim Kneten erziele ich nach 15 Minuten Kneten mit der Hand. Die Wärme der Hände fungiert quasi als Katalysator, damit die Hefe aktiviert wird. Positiver Nebeneffekt ist, dass man seine Finger und Unterarmmuskeln trainiert.

Sobald der Teig glatt und geschmeidig ist, wird er in vier gleichgroße Kugeln geteilt. Diese lege ich einzeln in kleine Schüsseln (etwas Mehl darunter) und decke sie mit Frischhaltefolie ab. Das Abdecken ist wichtig, sonst trocknet der Teig aus.

Quelle: Matthias Momm

Nun muss der Teig für 20 bis 24 Stunden (kürzer klappt auch, aber 12 Stunden sind notwendig) in den Kühlschrank. Mittlerweile klappt das bei mir sehr gut, sodass ich den Pizzateig schnell einen Tag vorher ohne viel Aufwand herstellen kann.

Es geht los – alles auf die Pizza, was das Herz begehrt

Ihr könnt eigentlich alles auf eure Pizza legen, was ihr gerne esst. Meine Pizza besteht aus diesen Zutaten:

  • Pizzasauce (gibt es in Dosen zu kaufen)
  • Pizzagewürz
  • Salami, Schinken (roh und/oder gekocht)
  • Ananas
  • Peperoni (scharf)
  • frische Champignons
  • geriebener Käse (in Tüten fertig zu kaufen)
Quelle: Matthias Momm

Teigkugel, Zutaten liegen bereit – wie nun die Pizza herstellen?

Bevor es in der Küche losgeht, drehe ich meinen Gasgrill auf „Vollgas“. Der Pizzastein muss 30 Minuten vorgeheizt werden. Die Pizza wird später bei 300°C ca. 7 Minuten auf den Pizzastein gelegt. Während der Pizzastein auf hohe Temperatur gebracht wird, kann ich in Ruhe die vier Pizzen vorbereiten.

Für die Herstellung des Pizzabodens rolle ich die Teigkugeln mit drehenden Bewegungen aus und lege den Boden anschließend auf Backpapier mit 1 cm Überstand. Durch das Backpapier klebt die Pizza nicht am Pizzastein fest.

Grundlage für jede Pizza ist die Pizzasauce, welche ich dünn mit einem Backpinsel auf dem Pizzaboden verteile. Für einen würzigen Geschmack streue ich Pizzagewürz auf die Sauce.

Nun lasse ich meiner Fantasie freien Lauf und belege die Pizza, nicht zu dick, mit den Zutaten. Zum Schluss kommt noch geriebener Käse drüber, dann ab auf den Pizzastein.

Es ist sehr wichtig, die Pizza schnell auf den Pizzastein zu schieben, der Deckel des Gasgrills sollte so schnell wie möglich wieder geschlossen werden. Sobald der Deckel geschlossen ist, unbedingt einen Wecker auf 7 Minuten stellen, sonst ist der Pizzaboden zu dunkel oder sogar angebrannt.

Buon appetito!

Quelle: Matthias Momm

Pizza und Diabetes – geht das (gut)?

Für mich eine ganz klare Antwort: Das geht sogar sehr gut. Schaut euch unten meinen Sensorglukose-Verlauf an. Etwas mutig an die Sache rangehen, dann klappt das.

Ich nutze einen DIY-Loop und mache das so: Ich versuche, meinen Glukosewert präprandial (vor der Mahlzeit) auf ca. 80 mg/dl (4,4 mmol/l) zu drücken. Dann ist mein Körper insulinempfindlicher und ein SEA (Spritz-Ess-Abstand) kann stark reduziert werden (ich nutze Humalog).

Beim Loop gibt es den Eating-Soon-Modus (ES), d.h. 60 Minuten vor meinem Essen stelle ich auf diesen Modus um. Dieser setzt meinen Glukose-Zielbereich für 60 Minuten auf 80 mg/dl (4,4 mmol/l).

Im Gegensatz zu einem „prä-Bolus“ (also ein paar Einheiten Insulin vor dem Essen) kann man im ES-Modus nicht ernsthaft unterzuckern. Sollte das Essen ausfallen, es gibt oft genügend Gründe dafür, würde mein Glukosewert nur auf 80 mg/dl (4,4 mmol/l) reduziert. Zu keinem Zeitpunkt besteht die Gefahr einer „Hypo“.

Die fertige Pizza steht auf dem Tisch

Mein Gewebezucker befindet sich etwas unterhalb von 80 mg/dl (4,4 mmol/l). Das ist perfekt, denn die fertige Pizza steht auf dem Tisch und wartet darauf, „vernichtet“ zu werden.

Quelle: Matthias Momm – Screenshot

Für die Pizza gebe ich dem Loop-Kalkulator als Eingabe 80 g Kohlenhydrate (KH). Der Loop-Algorithmus bestimmt daraus 10,8 Einheiten Insulin. Wegen der FPE definiere ich noch 60 g „eCarbs“ für eine Laufzeit von zwei Stunden, eCarbs (extended Carbs) sind KH in der Zukunft, vergleichbar mit verzögertem Bolus. Der Loop-Algorithmus „sieht“ diese KH und gibt kleine SMBs (Super-Microbolus) ab.

Zusammenfassung: 140 g KH (inkl. eCarbs) und 18 Einheiten Insulin für eine Pizza.

Fazit: Pizzaessen kein Problem mit Diabetes

Ich kann mich gut daran erinnern, wie ein Arzt einmal sagte: „Die hohe Kunst beim Diabetes ist es, die richtige Menge Insulin zum richtigen Zeitpunkt zu spritzen.“

Das kann ich uneingeschränkt unterschreiben. Egal ob man seinen Diabetes mit Pen oder Pumpe therapiert, aber dieser Satz bringt es auf den Punkt.

Seitdem ich mein rtCGM nutze, therapiere ich mich mit einer gehörigen Portion Mut und durchbreche oft Standards, welche mir vor 20 Jahren gelehrt wurden. Im Zeitalter von rtCGM (und DIY-Loop) hat sich doch sehr viel geändert.

Wenn ich das nun für mich auf das Pizzaessen beziehe, spritze ich mehr Insulin sofort, aber auch eine hohe Menge an Insulin auf eine lange Zeit verzögert. Wenn man nun KH und FPE zusammen betrachtet, komme ich gut und gerne auf 140 g KH (FPE inkludiert) für eine Pizza mit ca. 18-20 Einheiten Insulin.

Früher in Zeiten „vor rtCGM“ hätte ich mich nie im Leben getraut, für eine Pizza 20 Einheiten Insulin zu spritzen. Mein Blutzucker schoss immer in ungeahnte Höhen von 250 mg/dl (13,9 mmol/l) und mehr und das stundenlang.


Mehr Rezepte findet ihr in der #BSLounge-Kategorie „Geniessen“!

Ein Kommentar zu “Selbstgemachte Pizza vom Grill – Blutzucker erfolgreich im Zielbereich

  1. Hallo Matthias,

    ich werde auf jeden Fall mal Dein Pizzarezept versuchen und vielleicht sollte ich AAPS mal aktualisieren und SMB aktivieren. Besten Dank für Deinen Bericht und herzliche Grüße aus der Nachbarschaft 😉

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