Pen vs. Pumpe vs. Loop (Teil 1)

Matthias – eigentlich überzeugter DIY-Looper – dachte sich, er müsse seine Sinne mal „schärfen“, und wechselte zunächst für zwei Wochen zur ICT, danach zwei Wochen zur CSII (ohne DIY-Loop). Beide Therapien vergleicht er mit seiner DIY-Loop-Therapie.

Read More...

[Dieser Beitrag enthält unbeauftragte Marken- und Produktnennung.]

Meine „Diabetes-Karriere“ fing vor 23 Jahren klassisch mit der Pen-Therapie an. Schon ein Jahr später kam die Insulinpumpe. Seit ungefähr 1100 Tagen „hänge“ ich am DIY-Loop. Wer mich kennt, weiß, dass ich stets was Neues suche, damit der Diabetes nicht „langweilig“ wird.

22 Jahre Pumpe, nun Pen-Therapie – warum das denn?

Seit gut drei Jahren therapiere ich mich auf eigenes Risiko mit meinem DIY-Loop. Seitdem liegt mein HbA1c im Bereich eines Nicht-Diabetikers.

Ist das nun gut oder schlecht?

Wenn man die Werte nüchtern betrachtet, ist das natürlich einwandfrei. Aber wie ist das mit dem Aufwand, den ich mit der Technik betreiben muss? Der DIY-Loop soll das Leben ja erleichtern. Aber das Ganze muss in einem vertretbaren Zeitaufwand stehen. Die Therapie unter DIY-Loop ist alles andere als ein „Selbstläufer“.

Um meine Sinne zu „schärfen“ und auch festzustellen, wo für mich die Vor- und Nachteile einer Pen-Therapie liegen, starte ich mit einer geplanten Dauer von zwei Wochen diese Therapieform. Basalinsulin ist Levemir, sonst Humalog.

Während dieser zwei Wochen schenkt mir ein Freund eine Tresiba-Ampulle (das „tolle“ Langzeitinsulin). Somit verlängere ich meinen „Feldversuch“ um zwei weitere Wochen mit Tresiba – was ich eigentlich mit meinem Diabetologen besprechen müsste, weil es für mich ein neues Insulin ist…

Mein rtCGM Dexcom tausche ich nicht gegen die blutigen Messungen aus der „Steinzeit“ ein. Das rtCGM ist aufgrund der Alarmfunktionen meine Sicherheit vor drohenden „Hypos“.

Quelle: Matthias Momm (Tresiba, Levemir, Humalog)

Pumpe und DIY-Loop – ab in die Ecke und ausschalten

Als Basalinsulin wähle ich Levemir mit zwei Injektionen pro Tag, aufgeteilt morgens (7 Uhr) und abends (19 Uhr), immer zur gleichen Uhrzeit. Zum Start der ICT dauert es ungefähr ein bis zwei Tage, bis sich das Levemir als „Depot“ im Körper aufgebaut hat. In dieser Zeit korrigiere ich noch stark mit dem Humalog-Pen.

Blutzuckeranstieg in den frühen Morgenstunden

Mit Levemir ist es bei mir nicht möglich, gegen das Dawn-Phänomen anzukämpfen. Gegen 4 Uhr nachts startet bei mir die Blutzucker-Rakete. Wenn der Morgen mit einem präprandialen Blutzuckerwert von 160 mg/dl (8,9 mmol/l) beginnt, ist das Frühstück schon „versaut“. Da hilft bei mir selbst ein sehr langer Spritz-Ess-Abstand wenig, um den Blutzucker vor dem Essen „brauchbar“ runterzubekommen. Was bei mir hilft: gleich nach dem Aufstehen eine ordentliche Ladung mit dem Humalog-Pen.

Quelle: Matthias Momm (Dawn-Phänomen unter ICT, Levemir)

Ausschlafen nicht möglich

Bedingt durch die notwendige Levemir-Injektion um 7 Uhr ist ein langes Ausschlafen nicht möglich. Aber das ist für mich kein Problem, da ich sowieso ein „Early Bird“ bin, auch am Wochenende.

Wie läuft der Tag mit ICT?

Ein Segen für mich ist mein rtCGM, sodass ich zu jeder Zeit meinen Gewebezuckerverlauf sehen kann und bei Bedarf mit meinem Humalog-Pen korrigiere. Das ist aufwändig, aber durch mein rtCGM sehr einfach, insbesondere wenn ich Trends im Gewebezucker rechtzeitig richtig deute und handle. Da ich gerne esse und das auch oft, sind viele Humalog-Injektionen notwendig. Wenn man strenggenommen die Penkanüle nach jeder Injektion wechselt, kommen schon einige Kanülen zusammen. Ich benötige so zwischen drei bis vier Kanülen pro Tag.

ICT mit „Tresiba“ – wesentlich entspannter

Das Langzeitinsulin Tresiba hat im Vergleich zu Levemir eine andere Wirkcharakteristik. Es wirkt länger und wesentlich gleichmäßiger. Ich reduziere die Dosis von Tresiba im Vergleich zu Levemir um 20%.

Tresiba spritze ich abends um 21 Uhr mit dem Pen. Die Uhrzeit ist eigentlich egal. Es muss dann nur immer zum gleichen Zeitpunkt gespritzt werden. Eine Injektion pro Tag. Das Dawn-Phänomen kann Tresiba gut „bekämpfen“. Ich bin sehr zufrieden mit diesem Langzeitinsulin.

Quelle: Matthias Momm (Dawn-Phänomen unter Tresiba)

Statistik über 14 Tage – Levemir vs. Tresiba

Folgende Statistik spricht für mich eine klare Sprache „pro“ Tresiba. Das HbA1c hat keine nennenswerten Unterschiede. Beide Werte liegen unterhalb von 6%. Signifikant fällt schon der Unterschied bei TIR (Time In Range), SD (Standardabweichung) und im High-Bereich (bei mir > 160 mg/dl bzw. 8,9 mmol/l) auf.

Gewebezucker-Statistik – Levemir (14 Tage)

Quelle: Matthias Momm

Gewebezucker-Perzentil – Levemir (14 Tage)

Quelle: Matthias Momm

Gewebezucker-Statistik – Tresiba (14 Tage)

Quelle: Matthias Momm

Gewebezucker-Perzentil – Tresiba (14 Tage)

Quelle: Matthias Momm

 Vorteile der Pen-Therapie für mich

  • Bis auf den rtCGM-Sensor muss ich nichts am Körper tragen.
  • Beim Sport finde ich die Pen-Therapie einfach weniger beschwerend, nichts stört und kann runterfallen (Pumpe).
  • Das Basalinsulin gibt mir mehr Sicherheit. Im Vergleich zur Pumpe (Katheterverstopfung) ist die Gefahr einer „Keto“ wesentlich niedriger.

Nachteile der Pen-Therapie für mich

  • Aufgrund von mehrfachen Injektionen verliere ich oft den Überblick in Bezug auf die gespritzten Insulinmengen und das IOB (Insulin On Board, noch wirkendes Insulin).
  • Ich kann das Basalinsulin vergessen zu spritzen (am besten Handy-Wecker täglich).
  • Für jede Mahlzeit muss ich spritzen und u.U. bei fett- und eiweißhaltigen Mahlzeiten (FPE) oft nachspritzen, das kann nerven.

Mein Fazit

Die Zeit ohne Pumpe und Schlauch habe ich als eine Art von Freiheit empfunden. Die vier Wochen ICT haben mich als sehr ambitionierten Looper „eingenordet“, sodass ich auch mal einen höheren Blutzuckerwert entspannt akzeptieren kann. Für mich kommt die Pen-Therapie jedoch nur für kurze Zeiten, wie z.B. Urlaub, in Betracht und nicht als Dauerlösung, weil die Nachteile für mich überwiegen.

Weiter geht es im zweiten Teil mit Matthias’ zweiwöchiger „Nur-Pumpen-Erfahrung“.


Beim Anblick eines Insulinpens wissen nicht alle, worum es sich da eigentlich handelt. Katharina hat die verschiedenen Ideen mal verbildlicht: Insulinpen oder doch etwas ganz anderes?

2 Kommentare zu “Pen vs. Pumpe vs. Loop (Teil 1)

  1. Hallo Matthias,

    ich lese Deine Beiträge immer gerne, insbesondere, wenn Du wieder einmal etwas ausprobierst.

    Respekt, dass Du Deine Pumpe abgelegt hast – das könnte ich mir –ebenfalls, wie bei Dir nach 22 jährigem Tragen- nicht vorstellen.

    Es hat mich daher besonders überrascht, dass die TIR bei Anwendung des Basalinsulins so gut ausgefallen ist. Hätte ich nicht gedacht.

    Wie Du schon geschrieben hast, gibt es bei der Pen-Therapie Vor- und Nachteile, wobei meiner Meinung nach die Nachteile überwiegen (straffe Organisation und Dokumentation des Alltags). Für eine Übergangslösung, falls die Pumpe mal kaputt geht, ist Dein Bericht trotzdem sehr hilfreich.

    Ich bin gespannt, wie die nächsten zwei Wochen bei Dir verlaufen.

    Viele Grüße von Emma

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.