Pen vs. Pumpe vs. Loop (Teil 2)

Es geht für Matthias in die nächste „Testphase“. Sein DIY-Loop schlummert seit vier Wochen in der Ecke. Im zweiten Teil seiner Vergleichsserie geht es um seine persönlichen Erfahrungen mit der Insulinpumpentherapie (ohne DIY-Loop).

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[Dieser Beitrag enthält unbeauftragte Marken- und Produktnennung.]

Die vier Wochen ICT haben meine Sinne sehr „geschärft“. Ich bin mittlerweile wesentlich entspannter im Umgang mit meinen Blutzuckerwerten, gerade auch, wenn diese sich außerhalb meines Zielbereiches befinden (70-160 mg/dl bzw. 3,9-8,9 mmol/l). Dank meines rtCGMs ist es jederzeit möglich, Korrekturen „zu fahren“. Das rtCGM ist für mich die „Revolution“ in der Diabetes-Therapie.

3-2-1 – los geht’s mit der Pumpe

Nun heißt es, meine „Accu-Chek Spirit Combo“-Insulinpumpe wieder aus dem Regal zu holen, Batterie einzulegen, Reservoir zu füllen und damit zwei Wochen (ohne DIY-Loop) ins „Rennen“ zu gehen.

Im Vergleich zur Pen-Therapie (siehe Teil 1 meines Berichtes) benötige ich für Bolus und Basal nur noch ein Insulin. Das macht es für mich einfacher. Ein Verwechseln der Pens ist ausgeschlossen. So kann es mir nicht passieren, dass ich mir irrtümlicherweise das falsche Insulin spritze.

Quelle: Matthias Momm

Basalrate passt – schon mal die halbe Miete

Die Definition meiner Basalrate passt ziemlich gut. Das ist sozusagen die halbe Miete und wenn keine weiteren „Störfaktoren“ wie Essen und Bewegung dazukommen, verläuft mein Gewebezucker in der Nacht sehr glatt.




Quelle: Matthias Momm (mein nächtlicher Gewebezucker-Verlauf mit optimaler Basalrate)

Basalrate bei Krankheit, Sport – wie läuft das?

Bei einer Krankheit benötige ich immer mehr Basalinsulin, denn mein Körper befindet sich in einer Insulinresistenz. Um dem erhöhten Insulinbedarf gerecht zu werden, passe ich einfach meine Basalrate mit der Funktion „Temporäre Basalrate (TBR) an. Dies geht mit einer prozentualen Erhöhung der TBR einher (z.B. 150% auf eine Dauer von 6 Stunden).

Anders verhält es sich, wenn ich Sport mache, z.B. beim Radfahren. Hier reduziere ich die TBR prozentual für einen definierten Zeitraum.

Das klappt unter der Pen-Therapie nicht so einfach und flexibel. Das morgendlich gespritzte Basalinsulin ist für den ganzen Tag wirksam und kann dem Körper nicht mehr entzogen bzw. rechtzeitig erhöht werden.

Statistik über 14 Tage mit „Nur-Pumpe

Meine Statistik nach den zwei Wochen „Nur-Pumpe“ zeigen fast genauso einwandfreie Ergebnisse wie bei der Pen-Therapie. Allerdings ist der Aufwand unter ICT höher (Korrekturen mit Kohlenhydraten oder Insulin). Dabei ist mein rtCGM für mich die Grundlage überhaupt, um gute Werte zu erzielen. Mit einer blutigen konventionellen Blutzucker-Messung (8-10 Messungen/Tag) ist dies kaum zu erreichen.

Gewebezucker-Statistik – „Nur“-Pumpe (14 Tage)

Quelle: Matthias Momm

Gewebezucker- Perzentil Nur-Pumpe (14 Tage)

Quelle: Matthias Momm

Vorteile der Pumpen-Therapie für mich

  • Genauere Definition der Basalrate (bis zu 24 Basalratensegmente).
  • Bei mehreren Mahlzeiten pro Tag kann ich einfach durch Knöpfchendrücken einen Bolus abgeben. Unter Pen ist immer eine neue Injektion notwendig.
  • Bessere Dosierung von kleinen Insulinmengen.
  • Die Anzeige von IOB (Insulin OBoard, noch wirkendes Insulin) in der Pumpe gibt einen guten Überblick, wie viel Insulin noch wirkt. Die Gefahr einer „Hypo“ wird somit reduziert.
  • Die Insulinpumpe habe ich immer dabei. Den Pen kann ich auch mal vergessen oder sogar verlieren.
  • Das Auslesen der Pumpendaten ermöglicht eine einfachere Statistikerstellung für meinen Arzt.

Nachteil der Pumpen-Therapie für mich

  • Der Pumpenschlauch ist immer im Weg. Eine Alternative könnte für mich eine sog. Patchpumpe sein.
  • Egal wo ich die Pumpe trage (Hosentasche, Gürtel, Bauchgurt etc.) – sie stört oft und schränkt meine Bewegungsfreiheit ein.
  • Meine Insulinpumpe ist nur spritzwassergeschützt zugelassen, somit benötige ich bei einem längeren Aufenthalt im Schwimmbad Basalinsulin, welches ich durch mehrfache Boli ersetzen muss.
  • Erhöhte „Keto-Gefahr, falls der Katheter mal verstopft ist. Im Vergleich zur ICT kann schneller ein absoluter Insulinmangel entstehen.

Mein Fazit

Beim Vergleich der „nackten“ statistischen Werte kann ich nicht wirklich festlegen, ob nun die Pen- oder Pumpen-Therapie für mich besser ist. Auch wenn ich unter der Pen-Therapie mehr „Freiheiten“ verspürt habe, überwiegen für mich klar die genannten Vorteile der Pumpen-Therapie.

Weiter geht es im dritten Teil mit Matthias’ DIY-Loop: Pen vs. Pumpe vs. Loop (Teil 3).


Einen weiteren Erfahrungsbericht über das Leben mit einer Insulinpumpe findet ihr z.B. von Michael: Die ersten 72 Stunden – Start in mein neues Leben als Pumper mit SuP

5 Kommentare zu “Pen vs. Pumpe vs. Loop (Teil 2)

  1. Hi Matthias!
    Weißt du eigentlich, dass solche Selbstexperimente für jemanden, der gerade überlegt umzusteigen (von was auf was sei dahingestellt) unheimlich interessant und hilfreich ist?
    Ich kann dir bei deiner Meinung zur Pen-Therapie nur zustimmen. Klar, kein Schlauch (Hi Patchpumpe) aber eben auch der zusätzliche Aufwand beim Überdenken von Spritzen, Sport, anderer Faktoren etc.

    Bin gespannt, wie es weitergeht!

  2. Hallo Herr Momm,
    wie ich aus Ihren Berichten erfahren kann, haben Sie einen guten Überblick über die aktuellen technischen Möglichkeiten in Bezug auf T1D.
    Als Radsportler habe ich oft das Pech mich in eine Hypo zu “strampeln”. Nun habe ich von der Möglichkeit gehört, das die Dexcom 6 Daten via iOS und ein “Nightscout” APP auf meinen Garmin Edge 1030 Radcomputer übertragen werden können . Dadurch hätte ich die Möglichkeit eine Art “Tankanzeige” ständig im Blich zu haben.
    Wissen Sie wie das funktioniert oder kenne Sie jemanden der Rat weiß?
    Gruß + Dank
    Gunter Rehra

  3. Hallo,
    ich bin gerade aus dem “Osten-Frei” zurück und habe die Nachricht entdeckt. Was kann ich unternehmen, um bei meinem Vorhaben weiter zu kommen? Ich muss allerdings zugeben, dass ich in Sachen IT ein blutiger Laie bin.

    Gruß Gunter Rehra

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