Pen vs. Pumpe vs. Loop (Teil 3)

Matthias hat seine Testphasen mit Pen und Pumpe erfolgreich beendet. Nun aktiviert er wieder seinen DIY-Loop. Im dritten und letzten Teil seiner Vergleichsserie geht es um seine persönlichen Erfahrungen mit DIY-Loop.

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[Dieser Beitrag enthält unbeauftragte Marken- und Produktnennung.]

Ich habe mich vor einiger Zeit dazu entschieden, die verschiedene Diabetes-Therapie-Formen zu testen: Angefangen mit der ICT (Pen vs. Pumpe vs. Loop (Teil 1)), über CSII (Pen vs. Pumpe vs. Loop (Teil 2)) und jetzt bin ich zurück bei meinem DIY-Loop.

Disclaimer:

Der folgende Bericht beschreibt meine persönlichen Erfahrungen mit meinem Diabetes Typ 1 unter Verwendung eines DIY-Loop. Ich empfehle dieses System nicht und betreibe es auf eigenes Risiko. Das Beschriebene stellt in keiner Weise eine Therapieempfehlung dar und sollte nicht nachgemacht werden. Sämtliche Ausführungen zur Verwendung eines DIY-Loop dienen nur der Information. Sämtliche Herstellergeräte wurden in keiner Weise in ihrem Original verändert. Mein Erfahrungsbericht steht in keinerlei Verbindung mit Insulet, Dexcom und Animas.

Jede Therapieform hat ihre Berechtigung

Die sechs Wochen ohne DIY-Loop haben mich sehr zum Nachdenken angeregt, denn vor ungefähr drei Jahren konnte ich mir gar nichts anderes als den Loop vorstellen. Andere Therapieformen lehnte ich damals fast ab. Das hat sich durch das „Sinne schärfen“ meiner Testphase von Pen und Pumpe sehr geändert. 

Mittlerweile bin ich deutlich offener geworden. Jede Therapieform hat doch ihre Berechtigung. Jeder Diabetiker hat seine eigenen Bedürfnisse und Ziele, die er an seine individuelle Therapie stellt.

Quelle: Matthias Momm

Nach sechs Wochen wieder „live“ am DIY-Loop

Ob nun OpenAPS, AndroidAPS oder Loop, ich komme mit jedem DIY-Loop gut zurecht. Seit über drei Jahren „loope“ ich und kenne mich damit sehr gut aus. Präferiertes System ist für mich AndroidAPS, jedoch rückt der DIY-Omnipod-Loop gerade in meinen Fokus.

Quelle: Matthias Momm (AndroidAPS)

Aber was sind nun die Vor- und Nachteile?
Kann man den DIY-Loop als Universallösung bezeichnen?

Nachfolgend beschreibe ich die Vor- und Nachteile, die es für mich gibt, unabhängig vom jeweiligen APS (Artificial Pancreas System).

Drei Tage DIY-Loop

Schon nach drei Tagen Umstieg auf meinen DIY-Loop ist eine Verbesserung von TIR (Time In Range), SD (Standard Deviation; Standardabweichung) und HbA1c zu erkennen. Ebenso zeigt sich eine signifikante Reduzierung der tiefen Gewebezuckerwerte.

Quelle: Matthias Momm (zurück zu DIY-Loop; 3 Tage)

DIY-Loop in der Nacht – Schlafen ohne „Hypos“?

Das „Loopen“ nachts ist für mich der größte Vorteil. Die Nächte verlaufen i.d.R. identisch und zwar sehr konstant mit einer geringen Standardabweichung. Ein möglicher nächtlicher Abfall vom Gewebezucker gehört der Vergangenheit an. Die Anzahl der „Hypos“ nachts geht bei mir gegen null, sodass ein Durchschlafen möglich ist. Morgens bin ich nicht mehr gerädert und starte ausgeschlafen in den Tag.

Quelle: Matthias Momm (Gewebezuckerverlauf in der Nacht mit DIY-Loop)

Frühstück mit DIY-Loop – möglich ohne Blutzuckerspitzen?

Wer kennt nicht die morgendlichen Blutzuckerspitzen zwei Stunden nach dem Frühstück? Gut, diese können auch unter DIY-Loop auftreten, aber wenn man einen angemessenen SEA einhält und der DIY-Loop perfekt konfiguriert wurde, sind auch nach dem Essen flache Gewebezuckerverläufe möglich.

Quelle: Matthias Momm (Frühstück unter DIY-Loop)

„Loopen“ am Tag – läuft das gut?

Für ein „Ja“ muss gesagt werden, dass es hier bestimmte Voraussetzungen gibt, denn der DIY-Loop kann nicht alles abfangen.

Es kann sogar passieren, wenn Parameter wie BR (Basalrate), ISF (Insulin Sensitivity Factor) und CR (Carb Ratio) nicht stimmig sind, dass es zu sehr „schwunghaften“ Verläufen kommt. Diese können u.U. sogar schlechter sein als mit dem Pen oder der Pumpe.

Quelle: Matthias Momm (DIY-Loop mit nicht stimmigen Parametern)

Weiterhin bedarf es einer Portion an Disziplin (unter Pen und Pumpe ebenso). Sollte man z.B. präprandiale (vor einer Mahlzeit) Gewebezuckerwerte von z.B. 180 mg/dl und höher (10 mmol/l) haben, benötigt man u.U. einen sehr langen SEA, um einigermaßen vernünftige Gewebezuckerwerte zwei Stunden nach dem Essen zu bekommen.

Isst man hier gleich, ohne zu warten, passiert es oft, dass es schon kurz nach dem Essen (ca. 10-20 Minuten) zu regelrechten Gewebezucker-Explosionen kommt. Hier ist auch ein DIY-Loop überfordert und kann kaum gegensteuern.

Nach 10 Tagen DIY-Loop – Statistik

Die folgende Statistik und der perzentile Verlauf zeigen meinen Gewebezucker während eines grippalen Infektes. Dazu habe ich mit meiner Loop-Erfahrung aggressivere Parameter definiert, so, wie auch zu meiner Kortisontherapie unter DIY-Loop.

Quelle: Matthias Momm (10 Tage DIY-Loop; Statistik)
Quelle: Matthias Momm (10 Tage DIY-Loop; Perzentile)

Vorteile von DIY-Loop für mich


  • Sehr stabile Gewebezucker-Verläufe in der Nacht mit geringen Schwankungen. Bei mir läuft es i.d.R konstant zwischen 85 und 95 mg/dl (4,7 und 5,3 mmol/l).
  • Nachts fast keine Low-Werte unterhalb von 70 mg/dl (3,9 mmol/l), somit keine rtCGM-Alarme. Ein Durchschlafen ist möglich.
  • Insulinresistenzen und hohe Insulinempfindlichkeit werden vom Algorithmus erkannt.
  • Hohe postprandiale Werte oberhalb von 200 mg/dl (11,1 mmol/l) können i.d.R. vermieden werden.
  • 90% der Gewebezuckerwerte im Zielbereich möglich.
    Mein Zielbereich liegt bei 70-180 mg/dl bzw. 3,9-10,0 mmol/l.

Nachteile von DIY-Loop für mich


  • Hohe „Anfangshürden“ beim „Basteln“ eines DIY-Loop.
    Man muss viel lesen über die Grundlagen und Funktionen.
  • Falsche Parameter wie BR, ISF, CR können hohe Schwankungen verursachen.
  • Bei den drei unterschiedlichen DIY-Loop-Systemen (OpenAPS, AndroidAPS, Loop) keine Vereinheitlichung bezüglich des Aufbaus, wie z.B. sehr unterschiedliche Bedienungsoberflächen.
  • Gute technische Kenntnisse sind Voraussetzung für den reibungslosen DIY-Loop-Betrieb.
  • Im Fehlerfall kann das Troubleshooting sehr zeitaufwändig sein.
  • Am Anfang ist eine hohe Aufmerksamkeit notwendig.
    Die „Erfinderin“ von „OpenAPS“ Dana Lewis (Looperin Nr. 1) sagte vor Jahren:  „The loop is not a build and forget system.“
    Diese Aussage trifft es genau auf den Punkt, d.h. der DIY-Loop ist alles andere als ein Selbstläufer.
  • Es gibt keine „Hotline“, wenn etwas nicht funktioniert. Man ist auf sich selbst angewiesen.

Mein Fazit

Mittlerweile bin ich offen für alle Therapieformen. Egal bei welcher Therapie ist jedoch oberste Priorität die Nutzung meines rtCGM. Abhängig von der Situation (z.B. Sauna, Sommerurlaub) nutze ich auch die Pen-Therapie. Dass ich hier ähnlich gute Ergebnisse erziele, habe ich meinem rtCGM zu verdanken, denn mit Blick auf meinen Gewebezucker und die Trends kann ich rechtzeitig Korrekturen vornehmen. Allerdings empfinde ich den Aufwand, der vonnöten ist, als wesentlich höher.

Testsieger ist für mich auf Dauer gesehen mein DIY-Loop.

6 Kommentare zu “Pen vs. Pumpe vs. Loop (Teil 3)

  1. DIY-Loop, finde ich mega interessant. Ich bin noch auf der Suche nach einer für mich passende Lösung. Zur Zeit ICT mit FIASP + Levemir. HBA1c um 7 rum, seiddem ich Halbmarthon laufe unter 7. Aber immer im Blindflug nach Bauchgefühl…

  2. Hallo Matthias,
    sehr spannend, deinen Artikel zu lesen! Vielen Dank, dass du deine Erfahrungen zugänglich machst! Ich beschäftige mich erst seit kurzem mit dem DIY-Loop. Ich kann mir in den nächsten Wochen eine neue Pumpe und ein neues CGM aussuchen. Ich tendiere zum Dexcom 6 und der Dana RS Pumpe, da beide Bluetooth-Fähig sind. Weißt du, ob man wegen der Blutooth Möglichkeit auf ein Riley Link verzichten kann? Zur Zeit trage ich die Medtronic 640 G Pumpe mit CGM. Ich würde aber gerne die Closed Loop Geschichte ausprobieren und dafür jetzt die richtige Pumpe und das passende CGM beantragen.
    Liebe Grüße
    Arne

    1. @arne Hallo Arne, vielen Dank!
      RileyLink braucht man bei iOS Apple Loop mit Veo und Omnipod, da diese Pumpen nicht über Bluetooth “reden” können. Der RileyLink “übersetzt” hier das Pumpensignal (868 bzw. 433 Mhz) zu Bluetooth, ergo bei der RS kein RileyLink notwendig – LG Matthias

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