Omnipod Loop – das Warten hat sich gelohnt

Ostermontag 2019 war ein besonderer Tag für die DIY-Community. Die Entwickler von Loop gaben den Startschuss und veröffentlichten den Quellcode für den „Omni-Loop“. Matthias ist seit diesem Tag dabei und schreibt heute über seine Erfahrungen.

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[Dieser Beitrag enthält unbeauftragte Produkt- und Markennennung.]


Disclaimer: Der folgende Bericht beschreibt meine persönlichen Erfahrungen mit meinem Diabetes Typ 1 unter Verwendung von Loop mit Omnipod als Pumpe. Ich empfehle dieses System nicht und betreibe es auf eigenes Risiko. Das Beschriebene stellt in keiner Weise eine Therapieempfehlung dar und sollte nicht nachgemacht werden. Sämtliche Ausführungen zur Verwendung vom Omnipod Loop dienen nur der Information. Bei der hier beschriebenen omnipod-testing-Version handelt es sich um eine hoch-experimentelle Version, die mit Fehlern behaftet sein kann. Herstellergeräte wurden in keiner Weise in ihrem Original verändert. Mein Erfahrungsbericht steht in keinerlei Verbindung mit Insulet und Dexcom.

Wie hat alles angefangen?

Jeder Anfang ist bekanntlich schwer. Das war es auch für die DIY-Entwickler rund um den Omnipod Loop. Viele denken irrtümlicherweise, dass Leute aus der Community Pumpen „hacken“, um sie loopfähig zu machen. Das ist falsch!

Beim Omnipod Loop ging es nämlich darum, die Funkkommunikation zwischen Pumpensteuergerät (hier der sog. PDM beim Omnipod (kurz: Pod)) und der Insulinpumpe „abzuhören“, um zu verstehen, wie sich beide unterhalten.

Das Ganze im Detail zu beschreiben, würde den Rahmen dieses Berichtes bei weitem sprengen und inhaltlich auch eher einer Diplomarbeit gleichen.

Kurz zusammengefasst: PDM und Pod funken („unterhalten“ sich miteinander) auf der 433-MHz-Frequenz. Der „Dolmetscher“ von 433 MHz zu Bluetooth (iPhone) ist der sog. „RileyLink“.

„Loopdie Basis

Loop (iOS) gibt es schon seit einigen Jahren. Bisher war es nur möglich, mit einer alten „Veo“-Pumpe zu loopen. Das hat sich aber nun mit dem Start vom Omnipod Loop geändert, sodass nun eine weitere loopfähige Pumpe zur Verfügung steht. Die Beschreibung der grundlegenden Funktionen von Loop sind nicht Bestandteil meines Berichtes. Ich beschreibe euch heute die Implementation vom Omnipod in Loop und was zu beachten ist bei der Einrichtung, Aktivierung und Deaktivierung.

… aber in der „dev-Version 

Die sog. „dev“-Version ist nur für versierte Personen mit sehr guten Loopkenntnissen geeignet, denn „dev“ enthält i.d.R. Bugs (Fehler) und Features, die noch getestet werden müssen. Der Betrieb einer „dev“-Version ist  hoch riskant und in keinster Weise zu empfehlen. Der Name „omnipod-testing“ ist im Grunde sehr aussagekräftig, dass es sich hier um eine Version handelt, die sich noch im Entwicklungsstatus befindet.

Eine neue Antenne für den RileyLink

Voller Erwartungen wartete ich monatelang auf die „Freigabe“ für den Omnipod Loop. Um bestens vorbereitet zu sein, besorgte ich mir eine Handvoll Pods und modifizierte meinen vorhanden „Veo”-RileyLink, denn die „Veo“ funkt auf 828 Mhz (der Pod auf 433 MHz). Das klingt kompliziert, ist aber einfach, denn es braucht nur eine neue Antenne. Entweder man kauft sich einen „Omnipod“-RileyLink oder lötet eine neue Antenne ein. Für mich als erfahrenen DIY-Bastler war Löten eine Sache von 10 Minuten Arbeit.

Quelle: Matthias Momm

Omnipod-Loop-App „bauen“

Die iOS-App gibt es nicht fertig aus dem Apple Store. Hier muss jeder selbst Hand anlegen und diese selbst bauen (der Fachmann spricht hier von „kompilieren“). Man sollte aber nicht ungeduldig sein, denn oft kann es passieren, dass man bei DIY einen Schritt nach vorne und zwei zurück macht. Die Anleitung der Loop Community ist zwar sehr gut erklärt, allerdings alles auf Englisch. Hat die Aktivierung vom Pod (siehe unten) geklappt, sieht man beim Öffnen der App das Pod-Symbol oben rechts.

Brauche ich den PDM für den Omnipod Loop?

Nein. Es kann sich entweder der PDM oder Loop (die App) mit dem Omnipod „pairen“.  Beim Aktivieren des Pod mit Loop wird das Pairing über Bluetooth hergestellt. Ein einmal mit Loop gepairter Pod kann nicht mit dem PDM verbunden werden. Ein PDM ist als Backup wichtig, sollte Loop nicht funktionieren (wir laufen hier mit der „dev“-Version!). Somit ist es wichtig, immer einen PDM und einen Ersatz-Pod bei sich zu haben.

Loop-Parameter definieren

Bevor es aber endlich losgeht, sind folgende Parameter in Loop zu definieren:

  • Basalratensegmente
  • max. Basalrate
  • max. Bolus
  • Korrekturfaktor(en) (ISF)
  • Essensfaktor(en) (CR)

Aktivierung vom Pod

Die Aktierung eines Pod ist einfach und gut in der App erklärt. Allerdings sind die Anweisungen alle noch auf Englisch in der „omnipod-testing“-Version. Wichtig bei der Aktivierung ist zu erwähnen, dass der RileyLink immer in der Nähe zum Pod liegen muss, sonst kann es passieren, dass die Funkverbindung unterbrochen wird und womöglich die Aktivierung nicht einwandfrei funktioniert.

Quelle: Matthias Momm

Der Pod wird wie gewohnt mit Insulin gefüllt. Auch hier ist es bei der Befüllung des Pods mit Insulin (Spritze) wichtig, auf die zwei Pieptöne zu achten.

Nach dem sog. „Priming“ (Kanüle wird mit Insulin gefüllt) wird die Klebestelle am Körper desinfiziert und der Pod auf die Haut geklebt. Zum Schluss noch auf „Insert Cannula“ drücken, dann ein kleiner Piks und die Kanüle ist eingeführt.

Quelle: Matthias Momm

Die Aktivierung des Pods ist abgeschlossen. Wenn alles einwandfrei funktioniert hat, erscheint am Ende „Setup Complete“. Unter „Pod Settings“ sind die Ablaufzeit vom Pod sowie die Zeit des Aktivierungsbeginns zu erkennen.

 Bolusabgabe

Da es sich bei Loop eigentlich um einen sog. „Hybrid-Closed-Loop“ handelt, ist es vor dem Essen notwendig, dass die Kohlenhydrate (KH) geschätzt und Loop als „Input“ eingegeben werden. Loop errechnet auf Basis der Grundparameter (Blutzuckerzielwert, Essens- und Korrekturfaktor) einen Bolus. Nach „Freigabe“ wird der Bolus abgegeben.

Eine Fortschrittsanzeige (kleiner runder Kreis, oben rechts) zeigt den abgegebenen Bolus vom Pod an. Durch Drücken auf das kleine Quadrat im Kreis ist es möglich, die Bolusabgabe zu stoppen.

Quelle: Matthias Momm

Deaktivierung vom Pod 

Die „Lebensdauer“ vom Pod wird oben rechts angezeigt. Das finde ich grafisch sehr gut gelungen und auch optisch ansprechbar. Sobald die 72 Stunden vom Pod abgelaufen sind, wird das Symbol rot dargestellt. Es bleiben nun maximal 8 Stunden Zeit (sog. „grace period“), dann muss der Pod gewechselt werden, sonst ist er nicht mehr nutzbar.

Quelle: Matthias Momm

Sobald man auf das rote Symbol „Replace Pod“ drückt, erscheint der Dialog zum Erneuern des Pod. Jeder Schritt wird einzeln beschrieben, sodass auch das „Replacement“ gut funktioniert.

Quelle: Matthias Momm

47 Tage Omnipod Loop – meine Statistik

Auch unter Omnipod Loop ist meine Gewebezucker-Statistik einwandfrei. Das kann aber individuell  unterschiedlich sein, denn ein DIY-Loop ist alles andere als ein „Selbstläufer“. Die Grundparameter müssen stimmig sein, sehr gutes Wissen über die Funktionsweise (den Algorithmus) eines DIY-Loops sind wichtig und eine gehörige Portion Disziplin gehört auch dazu.

Quelle: Matthias Momm

Fazit

Der Betrieb einer schlauchlosen Pumpe begeistert mich sehr, sodass ich fast auf einen DIY-Loop verzichten würde. Aber durch die „Geburt“ vom Omnipod Loop ist für mich nun beides möglich. Der Komfort einer schlauchlosen Pumpe mit der Therapieunterstützung von Loop.

Ich möchte an dieser Stelle noch einmal erwähnen, dass der Omnipod Loop sich noch in einer hoch experimentellen Testphase befindet. Einem unerfahrenen Einsteiger kann ich diese Version nicht empfehlen. Man ist von der „master“-Version (gut getestet und nahezu fehlerfrei) noch weit entfernt. Keiner kann zzt. sagen, wann „master“ für Omnipod Loop verfügbar sein wird.


Ihr wollt mehr über Matthias’ DIY-Loop-Berichte lesen? Hier gibt es einen Vergleichsbericht zweier Systeme:
AndroidAPS vs. iOS Loop

10 Kommentare zu “Omnipod Loop – das Warten hat sich gelohnt

  1. Lieber Matthias, ich finde deine Technikberichte immer wieder spannend. Deinen Weg vom OpenAPS-Loop jetzt zum Omnipod Loop habe ich mitverfolgt. Aber nochmal schwarz auf weiß zu lesen, welchen Aufwand du betrieben hast und mit welchem Elan du daran gegangen bist: Hut ab!

  2. Hi Matthias,

    Wow, da hast du wieder etwas raus gehauen 😀 Ich weiß noch, wie es “damals” hieß: Mit Pod kann man nicht loopen. Und schwupps, da ist das Ding.
    Gerade gestern wurde wieder das Thema “Loop” auf der Gesundheitskonferenz in Göttingen angesprochen & ich musste direkt an deine Arbeit denken. Die Bewegung – sei es Schlauch oder Patch – ist in vollem Gange und kann nicht mehr gestoppt werden. Ich bin gespannt, wann das von den Unternehmen (bzw. der rechtlichen Seite aus) endlich unterstützt wird.

    Hat sich durch den Omni-Loop etwas an deinem “Insulinverbrauch” geändert?

    Grüßlis
    Nathalie

    1. Dankeschön Nathalie!

      Ja, mein TDD hat sich um 10-20% erhöht beim Pod, geht vielen so, aber wie das so ist, es gibt nichts was perfekt ist, überall und an jeder Ecke Kompromisse, wo wir uns durchschlagen…
      Aber, ehrlich, das empfinde ich nun jammern auf hohem Niveau. Ich komme mit meinem jetzigem Setup sehr gut klar und bin zufrieden. Das ist doch wichtig und individuell für jeden verschieden.

      Lieben Gruß Matthias

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