Time-out vom Diabetes

Das Wort „Auszeit“ kommt in vielen Bereichen des Lebens vor. Sei es im Sport, im Job, in der Partnerschaft usw. Es bedeutet nichs anderes als eine Pause. Simone als Typ-F-Diabetikerin wünscht sich auch manchmal eine „Auszeit“ vom Thema „Diabetes“.

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Pause vom Diabetes

Natürlich ist mir klar, dass es eine „echte“ Pause vom „Diabetes“ meines Mannes niemals geben wird, da man diese Krankheit nicht einfach mal so für einen gewissen Zeitraum per Knopfdruck abschalten kann. Sie gehört zum Leben und somit zu meinem Alltag dazu. Aber man kann sich als Typ-F-Diabetikerin durchaus „Auszeiten” vom allgegenwärtigen Thema „Diabetes“ nehmen.

Es gibt Zeiten/Situationen, in denen ich einfach mal eine Verschnaufpause vom Diabetes brauche. Dann möchte ich nicht darüber reden und auch von meinem Mann damit größtenteils in Ruhe gelassen werden. Da der Alltag oftmals vom „Diabetes“ bestimmt wird, auch meiner. Obwohl ich nur Typ F bin, brauche ich hin und wieder ein „Time-out“.

Quelle: pixabay

Zu viel Diabetestechnik für mich

Mein Mann ist sehr engagiert in der „Diabeteswelt“, so z.B. auch in Bezug auf technische Neuerungen, und macht immer wieder Selbstversuche. über welche er dann in „Social Media“ berichtet und in Chats usw. mit vielen Diabetikern darüber diskutiert.

Auch gab es Zeiten, da fühlte er sich getrieben, anderen, nicht so technisch affinen. Diabetikern, unter die Arme zu greifen. Deshalb muss ich ihn immer mal wieder bremsen, wenn er euphorisch von irgendwelchen „Innovationen“ schwärmt, was mir, als nicht unbedingt technisch affine Nichtdiabetikerin, wie „chinesisch“ vorkommt. Es ist etwas anderes, ob man sich als Mensch mit Diabetes mit so einer technischen Neuerung auseinandersetzt, weil man sie ja auch nutzen möchte, oder wie ich als Typ F dies eher abstrakt sieht. Ich kann im Bereich Diabetes nicht „Learning by Doing“, weshalb wiederholte ausufernde Erklärungen über technische Details oder tiefergehende Erläuterungen auf der Basis von Programmiersprache mich irgendwann an den Punkt bringen, nach einer Verschnaufpause zu rufen.

Zu viele digitale Aktivitäten meines Mannes

Mittlerweile gibt es zum Thema „Diabetes“ etliche Foren, Chatrooms, Online-Diabetikerplattformen, auf welchen sich mein Mann auch herumtreibt. Bei der Jugend/den jüngeren Leuten von heute, welche ja schon fast mit Smartphone geboren werden, ist es gang und gäbe, sich größtenteils digital zu „bewegen“. Und mein Mann lässt sich – hin und wieder zu meinem Leidwesen – durch die digitalen Möglichkeiten auch immer wieder dazu verleiten, stundenlang vorm PC oder am Handy zu sitzen.

Dabei vergisst er dann auch schon mal, dass es noch anderes, Wichtigeres im Leben gibt, als über Diabetes zu chatten. Wenn er dann zum 100sten Mal wieder mit irgendwelchen Anekdoten von irgendwelchen Menschen mit Diabetes – welche ich nicht kenne – ankommt, kann es auch schon mal passieren, dass ich ihm eine digitale Pause nahelege.

Quelle: Simone Momm

Festgelegte „Auszeiten“

Für unsere Familie haben wir mittlerweile festgelegt, dass gemeinsame Essenszeiten und auch Aktivitäten Zeiten der „Ruhepausen“ vom Thema „Diabetes“ sind. Währenddessen dürfen Gespräche über Diabetes nicht dominieren.

Die allerwichtigste „Auszeit“ ist für mich jedoch der gemeinsame Familienurlaub. Da haben Chats oder Mails mit „Diabetesfreunden“ und „Besuche“ auf Diabetikerportalen und in Foren usw. nichts zu suchen. Dies ist Familienzeit, von der man im Alltag sowieso schon so wenig hat. Es soll für die Familie ja gerade eine Pause vom Alltag, somit auch vom allgegenwärtigen Diabetes – soweit es geht – sein. Diese Zeit der Ruhe, Entspannung, Entschleunigung, einfach mal die Seele/Füße baumeln lassen, ist nicht nur für mich wichtig, sondern auch meinem Mann tut es gut, mal nicht so auf seine Krankheit fixiert zu sein. Dadurch können wir alle wieder neue Kraft für den (Diabetiker-)Alltag schöpfen.

Quelle: Simone Momm

Meine „Auszeit-Wünsche“

Natürlich gibt es auch Situationen, in welchen ich mir eine Auszeit vom Diabetes wünschen würde, aber weiß, dass die Umsetzung tatsächlich nicht möglich ist.

So würde ich z.B., wenn wir mal wandern gehen, nicht immer wieder stehen bleiben müssen, weil sein „Zucker“ zu tief ist. Oder spontan spazieren gehen, ohne zu hören zu bekommen, dass das jetzt nicht gehe, weil er gerade Insulin gespritzt habe. Auch mal spontan auf einem Fest was zu essen, ist nicht immer drin, wenn die Werte zu hoch sind. Wenn ich dann alleine essen muss, bereitet mir das ein schlechtes Gewissen.

So eine Pause von der oftmaligen „Unspontanität“ aufgrund des Diabetes wäre schon toll!

Quelle: Simone Momm

Fazit

Um auch als Angehöriger eines Menschen mit Diabetes mal durchschnaufen zu können, kann man ruhig auch mal Auszeiten vom Thema „Diabetes“ einfordern.


Simone hat bereits über die unterschiedlichen „Typ-F-Typen“ geschrieben. Wo ordnet ihr eure Freunde und Familienmitglieder ein? Familie Typ F: Umgang mit Diabetes, wie er unterschiedlicher nicht sein könnte

4 Kommentare zu “Time-out vom Diabetes

  1. Dein Artikel beschreibt sehr gut die oft schwierige Situation der “Typ F’ler”. Zumindest ich bekam es auch so von Familienangehörigen, aber noch häufiger von Freunden, gespiegelt. Ich drück dir die Daumen für die bevorstehende Sommerurlaub-Auszeit.

  2. Diese Vorstellung hatte wohl jeder von uns mal.

    Auszeit gibt es nicht, das wissen alle PWD‘ler (Neudeutsch Person mit/with Diabetes) und Typ Fˋler.

    Man kann sich aber arrangieren, dazu müssen m.E. zwei Voraussetzungen gegeben sein, Planung und Kommunikation.
    Noch wichtiger: Unterstützung, moralisch, d.h. keine blöden Bemerkungen (Du nimmst das alles viel zu ernst, musst Du das immer mit Dir rumschleppen und weitere aufbauende Bemerkungen, das nervt!).
    Kommunikation heisst, dass man sich z.B. über geplante Aktivitäten wie Wanderungen usw. vorausschauend austauscht, danach kann sich ein PWD´ler richten.

    Planung heisst vorausschauende Medikation und/oder Nahrungsaufnahme. Das geht, mache ich auch, wobei ich darauf achte mit dem BZ nicht zu tief zu kommen, tief während einer Wanderung finde ich ÜBEL. Für Zweifelfälle habe ich dann immer einen Doppeldecker Schwarzbrot mit Butter dabei, einen Apfel, ausser Traubenzucker. Ausgleichen kann man eventuell abends.

    Zur Planung nutze ich seit einigen Monaten eine APP, Name: PREDICTBGL. Wenn man seine Korrekturfaktoren usw. vernünftig eingibt kann man für einige Stunden voraus, in der Zukunft, die Auswirkungen seiner Massnahmen grafisch dargestellt bekommen.
    ABER!!! Spontan ist auch damit schwer. Zieh Dich an, wir besteigen JETZT den Mount Everest wird vermutlich immer unmöglich sein.

    Zur Internet Nutzung muss ich sagen, dass auch aus diesem Medium dsbzgl. kein Heil zu erwarten ist, ich nutze es zeitweise zur Information

    1. Hallo Herbert,
      ich wusste gar nicht, daß wir Seelenverwand sind:-)denn dein Kommentar könnte auch ich geschrieben haben. Deshalb auch keine weiteren Erklärungen, man muss manche Dinge als Tatsache sehen und sich: arrangieren!

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