Mountainbike und Diabetes – unterwegs auf zwei Rädern

Heute tauscht Matthias die 400-m-Bahn des Sportplatzes gegen sein Mountainbike ein. Das „Biken“ stellt ganz andere Anforderungen an seinen Diabetes. Für Matthias ist das kein Problem, denn er liebt stets neue Herausforderungen. Heute nimmt er Euch mit auf eine Tour in den Taunus.

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[Dieser Beitrag enthält unbeauftragte Produkt- und Markennennung.]

Vor einigen Wochen habe ich mit dem Laufen angefangen. Immer nur eine Sportart zu betreiben, das ist mir zu langweilig. In meiner Garage steht nämlich ein gutes Mountainbike, welches ich in letzer Zeit aber selten genutzt habe. In Sachen Sport bin ich eigentlich ein fauler Mensch, aber die Monatsaktion  #TheWalkingDiabetes hat mich zum Laufen schon sehr motiviert. Warum sollte diese Motivation nicht dauerhaft anhalten, um regelmäßiger aufs Mountainbike zu steigen?

Den inneren Schweinhund überwinden

…dann klappt das auch mit dem Radfahren (im Folgenden schreibe ich „Biken“). Beim Laufen bin ich mit meinem Zuckerverlauf durchaus zufrieden, aber längere Touren mit dem Bike stellen ganz andere Herausforderungen an meinen Diabetes. Insbesondere nach dem Sport „ziehen“ die Kohlenhydrate, die ich während des Sports genommen habe, den Zucker in ungeahnte Höhen. Der Körper kann nun wieder besser verdauen und befindet sich nicht mehr im Sportmodus. Ich bin aber bei der Korrektur mit Insulin mutig, da ich mein rtCGM immer im Blick habe.

Quelle: Matthias Momm

Vor dem Biken – eine gute Vorbereitung ist notwendig

Ihr kennt das, einfach spontan mit einer Sportart starten, das klappt beim Diabetes nicht gut. Hier bedarf es einer guten Vorbereitung, die wesentlich aufwändiger als beim Laufen ist. Wenn ich eine Tour mit dem Bike plane, sind das i.d.R zwischen 3 und 5 Stunden Fahrtzeit mit gut 30-40 km. Dazu kommen ca. 600 Höhenmeter.

Ich packe meinen Rucksack:

  • Traubenzucker, zwischen 10 und 15 BE
  • 4-6 Müsliriegel, 2 Äpfel
  • 3 l Wasser ohne Kohlensäure in einer sog. „Trinkblase”
  • Handy und GPS-Tracker für den Notfall
  • Personalausweis, Diabetesausweis
  • Ersatzschlauch, Luftpumpe

Unten, das ist mein GPS-Tracker. Mag paranoid klingen, aber damit kann meine Frau mich im Notfall orten. Gerade da ich hier in den Wäldern unterwegs bin und es in einer Nachbarstadt nämlich schon genau den Fall gab, dass ein Mountainbiker (Diabetiker) unterzuckert stürzte und man ihn lange im Wald suchen musste, mit der Folge, ihn tot aufzufinden, ist dies ein wichtiger Sicherheitsfaktor für meine Frau und auch für mich. Es muss nur die Nummer des Trackers von ihrem Handy aus gewählt werden, das Gerät versendet daraufhin eine SMS mit meinen GPS-Koordinaten. Ich kann ebenso ein Notfall-Signal durch einfaches Drücken auf einen Knopf auslösen. Sicherlich ist diese Maßnahme auch dem Umstand geschuldet, dass ich (vor rtCGM) drei schwere „Hypos“ mit Bewusstlosigkeit hatte.

Quelle: Matthias Momm

Eine Stunde vorher reduziere ich meine Basalrate (BR) auf 30-50% (ohne Loop).
Bei aktiviertem Loop sieht die Anpassung wie folgt aus:

  • Zielbereich auf 180 mg/dl (10,0 mmol/l) erhöhen
  • ISF (Insulin Sensitivity Faktor) und BR um 30-50% anpassen
    (bei Loop sog. „Overwrite-Modus“)

Für den Start reicht es mir aus, 30 Minuten vorher eine Banane zu essen. Meine Gewebezuckerwerte habe ich auf meiner Uhr am Handgelenk stets  im Blick und kann rechtzeitig entscheiden, wann und in welcher Menge ich weitere Kohlenhydrate „nachschieben“ muss.

…nun aber auf’s Bike und los

Ich muss bei mir zuhause im Taunus nicht weit fahren, da kommen schon die ersten Steigungen. Das ist immer eine Herausforderung an meine Kondition und meinen Blutzucker. Ich habe stets den Ehrgeiz, niemals vom Bike abzusteigen. Geschoben wird nicht, und wenn ich noch so langsam den Berg „emporradle“. 

Quelle: Matthias Momm

Die körperlichen Anforderungen beim Biken empfinde ich als enorm hoch, denn schnell nach dem ersten oder zweiten Berg muss ich mit Traubenzucker korrigieren. Wenn mein Gewebezucker sich nun um die 140 mg/dl (7,8 mmol/l) befindet, auch wenn der Trend leicht nach unten zeigt, reicht es aus, dass ich beim Fahren zwei Stücke Traubenzucker (2 BE) nehme. Eine Pause ist hier nicht notwendig.

Quelle: Matthias Momm

Abwärts – kurz Luft holen

Zum Luftholen düse ich gerne auch mal den Berg runter, wobei ich das später irgendwo wieder hochstrampeln muss. Meine Bike-Touren genieße ich sehr, da es auch landschaftlich einfach nur schön ist.

Quelle: Matthias Momm

rtCGM im Blick, dann klappt das auch

Im normalen Alltag trage ich mittlerweile keine Blutzuckeruhr“ mehr. Gerade wenn ich meinen Loop aktiviert habe, ist ein ständiges Schauen auf die Uhr nicht mehr notwendig. Früher habe ich wahnsinnig oft auf die Uhr gesehen, was eigentlich nicht notwendig ist.

Anders ist das aber beim Biken. Da reicht mitunter schon ein kleiner Anstieg am Berg und mein Gewebezucker dreht nach unten. Mit einem Wert von 146 mg/dl (8,1 mmol/l) bin ich beim Biken sehr zufrieden, absolut perfekt, auch nicht dauerhaft zu hoch.

Quelle: Matthias Momm

Der letzte Anstieg nach Hause

Wie war das noch: „Geschoben wird nicht…“ – Nur fürs Foto, aber ehrlich, vor diesem brutalen Anstieg (15% Steigung) war eine kurze Pause nicht verkehrt. Selbst im ersten Gang ist dieser Berg auf dem Weg nach Hause eine Quälerei. Aber wenn ich es dann geschafft habe, bin ich stolz, selbst wenn meine Oberschenkel brennen wie Feuer.

Quelle: Matthias Momm

Ich hoffe, mein Bericht hat Euch gefallen und Ihr seid beim Ansehen der Fotos nicht schon aus der Puste gekommen.


Wie machen das Profis beim Radfahren? Ihr seid neugierig, dann schaut Euch den Bericht von Antje an: Profis im Radsport und im Diabetesmanagement

2 Kommentare zu “Mountainbike und Diabetes – unterwegs auf zwei Rädern

  1. Hallo Matthias, Dein Bericht ist faszinierend. Deine Bemerkung “nach dem Sport”, was da die während des Sports genossenen Kohlehydrate anrichten, kann ich bestätigen. In Abhängigkeit von der Dauer des Diabetes verbleibt ein immer größerer Teil der Kohlehydrate einfach länger unverarbeitet im Körper und jagt den BZ-Spiegel NACH dem Sport nach Norden. Abhilfe: Statt sportlicher Höchstleistung Dauerleistung anstreben und im schönen Taunus zwischendurch absteigen und den Ausblick genießen. Deine Berichte in Nürnberg haben mir viel gegeben!

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