Sonne, Pool und Pen

Matthias macht Urlaub von seinem DIY-Loop und erzählt euch heute, wie es mit Pen und rtCGM gelaufen ist.

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[Dieser Beitrag enthält unbeauftragte Produkt- und Markennennung.]

Wir hatten uns dieses Jahr ein kleines Ferienhäuschen in Italien, 80 km nördlich von Rom, gemietet. Was mich persönlich im Sommerurlaub oft stört, insbesondere durch das ständige Eincremen mit Sonnenmilch und das häufige Abkühlen im Pool, ist meine hochgerüstete Technik. Ich spreche hier von meinem DIY-Loop.

Quelle: Matthias Momm

Kurz entschlossen sagte ich mir, „das Zeug bleibt zuhause“, wobei es für mich ein absolutes „No-Go“ ist, das rtCGM abzulegen und den Blutzucker zu messen, da ich in der Vergangenheit schon üble „Hypos“ hatte.

Als Anzeigegerät für meine Gewebezuckerwerte nahm ich meinen Original-Dexcom-G5-Empfänger, nicht wie sonst mein Loop-iPhone.

Nach gut 22 Jahren Diabetesdauer hatte ich vor einiger Zeit die Pentherapie wieder einmal „geübt“. Ich kam gut damit klar, somit war die Entscheidung leicht, mein Diabetesgepäck auf Pen, Insulin, rtCGM und ein paar Kleinigkeiten zu reduzieren.

Wer mich kennt, weiß: Ich bin pragmatischen Lösungen nicht abgeneigt. Gerade bei meinen umfangreichen Mahlzeiten, insbesondere beim Abendessen im Urlaub, wirkt Analog-Insulin zu kurz. Deshalb hätte ich mir u.U. den Wecker stellen müssen, um nochmal Humalog nachzuspritzen, weil das Essen einfach noch nicht verdaut ist oder/und FPE noch lange wirken.

Da ich von früher genau wusste, dass die Wirkdauer von Normal-Insulin (ich spritzte es vor gut 20 Jahren) länger ist als beim Humalog, dachte ich mir, dies könnte eine bessere Alternative sein. Ich besprach das mit meinem Arzt und besorgte mir einen Fertigpen „Huminsulin“.

Quelle: Matthias Momm

Umstieg von Loop auf Pen

Um auf Nummer sicher zu gehen, entschied ich mich schon rechtzeitig zuhause vor meinem Urlaub, mein technisches Equipment runterzufahren und auf Pen umzusteigen. Das hatte zwei Gründe.

  1. Sollte es wider Erwarten schlecht laufen, konnte ich zuhause wieder zurück zu Loop.
  2. Bei mir dauert es gut drei Tage, bis sich das Basal-Depot von Tresiba aufgebaut hat.

Ich war zufrieden, denn es klappte besser, als ich dachte. Dies ist auch dem Umstand geschuldet, dass Tresiba als Basalinsulin für mich gut wirkt. Es gab keine Basallücken und hohen Werte in den frühen Morgenstunden. Somit musste ich „nur“ mein Essen mit Insulin „abdecken“, aber mit Hilfe meines rtCGM war das für mich kein Problem.

Morgens – gut gestärkt in den Tag

Im Gegensatz zum stressigen Büroalltag in Deutschland, wo ich gar nichts bis wenig frühstücke, weil mir auch einfach die Zeit für einen langen Spritz-Ess-Abstand fehlt, hatte ich im Urlaub alle Zeit der Welt.

Wenn ich zuhause etwas frühstücke, schaue ich, dass ich meine Zuckerwerte nicht mit allzu vielen Kohlenhydraten (KH) postprandial in die Höhen katapultiere.

Im Urlaub kam es mir dagegen kaum auf KH-Mengen an.

Auch wenn das Abendessen spät und in der Menge nicht wenig war, startete ich meinen Tag größtenteils mit einem Zuckerwert um die 110 mg/dl (6,1 mmol/l). Ein perfekter Wert, um ein ausgiebiges Frühstück zu genießen.

Die Kohlenhydrate zählte ich kaum, Pi mal Daumen spritzte ich gut 16 Einheiten fürs Frühstück. In den meisten Fällen sah mein Gewebezuckerverlauf nach dem Frühstück sehr zufriedenstellend aus.

Quelle: Matthias Momm (Gewebezuckerverlauf nach dem Frühstück)

Mittags – meistens nur ein kleiner Snack

Das umfangreiche Frühstück hielt lange an, somit gab es am Mittag nur einen Snack. Entweder etwas Obst oder etwas Süßes, wie einen Muffin. Mein Gewebezucker lief bis zum Abendessen im Zielbereich von 70-180 mg/dl (3,9-10,0 mmol/l). Trotz der Bewegungen, wie z.B. das Baden im Pool, Federballspielen oder Bocciaspielen, machte mir die einmal pro Tag injizierte Basaldosis (Tresiba) keine Probleme. Bei Pumpe/Loop ist ja die Anpassung der Basalrate (TBR) notwendig, um sportliche Aktivitäten bzw. Bewegung zu berücksichtigen.

Holla, die Waldfee … Kohlenhydrate bis zum Abwinken zum Abendessen

Wie ihr wisst, koche ich für mein Leben gerne (klar, inklusive des Essens). Abends war es mein Job zu kochen. Das habe ich mit viel Vergnügen und Entspannung mit meinem Sohn (16) zusammen gemacht. Fragt mich nicht genau nach den KH-Mengen. Schätzungsweise waren das pro Abendessen um die 120g KH und gut 4-8 FPE, mal mehr, mal weniger.

Die Bolusmenge bewegte sich so zwischen 15 und 18 Einheiten (Humalog) und etwas später „on top“ das Normalinsulin mit noch einmal 8 Einheiten, um die FPEs „abzufackeln“. Beispiele für das leckere Abendessen wie folgt:

Frische Ravioli, diese vier Minuten kochen, in Butter kurz in einer Pfanne schwenken, dann zum Schluss frischer Salbei aus dem Garten, fertig.

Quelle: Matthias Momm

Hamburger, selbst gebaut, normal was Leckeres für zuhause (nicht unbedingt typisch für Italien), aber das geht natürlich auch im Urlaub. Auch dieses Essen war ein Garant für viele KH und jede Menge FPEs.

Quelle: Matthias Momm

Lasagne? Nein, ein leckerer Auflauf mit Kartoffeln und Hackfleisch mit jeder Menge geriebenem Käse überbacken.

Quelle: Matthias Momm

„Wer nicht wagt, der nicht gewinnt“ ist stets mein Motto beim Spritzen von Insulin für solch gehaltvolles Abendessen. Wenn es schiefgeht, gibt es rtCGM-Alarme bzw. ich habe immer die Gewebezuckertrends im Blick, sodass ich in beide Richtungen zeitnah adäquat korrigieren kann.

Gerade die „Kombi“ aus Analog- und Normal-Insulin war i.d.R. mein Garant für einen guten Gewebezuckerverlauf am Abend.

Quelle: Matthias (Gewebezuckerverlauf nach dem Abendessen)

Zwei Wochen Pen – wie ist es gelaufen?

Es folgt meine obligatorische Gewebezuckerstatistik und wow, das sieht ja fast „geloopt“ aus, könnte man meinen. Diese Statistik, ehrlich gesagt, hat mich auch sehr erstaunt. Aber selbstverständlich freue ich mich darüber, dass man mit Pen auch gute Werte erreichen kann.

Jede Therapie, ob Pen, Pumpe oder Loop, hat ihre Vor- und Nachteile, aber für mich kann ich sagen, dass ich durchaus das Ganze im Sommerurlaub wiederholen werde, weil es für mich eine Art „Freiheit“ war.

Trotzdem bin ich als überzeugter „Looper“ nach dem Urlaub wieder zu meinem Omni-Loop zurückgekehrt…

Quelle: Matthias Momm

Ihr wollt mehr über Matthias’ Versuche mit Pen lesen? Hier gibt es einen Vergleichsbericht Pen vs. Pumpe vs. Loop.

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