Sport mit Diabetes – „Störfaktor“ oder Leidenschaft?

Matthias hat mit dem „Laufen“ angefangen und nimmt Euch heute mit auf den Sportplatz. Ist beim Laufen der Diabetes ein Störfaktor oder klappt das sogar gut und macht Spaß?

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Lange Zeit drückte ich mich vor dem Sport, oft mit der Ausrede, dass mein Diabetes und Sport sich nicht miteinander vereinbaren lassen. Es ist einfach menschlich, man sucht immer irgendeine Ausrede, um müde und abgespannt nach der Arbeit in die Couch sinken zu können. Das geht so nicht weiter, sagte ich mir, eine Änderung muss her. Mein Plan, den Sport, für mich das Laufen, in mein Leben zu integrieren und kontinuierlich „am Ball“ zu bleiben.

Seit vier Wochen packe ich nach der Arbeit meine Sachen, dann geht’s ab auf die 400-Meter-Bahn zum Laufen. Kaum zu glauben, meine eigene Motivation treibt mich 3-4 Mal die Woche zum Sportplatz. Da kommt die Monatsaktion #TheWalkingDiabetes gerade recht, mich noch weiter zu motivieren.

Vielen Dank an dieser Stelle an SaraDu hast mich mit Deinem Bericht über den Halbmarathon in Hamburg sehr motiviert.

Quelle: Matthias Momm

Chaka-chaka! Motivation ist alles!

Meine Motivation ist es, durch das Laufen den Kopf nach der Arbeit freizubekommen. Dazu kommt, dass ich keine 30 Jahre mehr alt bin und spürbar merke (schon beim Treppensteigen von der S-Bahn-Station nach oben), dass es mit meiner Kondition nicht zum Besten bestellt ist.

Gelegentlich war ich mit meinen Nordic-Walking-Stöcken im Wald unterwegs, aber das war mir doch zu wenig.

Also besorgte ich mir Fachliteratur zum Thema „Laufen“ und beschäftigte mich erstmal mit der Theorie. Denn mir war klar: Einfach loslaufen, den Puls bis zum Anschlag bringen, das kann nicht gut sein. Mein Kreislauf und Stoffwechsel müssen sich „peu à peu“ ans Laufen gewöhnen.

Diabetes als „Störfaktor“?

Mal ganz ehrlich, wäre es nicht schön, einfach Sport zu machen, ohne sich Gedanken um seinen Diabetes zu machen? Klar, diesbezüglich könnte man den Diabetes schon als „Störfaktor“ sehen. 

Aber alles Jammern der Welt hilft ja auch nicht.

Wir sind ja nicht todsterbenskrank, nur etwas „eingeschränkt“ bzw. es müssen einige Dinge beachtet werden, damit es beim Sport nicht in „die Hose geht“.

Dann mal los… der Sportplatz ruft

Als Diabetiker muss ich immer ein paar Utensilien mit zum Laufen nehmen. Da ist die Sportart im Grunde nebensächlich. Ich will nicht in eine gefährliche „Hypo“ abgleiten. Sollte sich die Kanüle meiner Insulinpumpe zusetzen (Verstopfung), muss auch Insulin mit Einmalspritze (Pen geht natürlich genauso) mit im Gepäck sein. Folgende Dinge nehme ich in meinem Rucksack mit:

  • Traubenzucker in ausreichender Menge, gut 5-10 BE
  • Müsliriegel („langsame“ Kohlenhydrate)
  • flüssigen Traubenzucker (Dextro Energy), 18 g Kohlenhydrate
  • eine Flasche Wasser
  • Insulin, Einmalspritzen
  • Ersatz-Pod (oder Ersatzkatheter bei einer Schlauchpumpe)
  • für den Notfall, mein Handy

Meinen Rucksack trage ich während des Laufens nicht auf dem Rücken, da das Abstellen auf dem Sportplatz gut möglich ist.

Quelle: Matthias Momm

In meinen Bauchgurt (FlipBelt) kommt dann mein Omni-Loop, bestehend aus Handy und RileyLink.

Einfach loslaufen geht nicht

Eines ist klar: Der Blutzucker muss vor dem Laufen komfortabel nach oben gebracht werden, damit keine „Hypo“ droht. Bei mir ist das ein Wert von ca. 200 mg/dl (11,1 mmol/l). Es stellt sich nun die Frage: Wann muss ich meinen Blutzucker nach oben „schießen” und mit welcher Art von Kohlenhydraten? Wenn ich genügend Zeit vorher habe (gut 1 Stunde) und an die Vorbereitung zum Laufen denke, esse ich schon in der S-Bahn auf dem Weg nach Hause eine Banane. Es passiert aber auch, dass ich dies vergesse, dann nehme ich ganz kurz vorher 18g flüssigen Traubenzucker. 

So kann der Zucker „störungsfrei“ laufen…

Wenn alles gut läuft, kann mein Gewebezuckerverlauf, Loop-unterstützt, richtig toll aussehen, z.B. an einem Tag, als ich ohne Frühstück aus dem Haus gegangen bin. Meinen Blutzucker habe ich erst auf dem Sportplatz mit „Dextro Energy“, 18g Kohlenhydrate in flüssiger Form, nach oben „geschossen“ und mich noch gut 10 Minuten vor dem Laufen gedehnt. In dieser Zeit wanderte mein Gewebezucker in die Richtung 200 mg/dl (11,1 mmol/l). Erst dann ging es los. Nach dem Laufen hat der Loop seine Arbeit einwandfrei gemacht und den Zucker in den Zielbereich (70-180 mg/dl bzw. 3,9-10,0 mmol/l) geregelt.

Quelle: Matthias Momm

…oder auch mal schiefgehen

An einem anderen Tag war die Ausgangslage auch optimal, Gewebezucker komfortabel im oberen Bereich. Doch plötzlich nach 30 Minuten Laufen bin ich regelrecht nach unten „durchgereicht“ worden. Es galt hier nun, zuerst den Gewebezucker in einen sicheren Bereich nach oben zu bringen, um dann nach Hause fahren zu können.

Quelle: Matthias Momm

Als Laufanfänger – auf den Puls achten!

Wenn man als Laufanfänger, wie ich, vernünftig an die Sache rangehen möchte, heißt das oberste Gebot: Puls nur auf 75-80% der maximalen Herzfrequenz (HF). Die maximale Herzfrequenz kann man mit einer einfachen Formel ausrechnen: 220-Lebensalter. Nehme ich davon 75-80%, ergibt sich bei mir ein Puls von 130, den ich ohne Probleme beim Laufen sehr schnell erreiche. Die „Stellschraube“, um sich bei 130 einzupendeln, ist die Geschwindigkeit. Steigt der Puls, heißt es für mich, langsamer zu laufen.

Beim Laufen passiert es oft, dass man vom Kopf schneller laufen möchte. Laufe ich dann schneller, verlasse ich in Sekundenbruchteilen den grünen Pulsbereich von 130 Schlägen pro Minute. Hier in der Zusammenfassung ist gut zu sehen, dass ich mich „am Riemen“ gehalten habe. Der durchschnittliche Puls lag bei 123, das ist optimal für mich. Meinen optimalen Puls konnte ich fast über die ganze Laufzeit halten.

Quelle: Matthias Momm

Damit ich meinen Puls kontrollieren kann, verwende ich einen Brustgurt mit Pulsuhr oder alternativ eine App des Herstellers. 

Auf keinen Fall sollte man sich hier von anderen Läufern beeinflussen lassen. Jeder hat seine individuelle Geschwindigkeit. Das ist auch völlig in Ordnung und es macht mir nicht viel aus, wenn mich andere überholen.

Ende gut, alles gut?

Wie Ihr wisst, unterstütze ich meine Diabetes-Therapie mit meinem Loop. Das klappt für mich beim Laufen gut, aber ist kein „Muss“. Jede andere Therapie, egal ob Pen oder „nur“ Pumpe kann genauso gut laufen.

Ein gutes Beispiel für die Loop-Regelung seht Ihr unten. 

Quelle: Matthias Momm

Fazit

Mittlerweile sehe ich meinen Diabetes nicht mehr als reine „Störgröße“, sondern als Herausforderung, einfach das Beste daraus zu machen.

Nach vier Wochen Laufen hat sich ein leichter „Suchtfaktor“ entwickelt. Ich freue mich schon jedes Mal vorher und bin letztendlich glücklich, wenn ich am Laufen bin. Wichtig für mich ist, Spaß am Laufen zu haben und meiner Gesundheit etwas Gutes zu tun.

Mit Beginn der schlechten Jahreszeit wird es spannend, ob ich meinen inneren Schweinehund überwinden kann. Ich denke hier an den Regen und die Dunkelheit. Aber wie sagt man so schön: „Es gibt kein schlechtes Wetter, nur schlechte Kleidung.“

Konnte ich Euch heute mit meinem Bericht motivieren? 

Euer Matthias


Ihr seid keine Laufanfänger mehr und habt Lust auf mehr? Dann ist der Bericht von Sara genau richtig für Euch: Der Halbmarathon, meine Zuckerwerte und ich

2 Kommentare zu “Sport mit Diabetes – „Störfaktor“ oder Leidenschaft?

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