Die Sache mit der Kanüle – Katheter wechseln, sich spritzen – auch nach (10) Jahren noch eine Hürde

Olli berichtet heute über den Gefühlszustand beim Katheterwechseln bzw. sich Spritzen und warum auch nach (10) Jahren noch nicht alles „einfach“ ist.

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Wechsel Utensilien

Hallo, ihr lieben Teamkollegen und Insulin-Abhängigen, ich bin nun schon fast 10 Jahre mit meinem Diabetes-Partner zusammen und unseren Freund, die Insulinpumpe, kenne ich seit 9 Jahren. Im Alltag funktioniert unser Trio bestens und die Pumpe hat mir vieles erleichtert. Seitdem muss ich nämlich nur noch alle zwei Tage die Kanüle wechseln. Ich bin und war, schon vor meinem Diabetes, kein Freund von Kanülen, Blutabnehmen oder sonstigen „piksigen“ Aktionen. Bei meinem Pikser sehe ich die Kanülen ja zum Glück nicht. Auch wenn ich mich nicht mehr täglich spritzen muss, kann ich mich nicht so wirklich mit Kanülen anfreunden. Meine Kanüle ist zwar nur 6 mm lang, aber wenn ich ehrlich bin, könnte die Kanüle gerne noch etwas kürzer sein. Natürlich gewöhnt man sich mit der Zeit an alles und ich bekomme auch keine Panik-Attacken, Schweiß-Ausbrüche oder sonstige Angst-Zustände, wenn ich eine Kanüle sehe bzw. sie mir setzen muss.

1.) Die „zweitägliche“ Überwindung

Ja, alle zwei Tage ist sie bei mir dran. Manchmal schreit die Kanüle förmlich nach einem Wechsel, aber manchmal liegt sie auch einfach perfekt und ich will sie gar nicht wechseln. Natürlich kam es in den 9 Jahren schon vor, dass aus zwei auch mal drei Tage wurden. Und so ein Tag hat ja bekanntlich 24 Stunden, weshalb man die „Kanülen-Wechsel-Aktion“ schon mal bis ganz ans Ende vom Tag schieben kann. Aus Erfahrung weiß ich, dass es mir überhaupt nichts bringt, so lange zu warten, aber man drückt sich bekanntlich gerne vor bevorstehenden, unangenehmen Aufgaben. Wenn ich dann mal meine ganzen Utensilien zusammengesammelt habe und mich bereit erklärt habe, die Sache anzugehen, geht es meist sogar richtig schnell vonstatten. Schließlich will ich ja auch ins Bett oder mit meinen restlichen Aufgaben weitermachen. Ich möchte hier auch gar nicht so viel meckern und quengeln, so dramatisch ist es natürlich nun auch nicht. Der Moment, vor dem ich eigentlich Respekt habe, ist der, bei dem ich frisch desinfiziert da sitze und weiß: Jetzt muss die Kanüle rein! Ich habe gelernt, die Kanüle mit einer Hautfalte und durchschnittlich viel Schwung zu setzen. Manchmal will aber meine Falte nicht so, wie ich will, oder aber der Schwung fehlt. Ich weiß, dass ich muss, aber im Endeffekt kam es dann schon ein paar Mal vor, dass der Schwung kurz vor dem Einstechen in die Haut einfach verloren gegangen ist. Außerdem habe ich auch manchmal „Angst“ davor, dass meine Hand auf einmal wegrutscht und ich mir die Kanüle dann schief in die Haut steche. Zum Glück ist das bisher noch nie passiert.

Einstechstelle Katheter

2.) Die lieben Nerven und Hautprobleme

Auch das ist ein Thema, was zum Kanülewechseln einfach dazugehört. Mal sehe ich es meiner Haut schon an, dass sie gereizt ist oder es ihr nicht gerade „rosig“ geht. An anderen Tagen strahlt sie mich wiederum wunderschön an, sodass es keine schlechten Stellen gibt zum Kanülewechseln. Doch wie es unter meiner Haut aussieht, dass kann auch ich nur erahnen oder erfühlen. Merke ich eine Verhärtung oder Schmerzen, ist natürlich die „Zone“ erst einmal für die nächsten paar Tage tabu. Ich will mir ja nicht unnötig die Haut und das Gewebe zerstören. Doch auch wenn die Haut aussieht wie von einem frisch geborenen Baby, trügt der Schein manchmal.
Ich habe es leider, in den Jahren, schon öfter erlebt, dass ich die schönste Haut, die tollste Falte und eine spitzenmäßige Kanüle mit ausreichend Geschwindigkeit gesetzt habe und anschließend dachte, ich hätte mich soeben selber aufgeschlitzt. Die unterschiedlichen Schmerzstufen, mit den entsprechenden Gefühlen dabei, können aber nur wir Diabetiker untereinander so wirklich verstehen. Wenn ich es versuche zu erklären, vergleiche ich die Stelle oft mit einem Stück Butter. Ein Stück Butter, bei dem man mit einem scharfen Messer in Sekundenschnelle hineinsticht und manchmal sogar noch etwas darin herumbohrt. Je nachdem, wie verrückt die Nerven in dem Bereich gerade spielen. Es gab aber auch schon Situationen, dass beim Kanülewechseln an sich alles perfekt lief. Ein paar Stunden später zieht dann aber ein ziehender/stechender Schmerz von der Einstichstelle in meinen Rücken. So einfach aus dem Nichts, weder durch Reizung eines Druckpunktes oder einer anderen Halteposition. (Ich trage meine Kanülen oberhalb des Pos, im sogenannten Hüftspeck.) Zu guter Letzt gibt es dann noch den Phantomschmerz. Ein mieser Gefährte, kann ich euch sagen. Leider habe ich ihn in letzter Zeit ein paar Mal kennengelernt. Gerade wenn die vorherige Kanüle „Probleme“ bereitet hat und man froh ist, sie los zu sein, dann spüre ich manchmal, an darauffolgenden Tagen, Schmerzen. An Stellen, an denen, augenscheinlich, keine Schmerzen sein können, weil sich kein Fremdkörper mehr an dieser Stelle befindet. Doch die Nerven spielen mir einen Streich und weisen ausdrücklich darauf hin, dass es von dieser Position aus Schmerzen gibt. 

Auch wenn die Kanüle(n), Katheter und alle anderen ungeliebten Hilfsmittel mir nicht immer nur Freude bereiten, bin ich froh, überhaupt so kurze Kanülen verwenden zu können und mich nicht mehr jeden Tag piksen zu müssen.

Katheter

Und falls ich nicht die Einzige bin, die mit solchen kleinen Problemchen zu kämpfen hat, habe ich hier noch für alle anderen Betroffenen einen Tipp: Das einfachste Mittel bei jeglichen Schmerzen ist, die umliegende Partie vorsichtig zu massieren, kneten, kneifen oder einzucremen. Wirkt meist Wunder, bei mir auf jeden Fall. 🙂

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