AUS DEM LEBEN MIT EINEM DIABETIKER-WARNHUND – #11 Hundepension all inclusive

In der Vorweihnachtszeit ist es passiert. Von jetzt auf gleich – ohne jede Vorwarnung: Anja hat sich den Meniskus gerissen und liegt nun zwangsläufig flach. Was das mit ihrem Diabetes macht erfahren wir in ihrem Bericht aus "Hotel Mama", in welchem sie derzeit mit Candy residiert.

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Ein normaler, bewusster Schritt eine mir gut bekannte kleine Stufe runter. Aufgetreten und ein stechender Schmerz schoss mir in das Knie. „Verdammt, tat das weh“, ging es mir durch den Kopf. Der Schmerz ließ leider nicht nach, richtig bewegen konnte ich das Knie auch nicht mehr. Treppe herunter besser hüpfen und nicht auftreten… Ich war mir leider sehr sicher „Da ist was kaputt!“

Humpeln bis zur Diagnose

Ich erntete erstaunte Blicke und Reaktionen. Keiner wollte mir so recht glauben, dass da wirklich ein Schaden in meinem Knie war, und so humpelte ich durch den Tag und ging am nächsten Morgen zur Arbeit. Als Physiotherapeutin sitze ich natürlich an der Quelle und hatte meinen Chef am Tag vorher schon um einen fachmännischen Rat und Blick auf mein Knie gebeten. So sollte es sein – hören wollte ich es nicht, aber die Vermutung „Innenmeniskus“ sollte sich noch am selben Nachmittag bestätigen…

 

Getreu meinem Motto „keine halben Sachen“ hatte mein Meniskus einen sehr großen Riss und das lose Teil hatte sich umgeklappt und blockierte jetzt also mein Gelenk. Na herzlichen Glückwunsch!!

Von 100 auf 0 von jetzt auf gleich

Neben der Tatsache, dass ich mich einer Knie-Arthroskopie unterziehen musste (kleiner operativer Eingriff), stand ich vor der Aufgabe, mich und vor allem Candy die nächsten Tage – Wochen – mit Hilfe anderer versorgen und ihr gerecht werden zu müssen.

Laufen war nicht mehr so lustig. Das Nötigste – aber nicht zu viel, damit der Meniskus nicht noch weiter einreißt bei einer ungünstigen Bewegung, die Schwellung nicht zu groß wurde und ich womöglich nicht hätte operiert werden können. Außerdem tat jeder Schritt weh…

Als ich dann erfuhr, dass bei meinem Arzt erster Wahl der frühestmögliche OP-Termin durch die Weihnachtsfeiertage erst 8 Wochen später möglich sein sollte, verließ mich vorübergehend der letzte Optimismus.

Externer Gassi-Service

Die erste Zeit blieb ich zu Hause und kontaktierte aus meinem Freundeskreis die Leute, die schon mal auf Candy aufgepasst hatten und mit ihr spazieren gegangen waren. Mit Notizbuch, Handy und gutem Timing hatte ich tatsächlich jeden Tag Unterstützung. Mir war es sehr wichtig, dass Candy nicht nur zum Gassigehen ausgeführt wurde, sondern auch ihren gewohnten täglichen Freilauf durch Wald und Wiese bekam.

Kurze Strecken konnte ich nach wie vor mit ihr gehen – egal, ob mit Leine oder ohne, Krücken oder ohne – die Botschaft meines Knies war eindeutig „Setz‘ dich wieder hin!“.

Frust und Blutzucker-Explosion

Die ganze Situation frustrierte mich enorm!! Immerhin stand Weihnachten vor der Tür…

Ich war also nicht auf irgendeinem Weihnachtsmarkt, Geschenke wurden alle online bestellt, Weihnachtsbaum aussuchen und kaufen – ohne mich, Weihnachten und Silvester im Kreise meiner Liebsten verbracht – sehr „gemütlich“ und letztendlich meine groß geplante Geburtstagsparty Anfang Januar abgesagt.

Als wenn das nicht gereicht hätte, boykottierte mein Blutzucker die Kooperation mit mir. Die Werte stiegen und stiegen und das Insulin zeigte kaum eine Wirkung. Die Lust am Essen war mir schon vergangen.

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Letztendlich konnte ich mit einer erhöhten Basalrate auf 140%, doppelter Korrektur und mehr Insulin zum Essen das Drama einigermaßen in den Griff bekommen.

Diabetes Typ 1 – gutes Argument!!

Mit dem späten OP-Termin wollte ich mich einfach nicht anfreunden. Also telefonierte ich nochmals mit der Praxis…

Der Eingriff sollte ambulant gemacht werden, also nach der OP aufwachen, ausruhen und dann mit Begleitung nach Hause.

Beiläufig kamen wir bei dem Gespräch auf meinen Diabetes zu sprechen – und das war mein Glück!! „Moment, Frau Renfordt – das ist doch ein gutes Argument für uns. Wir haben 4 Wochen vorher einen stationären OP-Tag und könnten Sie dort mit einplanen. Dann bleiben Sie eine Nacht bei uns. Mit Diabetes Typ 1 können wir da gut argumentieren.“

Perfekt!!! Da bleibe ich doch gerne eine Nacht im Krankenhaus, wenn ich dafür 4 Wochen früher operiert werden kann.

Zu dem Zeitpunkt konnte ich nicht wissen, wie sich der Tag nach der OP für mich gestalten würde. Das war auch gut so…

Stabil mit CGM – Kreislauf am Ende

Mit 150 mg/dl (8,3 mmol/l) bin ich also in die OP gestartet. Als ich danach wach wurde und ich das Brummen neben mir der Pumpe zuordnen konnte, erkannte ich auf dem CGM einen langsamen Anstieg, den ich dann korrigiert habe. Meine Werte waren erstaunlich stabil die nächsten Stunden bis zum nächsten Tag. Zwischen 150 und 250 mg/dl (8,3 und 13,9 mmol/l) würde ich sagen.

Stabile Werte während der OP, danach ein kleiner Anstieg.
Stabile Werte während der OP, danach ein kleiner Anstieg.

Das größte Problem, mit dem ich zu kämpfen hatte, war allerdings mein Kreislauf… Der hatte mir den Dienst quittiert.

Im Bett aufrecht zu sitzen, war nicht lange möglich. An Essen nicht zu denken. Im Endeffekt lag ich also nur im Bett und dachte, ich würde umkippen, weil mir so schlecht war.

Die Schwestern gaben mir alle möglichen Medikamente gegen Schmerzen und Übelkeit. Egal, ob Tabletten oder Infusion, geholfen hat’s irgendwie nicht.

Der Versuch, abends spät aufzustehen, um zur Toilette zu gehen, scheiterte kläglich. Zum Glück ohne Übergeben und zurück im Bett und nicht davor.

Niemals hätte ich an dem Tag das Krankenhaus verlassen können…

Erlösung am nächsten Morgen…

Die Erlösung für meinen Kreislauf brachte mir am nächsten Morgen das Ziehen der Drainage. Der Schlauch in meinem Kniegelenk war mir einfach so ekelig, dass mir davon immer wieder schlecht wurde. Ein paar Stunden später konnte ich mit der Physiotherapeutin aufstehen und mich dann endlich abholen lassen.

Aktuelle Lage

Meine Blutzuckerwerte sind seitdem immer noch viel höher als sonst.

Die Pumpe läuft jetzt vormittags auf 150% Basal, ab Mittag bis Abend 140%. Zum Essen und Korrigieren brauche ich auch noch immer fast das Doppelte an Insulin.

Das Knie macht sich gut. Die Schwellung muss noch weg und ich laufe natürlich nicht so viel herum wie sonst in meinem normalen Alltag. Ich übe mich in Geduld, damit alles heilen kann.

Aktuell wohnen Candy und ich noch bei meinen Eltern. Sie führen Candy aus, spielen mit ihr, bringen ihr Leckerchen vom Einkaufen mit. Ich hab mich schon manchmal gefragt, wer hier von uns beiden mehr versorgt wird?! 😉 Ich bin sehr dankbar für diese große Unterstützung!! Ich könnte mich schon wieder selber versorgen, bis auf Autofahren und Einkaufen. Aber lange Spaziergänge müssen noch warten.

Ich bleibe also noch ein paar Tage mit Candy zu Gast in der Hundepension „Hotel Mama“ 😉

 

Liebe Grüße,

Anja und Candy

Veröffentlicht in Life

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