Top oder Flop? Das komplett automatische Tagebuchsystem ESYSTA

Top oder Flop? Marcel testet in seiner Reihe „Top oder Flop?“ Blutzuckermessgeräte und andere Hilfsmittel und stellt sie aus seiner Sicht dar. Heute: Esysta, ein System des Unternehmens Emperra.

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Einführung

In meinem letzten Artikel habe ich über ein neues Blutzuckermessgerät geschrieben, welches die Daten drahtlos an euer Handy schickt. Jetzt kommt das nächste Gerät aus dem Hause Emperra heute dran, welches auch im letzten Jahr den Weg zu mir gefunden hat. Das System von Emperra namens Esysta geht nicht nur einen Schritt, sondern gleich 3 Schritte nach vorne.
Das System eignet sich zum einen für ICTler, die auch in absehbarer Zeit keine Lust auf eine CSII-Therapie haben (Insulinpumpe), zum anderen auch für jene, die gerne mal zu faul sind, ein Tagebuch zu führen. Das Gesamte besteht aus insgesamt mehreren Komponenten:

  • dem Blutzuckermessgerät namens „ESYSTA Lab“
  • der Übertragungs- und Empfangsstation namens „ESYSTA Basis“
  • dem Pen bzw. den Pens namens „ESYSTA Pen“
  • Adapterstücken für alle gängigen Insulinpatronen
  • der Esysta-App und der dazugehörigen Weboberfläche

Das ESYSTA Lab:

Das Blutzuckermessgerät ist ein Graus, was die Verarbeitung und Handhabung angeht. Es fühlt sich im Gesamten sehr billig verarbeitet an.

 

An der rechten Seite befinden sich 2 Tasten: der On/Off-Schalter und ein Rädchen, was auch zeitgleich für das Bestätigen von z.B. einzelnen Einstellungen und wie viel BE/KE man zu sich genommen hat ist. Letzteres ist wichtig für die vollständige Nutzung der Tagebuchfunktion im Web bzw. als App. Leider ist auch hier die Verarbeitung so misslungen, dass man bei jeder Eingabe das Gefühl bekam, als würde es gleich wegbrechen. Hier ist also, falls noch nicht geschehen, Handlungsbedarf gefragt. Das Schöne ist am Gerät aber dennoch eines: die Größe des Displays. Die Werte werden nicht wie vergleichsweise beim Contour Next in Punkten, sondern in Strichen dargestellt.

Wie auch bei vielen anderen Messgeräten, die auf dem Markt sind, beträgt auch hier die Messzeit ca. 5 Sekunden (handgestoppt waren es bei mir sogar, leider, 10 Sekunden) und die Blutmenge ist auch hier relativ gering, wie bei Vergleichsgeräten anderer Hersteller.

Unterm Strich und aufgrund der aus meiner Sicht schlechten Verarbeitung bekommt das ESYSTA Lab von mir die Note 4-.

Die ESYSTA Basis:

An der Basis ist so gesehen nichts dran oder drin. Sie dient ausschließlich zum Empfangen der Daten aus dem ESYSTA Lab und dem ESYSTA Pen, um diese in die Cloud des Herstellers hochzuladen und für uns Patienten und dem hinzugefügten Arzt frei einsehbar zu machen.

Damit die Cloud weiß, welche Basis nun die Werte zu welchem Account hinzufügen soll, muss diese mittels Seriennummer und PIN im Account hinterlegt werden. Eine kleine Status-LED verrät den Betriebsstatus der Station.

Genutzt werden kann bzw. sollte diese nur innerhalb Deutschlands, da hier ein Datenvertrag mit dem Unternehmen Vodafone Deutschland Verwendung findet.

Der ESYSTA Pen und Adapter:

Das Konzept der Pens ist recht gut durchdacht: ein Pen, oder auch zwei, für jedes auf dem Markt verfügbare Insulin. Hierbei spielt es keine Rolle, ob die Patrone nun ein Schraubgewinde für die Penkanüle hat oder ob dieses sich am Pen befindet. Denn für beide Fälle gibt es den entsprechenden Adapter gleich dabei. Wer nun denkt, das war’s, der täuscht sich. Um nun den Pen (und auch die Patronen) richtig benutzen zu können, benötigt man noch die Adapter. Wie man nun den Pen befüllt, ist jedem selbst überlassen. Ich habe erst die Patrone in den Adapter und diesen dann in das passende Frontstück eingeführt und mit der Kanüle „fixiert“. Anschließend kam das Ganze in das Endstück des Pens. Nun muss nur noch der Kolben so weit nach vorne gedrückt werden, bis ein paar Tropfen des kostbaren Lebenserhaltungssaftes aus der Kanüle kommen.

Nun ist der Pen für die Bolus- und Basalabgaben einsatzbereit. Um jetzt noch die Einheiten automatisch an die Basis und somit in die App und die Cloud übertragen zu können, ist auch hier eine Registrierung der/des Pens erforderlich. Um nicht durcheinanderzukommen, gibt es noch kleine Farb„chips“ die in den Pen geklippt werden können. Diese Farbe gibt man auch in seinem Account an und um welches Insulin es sich handelt.

Pens sind ja in der Regel rund und handlich. Gerade bei der Insulinabgabe ist dies sehr wichtig, dass es leicht und handlich passiert. Leider trifft dies auf den Pen von Esysta nicht zu. Er ist relativ klobig durch seine dreieckige Form und auch die Insulinabgabe lief mehr schlecht als recht. Gleiches Problem hatte ich damals mit dem Pen von Sanofi, welchen ich für das Lantus verwendete. Drückt man zu fest, hatte man das Gefühl, der Plastikkolben würde brechen. Drückte man zu leicht, hatte man nicht das entsprechende Gefühl zu wissen, ob man nun alles injiziert hatte und der „Einsteller“ bis zum Einrastpunkt durch ist.

Schön ist hier aber die Handhabe, die gespritzte Menge kurze Zeit später über die Basisstation zu übertragen. Hierzu musste man nur 2 E aufdrehen und gleich dann wieder auf 0 E zurück und abdrücken. Damit startet man den Übertragungsmodus.

 Die ESYSTA App und Weboberfläche:

Um das Esysta im vollen Umfang auch ordentlich nutzen zu können, benötigt man einen Zugang. Mit diesem Zugang über die Weboberfläche ist es möglich, die Geräte mit seinem Account zu verknüpfen, so dass auch die Werte und alles andere übermittelt werden.
Des Weiteren kann man auch seinen Diabetologen eintragen, der dann Zugriff auf die übertragenen Daten erhalten kann. Keine Ausrede mehr, dass man sein Tagebuch zuhause vergessen hat oder allgemein vergessen hat, seine Werte einzutragen.
Hier also ein klarer Nutzenfaktor FÜR das System.

Abschlussfazit

Wer ungern ein Tagebuch führt, gerne mal Werte und BE/KE-Eintragungen vergisst oder einfach nur, aus Ärztesicht, zu faul dazu ist, für den ist das System ideal. Auch wenn die Handhabung der Pens aufgrund ihrer Form sehr gewöhnungsbedürftig ist. Die Qualität liegt hier nicht an den verarbeiteten Materialien bzw. an den einzelnen Teilen selbst, sondern eher an der dahinterstehenden Technik und der Grundidee.

Tatsächlich darf man sich nicht allzu viel erhoffen, außer dass man nun nicht mehr Gefahr läuft, seine Werte zu vergessen, und ein lästiges und stundenlanges Nachtragen gehören der Vergangenheit an.

Preislich gesehen und auch die Beschaffungsmöglichkeiten sind relativ mau, da man nur über den Hersteller die Teststreifen und die entsprechenden Adapter bekommt.
Große Onlineversandhäuser für uns Diabetiker, wie z.B. Diashop.de oder Diaexpert.de, haben es (noch) nicht in ihrem Programm.

Größe und Haptik Messgerät: 4,5/10
Größe und Haptik Pen(s): 3/10
Messgeschwindigkeit: 5/10
App: 7/10

Zur Messgenauigkeit kann und darf ich kein Urteil abgeben, da mir kein geeichtes Laborgerät zur Verfügung steht.

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