Wie baue ich eine Diabetiker-Community auf?

Eine Facebook-Gruppe, deren Mitglieder sich auch im Real Life treffen, ist was Feines. Aber man muss schon gut planen und einiges investieren, damit es gut klappt. Maggy gibt Tipps für den erfolgreichen Aufbau einer Diabetiker-Community.

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Ende 2013 gründete ich bei Facebook die Gruppe „Diabetes Typ 1 – Ruhrpott“. Ich kann behaupten, dass wir mit über 400 Mitgliedern eine der größten regionalen Gruppen sind. Seit vier Jahren gibt es kontinuierlich Gruppentreffen. Dabei kommen zwischen 10 und 20 Diabetiker (auch Typ-2er dürfen sich dazumogeln) und ihre Typ-Fler an einen Tisch und verbringen einen lustigen Abend zusammen inklusive Blutzucker-Bingo nach den üppigen Mahlzeiten. Ich bin auch in vielen anderen Gruppen bei Facebook, die immer wieder versuchen, Stammtische oder Treffen zu organisieren. Leider scheitern diese, obwohl die Nachfrage sehr groß ist. Also, was machen die Ruhrpott-Diabetiker anders?

Wie gründet man eine Community?

Ich entschied mich für das Medium Facebook, um mein Vorhaben anzugehen. Im Winter 2013/14 schrieb ich Marcel Courtial (ishnne-diabetes.de) an, den ich nur online aus einer anderen Diabetiker-Gruppe kannte. Ich wusste, dass er ebenfalls aus dem Ruhrgebiet kommt, und fragte ihn, ob er Lust hätte, mit mir gemeinsam Treffen für Diabetiker zu organisieren. Denn die erste Regel für Facebook-Gruppen und ehrenamtliche Projekte ist, dass man so etwas nicht alleine realisieren kann. Mit den Admin-Aufgaben einer Facebook-Gruppe und der Organisation von Veranstaltungen gehen auch einige Pflichten einher: Man muss darauf achten, dass nichts Unpassendes gepostet wird, Diskussionen müssen moderiert werden, Fragen beantwortet und gerade die Organisation der Treffen muss gepflegt werden.

Klare Strukturen und Durchhaltevermögen

Es gibt viele dieser Gruppen bei Facebook, und viele scheitern an einer klaren Linie. Gruppenregeln und auch eine klare Struktur bei der Planung der Treffen sind das A und O. Wir legten fest, dass wir uns alle zwei Monate am 3. Samstag treffen. Das ergab sich durch Zufall durch den ersten Termin, aber wir haben es bis heute beibehalten. Denn nach und nach blieb der Termin auch in den Köpfen der interessierten Gruppenmitglieder hängen.

Beim ersten Treffen waren wir schon acht junge Diabetiker, die sich rege austauschten. Aber nicht jedes Treffen lief so gut. Da heißt es dann durchhalten! Es musste dennoch stattfinden und so auch gegenüber allen in der Gruppe kommuniziert werden. Denn es musste klar sein: Auf uns kann man sich verlassen!

Kein Überangebot schaffen und Sonderwünsche höflich ablehnen

Alle schreien immer sofort „Ja!“, wenn nach einem Treffen gefragt wird. Es wird umgehend beschlossen, dass man sich doch jede Woche auf ein Lightgetränk treffen könne. Das ist schlicht und einfach ein Überangebot. Sind Treffen nicht so häufig, entfällt der Gedanke: „Ach, dann gehe ich halt nächste Woche.“ Man entscheidet bewusster, ob man hingehen möchte oder nicht.

Eine langfristige Terminankündigung erleichtert zusätzlich die Planung. Das beinhaltet aber auch, dass man hart bleibt, wenn jemand Sonderwünsche äußert. Oft erreichen mich Anfragen, ob ich das Treffen nicht um eine Woche verschieben könnte oder man nicht in ein anderes Restaurant könnte. Da muss ich immer klar, aber höflich, Nein sagen, denn bei über 400 Mitgliedern werde ich nie alle unter einen Hut kriegen. Aber durch die klare Struktur, die Zuverlässigkeit und Regelmäßigkeit wird es bei jedem, der kommen will, irgendwann klappen.

Groß denken!

Ja, wir sind ein paar Millionen Diabetiker in Deutschland. Und ja, viele davon sind auch über solche Facebook-Gruppen erreichbar. Aber dennoch sollte man sein Einzugsgebiet durchaus größer planen, wenn man nicht gerade in einer Stadt wie Berlin wohnt. Das Ruhrgebiet ist da eine sehr dankbare Region. Viele Diabetiker sind hier auf einem überschaubaren Raum verteilt, und auch die öffentlichen Verkehrsmittel sind gegeben. Wir treffen uns jedes Mal in einer anderen Stadt, so dass jeder mal eine kurze Anreise hat: Hagen, Dortmund, Bochum, Essen, Oberhausen und Duisburg.

Und wie überlebt eine solche Community?

Fast vier Jahre liegen nun hinter uns. Mittlerweile hat sich Marcel aufgrund seines Studiums als Admin zurückgezogen, und die liebe Saskia Kaup (diafeelings.com) ist eingesprungen. Es ist kein Zufall, dass meine Co-Admins generell aktiv in der Diabetiker-Blogger-Szene sind. Nur Menschen, die sich engagieren, können solche Projekte aufbauen und am Leben erhalten.

Auch müssen es Personen sein, die auf andere zugehen. Man begegnet vielen Fremden, und man sollte neuen Leuten helfen, in die Gruppe hineinzufinden. Dazu muss man als Organisator sehr kommunikativ sein. Mittlerweile gibt es einen harten Kern von 30 bis 40 Leuten, die immer mal wieder zu Treffen kommen und sich über die Diabetessau, den neusten technischen Kram oder unberechenbare Kohlenhydrate unterhalten. Der Austausch hilft vielen, neue Informationen und Erfahrungsaustausch mischen sich mit dem Gefühl, nicht alleine zu sein.

Hier meine Tipps für den erfolgreichen Aufbau einer Diabetiker-Community:

  1. Bilde ein kommunikatives Team!
  2. Werde Dir über Deine Zielgruppe und Dein Einzugsgebiet klar!
  3. Überlege Dir klare Strukturen und Angebote, schaffe aber kein Überangebot!
  4. Sei zuverlässig!
  5. Habe Spaß an dem, was Du machst!

Sucht ihr eine Gruppe in Eurer Nähe? Ich habe auf meinem Blog diapolitan.com mal eine Liste der regionalen Facebook-Gruppen zusammengestellt.

 

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