Sicherheitskontrolle aus der Hölle

Nadja hatte nie Probleme beim Fliegen mit dem Diabetes, bis sie im September in Manchester umsteigen musste. Wie die Sache ausging, lest ihr hier.

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Mitte September musste ich aus familiären Gründen für ein paar Tage zurück nach Deutschland. Für jemanden wie mich, der normalerweise alles durchplant und auf alles vorbereitet ist, eine ganz neue Herausforderung. Wie es das Schicksal will, lief natürlich nicht alles glatt.

„Vorbereitung“

Meine Vorbereitungszeit betrug drei Tage. Während ich normalerweise vor dem Urlaub oder einer Reise alles Nötige sortiere, vorpacke und Atteste besorge, blieb diesmal keine Zeit für das alles. Außerdem würde ich nur mit Handgepäck reisen, was die Sache wenigstens ein bisschen vereinfachte. Da ich nur für eine Woche fliegen würde, musste ich auch keinen großen Vorrat an Pods und Sensoren mitnehmen.

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Inzwischen dachte ich auch, dass Horrorstorys von abgenommenen Pumpen, Bombentest und stundenlangen Verzögerungen in der westlichen Zivilisation nicht mehr vorkommen…

Von Orlando nach Berlin

Also machte ich mich auf den Weg zum Flughafen. Es sollte von Orlando über Manchester nach Berlin gehen. Gesamtreisezeit 18 Stunden und 20 Minuten. Nicht gerade entspannt, aber so spontan leider nicht anders möglich.

Mein Zwischenstopp in Manchester betrug etwas über 5 Stunden. Eigentlich genug Zeit zum Umsteigen.

Doch es fing schon damit an, dass ich in Manchester nicht eher als 3,5 Stunden vor meiner Abflugzeit einchecken konnte, was meine Umstiegszeit verkürzte. Zusätzlich fing mein Blutzucker langsam, aber kontinuierlich zu steigen an, weil ich mich bei meinem schnellen Frühstück anscheinend verschätzt hatte. Darum wollte ich mich allerding in Ruhe im Sitzen nach der Sicherheitskontrolle kümmern. Normalerweise bin ich immer die Erste an der Security-Kontrolle, falls es doch mal länger mit dem Diabetes dauern sollte. Diesmal erwies sich das als schlau.

Sicherheit über alles

Anscheinend nehmen es die Briten nämlich ganz genau mit ihrer Sicherheit. Die Sicherheitskontrolle in Manchester am Flughafen ist augenscheinlich erst mal nicht anders als an jedem anderen Flughafen auch. Handgepäck durch den Scanner, Gürtel und alle Elektrogeräte aus den Taschen und ab durch den Bodyscanner.

So weit, so gut. An den Tap-Down hatte ich mich schon gewöhnt, weil die Bodyscanner normalerweise auf Pumpe oder CGM oder beides anschlagen. Auch ein Abstrichtest bezüglich Sprengstoff ist nichts Spektakuläres. Worauf ich nicht vorbereitet war, war das schier endlose Durchsuchen meines Handgepäcks. Nach der Leibesvisitation sah ich schon eine gewaltige Menschenmenge, die auf ihr Gepäck wartete. Warum, wurde mir schnell bewusst. Jede zweite bis dritte Box wurde von dem Gerät direkt an die Detailkontrolle weitergegeben. Als ich um die Ecke bog, um mich in die Schlange einzureihen, sah ich hinter dem Schalter, der mit 3 Beamten besetzt war, schon mindestens 20 dieser grauen Boxen stehen. Ziemlich am Ende meine Mickey-Mouse-Tasche.

Und wir warten und warten und warten

Wie es leider immer ist, wenn man in Eile und nervös ist, dauert es am längsten. Andere Koffer wurden vor meinem vorgezogen, weil nicht wirklich ein System hinter der Kontrolle steckte. Ich hatte das Zeitgefühl verloren, da ja Handy und Smartwatch mit in meiner Reisetasche steckten. Nach einer gefühlten Ewigkeit war ich dann doch bereit, die Masterkarte Diabetes auszuspielen. Ich ging also zu einer der Security-Beamten und versuchte ihr zu erklären, dass Medikamente, die ich jetzt benötigen würde, in meiner Tasche sind. Das war ja sogar nicht mal gelogen. Ziemlich unbeeindruckt führte die Dame die Kontrolle des aktuellen Koffers weiter gemächlich durch und machte sich dann auf zu meiner Reisetasche.

Der Koffer fährt Karussell

Als Erstes riss ich mein Handy an mich, um meinen Gewebezucker zu checken. Wofür ich böse Blicke der Security Dame erntete. Der Wert war schon über 250 mg/dl (13,9 mmol/l) und stieg noch. Allerdings hoffte ich, dass das Ganze relativ schnell abgehakt sein würde und ich mir in Ruhe einen Bolus geben könnte. Meine Zeit bis zum Abflug betrug knapp über eine Stunde.

Nachdem ich ihr also meinen ganzen Tascheninhalt inklusive Klamotten, Schminke, Tablet, Reisedokumente und Diabeteszubehör offenbart hatte, teilte sie alles in drei Boxen auf und schickte es erneut durch den Scanner. Mein Tablet, Schminke und die Reisedokumente durfte ich wieder an mich nehmen. Den Rest leider nicht.

Wie sich rausstellte, schaffte es die Tasche nicht auf die richtige Seite, da ich in der Seitentasche Babybrei im Quetschbeutel gegen eine „Hypo“ dabeihatte. Als sie mir diesen abnehmen wollte und ich mit ihr argumentierte, wollte sie ein Attest sehen, das ich natürlich diesmal in der Eile vergessen hatte einzupacken. Als ich ihr sagte, dass es in Orlando auch keine Probleme gab, reagierte sie nur mit einem Schulterzucken.

Weiter ging es mit meinem Sugarcase, der zuerst auf Sprengstoff getestet wurde und dann noch zweimal durch den Scanner geschickt wurde, bis wir dann endlich die Lösung hatten, dass er auf die Insulinampulle im Pen anschlug, welcher deshalb in eine Extra-Plastiktüte musste, um noch einmal durch den Scanner zu gehen.

Ende gut, alles gut

Am Ende habe ich meinen Flieger nach Berlin doch noch knapp erwischt, mit einem Zuckerwert von über 350 mg/dl (19,4 mmol/l) und der Lektion, die ich daraus lernte, dass selbst mit der besten Vorbereitung Horrorgeschichten manchmal nicht vermieden werden können. Und dass ich nie wieder über Großbritannien fliege.


Auch Lea war mit dem Diabetes im Gepäck in den USA. Wie sie ihren Trip geplant hat und ob alles glatt lief, erzählt sie in ihrem Beitrag Meine USA-Reise – Tipps und Tricks für einen Roadtrip mit Diabetes!

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