Vom FGM zum CGM

Vom Auftragen von Blutstropfen auf Teststreifen über das Scannen eines Gewebezucker-Sensors bis zum kontinuierlichen Messsystem – Katharina lebt jetzt mit dem Dexcom G5 Mobile und erzählt, wie es dazu kam.

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Vor einigen Jahren war ich noch der festen Überzeugung, für mein restliches Leben meinen Blutzucker zig Male am Tag blutig kontrollieren zu müssen – egal wie unpassend die Situation auch sein mochte. Dazu kam, dass ich eine „Vielmesserin“ war, sprich sieben bis zehn Blutzuckertestungen pro Tag haben meinen Teststreifen-Vorrat immer schnell gekillt und der Kampf mit der Krankenkasse bzw. der Diabetes-Schwerpunktpraxis um weitere Verordnungen war immer nervenaufreibend.

Blutzuckermessgerät

Prognose: 10 Mal täglich in die Fingerbeere stechen – und das, solange ich lebe

Ich weiß nicht einmal mehr, wie lange ich schon den Typ-1-Diabetes hatte, als ich das erste Mal von einem CGM-System (Continuous Glucose Monitoring, also kontinuierliche Glukoseüberwachung) hörte, aber erst einmal fand ich es – ähnlich wie den Gedanken an eine Insulinpumpe – eher abschreckend. Und selbst als sich diese Ansicht irgendwann änderte, schien mir die Wahrscheinlichkeit, dass mir so etwas jemals finanziert wird oder ich es mir sogar selbst finanzieren könnte, sehr, sehr unwahrscheinlich.

Die Stechhilfe, aber als Folterinstrument

Es gab eine Phase, da habe ich das blutige Testen gehasst. Manchmal stand ich eine halbe Stunde mit der Stechhilfe in der Hand vor meinem Blutzuckermessgerät und brachte es nicht übers Herz, endlich die Lanzette auszulösen, um mich kurz zu piksen. Da wir aber heute in einer sich ziemlich schnell entwickelnden Zeit leben, dauerte es gar nicht mehr so lange, bis das erste FGM (Flash Glucose Monitoring) in Form des FreeStyle Libre auf den Markt kam und tatsächlich bald von vielen Krankenkassen bezahlt wurde.

FGM, Blutzuckermessgerät

Kein ständiges Piksen, aber auch keine Alarm-Funktion

Als ich den ersten FGM-Sensor setzte, änderte sich mein Leben. Das mag sehr dramatisch klingen, aber es war wirklich so. Dass das blutige Messen quasi komplett entfiel, war zu dem Zeitpunkt der Himmel auf Erden für mich. Ich war so glücklich mit dem Gewebezucker-Mess-System, dass ich gar nicht mehr so sehr hinter einem CGM her war. Selbst als 2016 das Urteil zur Genehmigung von CGMs fiel, blieb ich zufrieden bei meinem FGM – insbesondere, weil das CGM ja wieder häufiger blutige Messungen zum Kalibrieren bedeutete. Doch nach über zwei Jahren Tragedauer traten vermehrt Faktoren auf, die mich mit dem FreeStyle Libre immer weniger zufrieden machten.

Das Pflaster juckte, die Werte waren ungenau und das Gerät ließ sich ja auch nicht kalibrieren und eine Warnfunktion schien auf einmal absolut sinnvoll zu sein, denn ich begann, Hypo- und Hyperglykämien einfach zu überschlafen. Aber nach meiner Erfahrung mit dem Insulinpumpen-Antrag war mir so gar nicht danach, wieder Ewigkeiten um die Genehmigung eines Hilfsmittels zu betteln.

Optimismus so inaktiv wie meine Betazellen

Ende Januar dieses Jahres folgte dann doch mein Antrag für ein CGM – in meinem Falle für das Dexcom G5 Mobile. Und ich war absolut pessimistisch eingestellt: Bestimmt möchte die Krankenkasse bzw. der MDK wieder allerhand Blutzuckertagebuchdaten und sowieso wird das alles nicht klappen. Ich rechnete mit Ablehnungen und Widersprüchen und bekam eine komplikationslose Zusage. Erst telefonisch, kurze Zeit später per Post die Bestätigung und selbst damit in Händen zweifelte ich noch, ob das so leicht gewesen sein kann. Ein paar Wochen später, Ende März, kam die Vertreterin von Dexcom zu mir und brachte mir das System samt Transmitter und Sensoren und seitdem trage ich kein FGM mehr, sondern ein CGM.

Blutzuckermessgerät und Teststreifen

Alarme und Teststreifen überall

Auf einmal messe ich meinen Blutzucker wieder zweimal täglich auf konventionelle Weise und mache es gerne! Denn in den allermeisten Fällen bestätigt es einfach nur den gemessenen Wert des CGMs und dann freue ich mich, was für ein verlässliches System ich nun trage. Neben den vermehrt gebrauchten Teststreifen, die sich nun wieder in Schuhen, unterm Bett oder im Wäschekorb wiederfinden, gibt es noch eine Veränderung, die nicht nur mir auffällt: Ich piepe. Zwar habe ich die Grenzen des Zielbereiches sehr großzügig gesetzt, um nicht ständig von den Alarmen gestresst zu werden, aber dennoch gibt es Situationen, in denen ich zu niedrige oder zu hohe Gewebezuckerwerte nicht mehr verheimlichen kann.

Das Beste: Durchschlafen oder aber zuverlässig geweckt werden

Angesichts meiner nächtlichen Blutzuckerschwankungen hatte ich mir angewöhnt, mir jede Nacht den Wecker zu stellen, um keine Werte zu überschlafen, die mich dann den ganzen nächsten Tag wie verkatert zurücklassen. Aber so wurde mein Schlaf ständig unterbrochen, auch wenn er erholsam und der Blutzucker im Rahmen war. Seitdem das vorbei ist und ich trotzdem beruhigt schlafen kann, mit dem Wissen, im Zweifel geweckt zu werden, geht es mir deutlich besser.

CGM, FGM, Blutzuckermessgerät

2 Kommentare zu “Vom FGM zum CGM

  1. Liebe Katharina,
    danke für diesen Beitrag!
    Gerade gestern war ich auf einer Inforunde zum Dexcom G6.
    Ich trage bisher (seit einem Jahr meiner ebenso bestehenden Typ1) den freestyle libre 1 und leide ebenso unter Schlafmangel.
    Gehe erst mit stabilem Wert zu Bett, stelle mir auf 2h den Wecker um nicht, wie sehr oft, zu lange im unterzuckerten Bereich zu schlummern. Außerdem bin ich auch eine Vielmesserin, da mir Sicherheit ein großes Bedürfnis ist – zwar belächelt das meine Diabetes-Beraterin, stellt es als übertrieben hin, jedoch sehe ich das anders.
    Schließlich muss nicht sie, sondern ich damit umgehen und unentwegt eine Organfunktion ersetzen und managen. Auf allzuhäufige drohende Entgleisungen und daraus resultierendem Unwohlsein bei zu lockerer Sichtweise habe ich einfach keinen Bock und achte lieber genau auf die Werte und wann ich am besten esse usw. nun ja außerdem habe ich ja auch Verantwortung – für meine Kinder daheim, als auch für über 20 Kinder in der Kita, in der ich arbeite….von daher – ich kann gut nachvollziehenm, warum jemand lieber einmal öfter nachmisst – wobei: manche Messungen könnte man sich sparen, wenn der freestyle1 mal zuverlässig misst, grrrr und dann bekommt man keine Messtreifen nach – jetzt heißt es sogar in meiner Praxis: mit Sensor nur noch 150 Messstreifen pro Quartal! ist das bei Dir auch so?
    Der freestyle mit seinen eigenwilligen Sensoren läuft manchmal echt gut zuverlässig und ein anderer misst mitunter während der gesamten Tragedauer zweifelhafte Werte, die dann oftmals um 50 bis 60 daneben liegen. Und das Ding hat eben keinen Alarm.

    Mein Doc bot mir an auf die 2 zu wechslen, jedoch ist meine seitens abbot oder der Krankenkasse einfach bestehende Jahresverodnung (obwohl Doc nur für 3 Monate jeweils aufschreibt) noch nicht zu Ende und deswegen bekomme ich noch keinen.

    nunmehr überlege ich, den Arzt zu fragen, ob ich nicht mal 3 Monate den G6 probieren könnte. Der scheint ja sehr diffrenzierte Alarme zu haben – mit Vorwarnungen, Tag- und Nachtalarme individuell usw.

    Hast Du mit dem auch Erfahrung?
    Misst der dexcom tatsächlich wesentlich genauer oder braucht der auch erst ein paar Tage? was ja blöd wäre, da man den nur 10 statt 14 Tage belässt. …

    Würde mich sehr freuen, wenn Du mir da einen Tipp geben kannst!
    Vielen Dank!
    grüßt Dich Sonja

  2. Liebe Sonja,

    das ist ja alles ganz schön kompliziert! Ich kann natürlich nur aus meiner eigenen Erfahrung berichten und nicht pauschal irgendwie empfehlen, zu einem bestimmten Produkt zu wechseln, aber mir hat der Schritt zum Dexcom G5 sehr geholfen und er misst wirklich sehr genau (mit dem G6 habe ich bisher selbst auch noch keine Erfahrung.) Mein erster Gedanke war, ob dir vielleicht der Wechsel der Diabetes-Praxis weiterhelfen könnte?! Gerade das Verständnis einer Diabetesberaterin ist so wichtig, finde ich. Die Abweichungen des Libres sind ja teilweise normal (es gibt doch diese bestimmte Prozentanzahl, in der Abweichungen im Rahmen liegen – ich weiß nur gerade nicht, wie hoch das war) und dann ist eben auch der Unterschied zwischen Gewebe- und Blutzuckerwert.
    Wie viele Teststreifen mir im Quartal zustehen weiß ich ehrlich gesagt gar nicht. Ich habe den Luxus, dass ich einfach meiner Diabetesberaterin Bescheid sage, wenn sie leer sind und ich ein neues Rezept bekomme. Grob geschätzt komme ich aber eh nicht über 150 pro Quartal, obwohl der G5 ja 2x pro Tag kalibriert werden muss.

    Wie es sich mit einem Wechsel während einer Jahresverordnung verhält, weiß ich leider auch nicht. Ich habe damals meiner Krankenkasse gesagt, für wie viele Wochen ich noch Libre-Sensoren hatte und dann wurden die weiteren Lieferungen eingestellt und die Dexcom-Versorgung begann.
    Dass dich ein Alarm beruhigen würden, verstehe ich so gut. Gerade wenn du auch noch die Verantwortung für andere trägst.

    Einen alles lösenden Tipp habe ich, fürchte ich, nicht auf Lager. Was ich gelernt habe ist, dass vieles mit dem passenden Diabetesteam steht und fällt, weil man einige Dinge leider nicht alleine lösen kann. Und zusätzliche Hartnäckigkeit zahlt sich meistens auch aus.

    Liebe Grüße und alles Gute für dich!
    Katharina

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