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Hilfe – mein Insulin wirkt nicht mehr!

"Hilfe – mein Insulin wirkt nicht mehr!" - Heike hat seit einiger Zeit ein Problem: ihr Insulin wirkt nicht mehr! Nach dem Insulinwechsel findet sie den Fehler und kommt zu der Erkenntnis: "Jeder Diabetes ist individuell".

Seit ein paar Wochen bemerke ich, dass mein aktuelles Insulin – NovoRapid – nach dem Essen merklich schlechter wirkt. Wie macht sich das bemerkbar? Besonders nach dem Essen steigt mein Blutzucker besonders hoch und will nach dem Essen (trotz Bolus) nicht wieder absinken. Ich habe schon dankend auf die zahlreichen Anregungen (vergleiche meinen Artikel zum Frühstücks-Dilemma) reagiert und meinen SEA (Spritz-Ess-Abstand) verlängert. Leider gestaltet sich das im Alltag schwierig für mich. Ich habe oft ein begrenztes „Zeitfenster“ zum Essen. Neben meinem Diabetes manage ich noch meine Tochter, meinen Hund und den Job. Dann gestaltet es sich schwieriger, so lange Zeiten zwischen Essen und Spritzen einzuhalten. Manchmal kommt dann noch dieser Heißhunger dazu! Genau in dem Moment, wo ich etwas essen möchte, muss ich noch so lange warten … Ist dies das Schicksal von uns Diabetikern?

Wo liegt die Ursache für diese lange Wirkdauer?

Ich habe diese Frage bei meinem letzten Termin bei meinem Diabetologen gestellt. Er schlug mir vor, andere Kurzzeit-Insuline, das bedeutet Insulinanaloga, auszuprobieren.


Wirkung: tritt sofort ein, die stärkste Wirkung nach etwa einer Stunde
Wirkdauer: 2 bis 3 Stunden, max. bis 4 Stunden
Ein Spritz-Ess-Abstand und Zwischenmahlzeiten sind in der Regel nicht notwendig.
Beispiele: Liprolog, Humalog, NovoRapid, Apidra

(Quelle: https://www.diabetesde.org/ueber_diabetes/therapie_bei_diabetes/alles_ueber_insulin/verschiedene_insuline)


Das sind ja sehr hohe Versprechungen. Aber können diese schnell wirkenden Insuline dem in der Wirklichkeit gerecht werden? Ich habe drei verschiedene Insuline ausgetestet und berichte euch über meine individuellen Erfahrungen.

  • NovoRapid: NovoRapid war mein die letzten 6 Jahre durchgehend verwendetes Insulin. Da es scheinbar die Wirkung aufgegeben hatte, wollte ich mal ein anderes Insulin ausprobieren.
  • Apidra: Apidra war von Anfang an mein Favorit. Obwohl es die vergleichbare Wirkkurve wie das NovoRapid hat, wollte ich schauen, ob mein Körper auf dieses Insulin anders reagiert.
  • Fiasp: Das neue Insulin „Fiasp“ ist ein Turboinsulin und soll noch um einiges schneller wirken im Vergleich zu seinen „Mitstreitern“. Ich hatte daher vor diesem Insulin etwas Respekt. Außerdem hatte ich von einer möglichen Gewichtszunahme im Zusammenhang mit Fiasp gehört. Das machte mir etwas Angst. Leider ist dieses Insulin von meiner Krankenkasse in Österreich auch noch nicht bewilligt. Das bedeutet, es wird nicht bezahlt. Wenn es für mich in Frage käme, müsste ich um eine extra Bewilligung ansuchen.

Mir stellte sich zunächst die Frage, ob mein Körper etwas resistent gegen mein NovoRapid geworden war?

In der ersten Woche habe ich Fiasp benutzt. Es wirkte schneller als NovoRapid, aber nicht wirklich schneller. Ich musste immer noch bis zu 30 Minuten auf seine Wirkung warten. Für mich kein wirkliches Turbo-Insulin. In der zweiten Woche kam dann Apidra an die Reihe. Auch hier wieder eine größere Wartezeit.

Der große Aha-Effekt kam in der dritten Woche …

Ich veränderte beim Setzen meines Katheters gezielt die Einstichstelle. Und stellte dann plötzlich fest, dass die Wirkung des Insulins und meine Katheterstelle sehr großen Einfluss haben. Ich setzte meine Katheter früher vorwiegend am Bauchbereich. Nun wechsle ich jedoch öfter und setze die Katheter auch schon fast am Rücken. Ich bin gewohnheitsmäßig ein „Bauchstecher“. Nie wäre ich auf die Idee gekommen, welchen großen Einfluss diese veränderte Einstichstelle hat. Aber das Insulin wirkt seitdem tatsächlich schneller und besser.

Fazit dieses Experiments

Als mein Insulin zuerst so schlecht wirkte, hatte ich zunächst das Insulin in Verdacht. Beim Diabetes müssen jedoch immer auch alle anderen Bausteine angeschaut werden. In meinem Fall war es die Einstichstelle des Katheters. Seit ich mir nun andere Einstichstellen suche, wirkt mein Insulin rascher. Wenn auch nicht „turbomäßig“, wie angegeben. Ich habe jetzt zum Apidra gewechselt und vertraue die nächste Zeit auf dieses Kurzzeit-Insulin.

Gibt es ähnliche Erfahrungen mit Kurzzeit-Insulinen? Ich freue mich, von euch zu lesen!

12 Kommentare

  1. Hallo Heike, sorry, das mein Tipp mit dem sea nicht so geholfen hat, wie gewünscht. Ich bin aber sicher, dass du genau den Nagel auf den Kopf getroffen hast mit der Spritzstelle.

    Ich nutze nun Fiasp, weil Apidra bei mir fast nach 8 Stunden erst richtig gewirkt hat. Die ersten Tage waren bemerkenswert, weil Fiasp gewirkt hat, wie in der Packung angegeben. Nach zwei Wochen war jedoch die Luft raus.

    Mittlerweile spritze ich, obwohl ich einen Omnipod nutze, meine Boli, die größer als 5 IE sind, mit dem Pen. Da es sich bei allen von dir getesteten Insulinen um Analoga handelt und Fiasp nur ein Novo rapid mit einem Zusatz ist, gibt es für dich nur noch wenige Alternativen, die wahrscheinlich auch keine Besserung bringen würden.

    Meine Vermutung bei *unserem* Problem ist, dass die Spritzstelle mit der Zeit einfach schlechter das insulin resorbiert und weniger in den Kreislauf abgegeben wird. Das gilt insbesondere für Spritzstellen bei Pumpen oder Omnipod Trägern, da der Omnipod ja über drei Tage am derselben Stelle verbleibt. Ich habe es immer wieder getestet und kann nach mehren Monaten sagen, dass ich lieber den Pen in Kauf nehme als das ich mich auf die Wirkung des insulins nicht verlassen kann. Seitdem läuft es eigentlich besser denn je. Der Vorteil ist dabei noch, dass ich für kleine Korrekturen, die ich nach dem Essen bei zu schnellem Anstieg des BZ spritze, den Omnipod nutzen kann. Dadurch, dass zuvor das insulin an anderer Stelle gespritzt wurde, wird nun die Korrektur viel besser aufgenommen.

    Ich würde es dir empfehlen auszuprobieren.

    Viel Erfolg!

    Gruß Volker

  2. Schau mal in den Beipackzettel vom Apidra… Eig ist es für pumpennutzung nicht empfohlen, da es wohl sehr Temperatur empfindlich ist… Wusste ich auch lange nicht, hab auch nichts festgestellt, hat mir mein Doc dann aber später erklärt…

  3. Auch ich habe festgestellt dass mein Insulin (Humalog) nicht immer wirkt. Dadurch ergaben sich große Schwankungen. Meine Überlegung war dass die Spritzstellen im bauchbereich erschöpft sind und ich nur selten eine gute Stelle erwische. Aus der Überlegung dass ich früher mal mein Insulin in den Oberschenkel gegeben habe, bin ich zui dem Entschluß gekommen es dort wieder mal zu probieren. Gleichzeitig habe ich Fiasp von einem Diabetologen bekommen. Seit dem sind meine Blutzuckerwerte wie glatt gebügelt. Es sind in der Tat ganz oft mehrere Stellschrauben an den man dann natürlich nur ganz vorsichtig drehen muss.

  4. Hallo Heike, benutze auch schon seit Jahren das Novo Rapid und habe exakt das gleiche Problem. Ich soll jetzt mal 2-3 Hafertage einlegen weil Hafer den Körper für Insulin angeblich wieder sensibler macht. Ich bin gespannt …

    Liebe Grüße
    Nicole

  5. Vielen Dank für all eure Kommentare und super Ideen!
    Ihr habt recht – es sind viele Baustellen, die bei diesem Problem bearbeitet werden müssen.
    Ich ernähre mich momentan mal “Low Carb” in Anlehnung an die BSL Autorin Bettina Meiselbach. Und mir geht es relativ gut dabei. Ist aber irgendwie viel Zeitaufwand und manchmal schwierig im Alltag umzusetzen trotz der tollen Rezepte. Danke an Bettina Meiselbach!
    Zu Nicoles Idee mit dem Hafer. Probiere doch mal Haferkleie. Schmeckt vergleichbar wie Haferflocken, hat jedoch weniger KH und nicht so einen extremen BZ-Anstieg nach dem Frühstück.
    Vielen, vielen Dank noch mal an alle. Ich bin sehr froh, Teil dieses Teams zu sein!

    1. Hallo Heike, dein Problem haben viele. Mir ist es erst richtig bewusst geworden, als ich auf Fiasp umgestellt habe, da Fiasp durch seine besondere Wirkung sehr abhängig auf gute Spritzstellen ist.

      Demnächst kommt ein Artikel von mir, wo ich genau dieses Problem beschreibe und auch einen Ansatz zur Abhilfe gebe.

      Die Ernährung umzustellen ist sicher nicht verkehrt. Aber selbst mit einer Hafer Kur wird es nicht gelingen, Gewebe so zu beeinflussen, dass es Insulin wieder verlässlich aufnimmt.

      Ich wünsche dir alles Gute und würde mich freuen, wenn wir gemeinsam dein Problem aus der Welt schaffen können.

      Gruß Volker

  6. Hallo Heike,

    du solltest einmal überprüfen lassen, ob Insulin-Antikörper beteiligt sind. Dr. Bernhard Teupe aus Bad Mergentheim-Althausen hat hierzu auf seiner Internetseite des Diabetikerdorfes Althausen und im Insuliner ausführlich berichtet.
    Diabetiker mit Novo-Rapid Nutzung sind dabei häufiger betroffen als Nutzer anderer Insuline.

    L.G.
    Peter

    1. Danke Peter, ein spannender Artikel bei den Insulinern (https://www.insuliner.de/insublog/wordpress/wp…/Insulinantikoerper-Interviews.pdf).
      Der Artikel ist aber schon etwas älter von 2014? Ist da noch nichts passiert?
      Ich lasse trotzdem meine Insulin Antikörper austesten. Und praktiziere sonst weiter die LowCarb Diät 🙂
      Danke und viele Grüße, Heike

      1. Guten Morgen Heike,

        die aktuellste Fassung zu den Insulin-Antikörpern gibt es im neuesten Insuliner 123.
        Das Austestenlassen ist sicherlich die richtige Entscheidung.
        Weiterhin alles Gute

        Peter
        ( 64 Jahre alt mit 61 Jahren Diabetes-Erfahrung )

        1. Hallo Peter, Glückwunsch zu so einer langen Karriere! Wow!
          Nicht böse sein, Heike, daß ich nichts zu Deinem Artikel schreibe. Habe da keine Ideen oder Erfahrungen, die über das hinausgehen, was die anderen treffenderweise schon gepostet haben. Hoffe aber, daß Du es in den Griff bekommst. Trotzdem liebe Grüße.
          Tatjana

  7. Hallo Heike,
    bitte entschuldige, wenn ich nicht gleich alles in einem Kommentar zusammengefasst habe. Der Grund ist, dass ich mir weiterhin darüber Gedanken gemacht habe und mich daran erinnern kann, dass ich in der Diabetesklinik einmal 9 Tage lang am Insulin Perfusor gehangen habe. Der Perfusor ist nichts anderes als eine große Insulinpumpe, die jedoch das Insulin intravenös abgibt. Damals sollte dadurch eine Insulinblockade beseitigt werden.
    Ich fand es wichtig, in diesem Artikel auch noch einmal zusammenzufassen, dass es immer mehrere Möglichkeiten gibt, was nun der Grund, für eine schlechtere Wirkung des Insulins ist. Da ich in meiner Laufbahn schon öfter deine geschilderten Probleme hatte, würde ich nach Deiner Schilderung dennoch darauf tippen, dass es einfach die Spritzstellen sind, wo bei Dir das Insulin nicht mehr richtig resorbiert wird. Du kannst es ja ganz einfach testen, indem Du mal größere Boli mit dem Pen abgibst. Einen Antikörpertest oder die Perfusor Variante ist da schon aufwändiger. Bei mir kann ich es immer wieder rekonstruieren, dass mein Insulin nicht wirkt, wenn ich es über die Pumpe abgebe. Dabei gebe ich jedoch nur dann Insulin mit dem Pen, wenn ich Boli habe, die grösser als 8-10 I.E. sind. Ich denke die zusätzlichen Injektionen kann man gut in Kauf nehmen, wenn der Blutzuckerverlauf dadurch besser wird.

    Viele Grüße

    Volker

    1. Hallo Volker,
      mittlerweile denke ich auch, dass es bei mir an den Spritzstellen lag. Gemeinsam mit meiner LowCarb Ernährung, läuft alles momentan ziemlich gut. Mein Artikel zu den Spritzstellen wird auch bald veröffentlicht. Der Diabetes ist doch eine Krankheit mit vielen Baustellen. Dann wird es uns wenigstens nie langweilig, oder 🙂 Einen schönen Sommer euch allen!

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