Schüleraustausch mit Diabetes, Teil 2

Zwei Jahre nach ihrer Typ-1-Diabetes-Diagnose hat Sharon sich getraut, an einem Schüleraustausch teilzunehmen. Sie erzählt, welche Vorbereitungen dazugehörten und wie sie die ersten Tage in Ungarn erlebte.

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Lang erseht, kommt nun endlich die Fortsetzung bezüglich meines Schüleraustausches!

Im letzten Beitrag habe ich euch von allen theoretischen Absprachen berichtet. Als diese soweit wie möglich geklärt waren, ging es erstmal zu einer Vorbereitungstagung in Schleswig-Holstein. Diese ging 6 Tage und für diese Tage brauchte ich erstaunlich viel Gepäck. Diabetiker und Frau – blöde Kombi. Also wurde es ein ganzer Koffer für Kleidung (oh ja, der Koffer war groß) und eine Sporttasche für Diabeteszubehör. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich erst 2 Jahre Diabetes, somit war es (bis auf Klassenreise) meine erste wirkliche Reise. Zumindest die erste mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Heute staune ich darüber, dass ich mich dann getraut habe, ein Jahr im Ausland zu leben. Bei einer wildfremden Familie. In einem Land, in dem keiner meine Sprache spricht (dachte ich). Dementsprechend ungeübt war ich im „Diabetes-Packen“. Ich habe einfach ganz viele Packungen Katheter, mindestens zwei Pens, ganz viele Kanülen, ganz, ganz viele Teststreifen und natürlich Insulin und viel zu viel Desinfektionsmittel mitgenommen. Ich wollte eben auf Nummer sicher gehen. In diesen Tagen gab es zum Glück keinerlei Einschränkungen bezüglich des Diabetes, auch Sorgen habe ich mir keine großartig gemacht. Nur einmal… Da habe ich mich doch für einen Moment als Außenseiter gefühlt, weil ich Diabetes habe. Doch dank guter Freunde am Telefon verging dieser Moment dann doch wieder ganz schnell.

Quelle: privat

Nach 3 Tagen musste die Vorbereitungstagung abgebrochen werden, da ein Magendarm-Virus herumging. Auch da hatte ich erst heute realisiert, wie viel Glück ich hatte, mich nicht angesteckt zu haben. Ich denke, das wäre keine schöne Zugfahrt geworden.

Die letzten Vorbereitungen

Zuhause angekommen, vergingen Wochen und die Vorfreude stieg. Mein tolles und einfach atemberaubendes Team hat sich darum gekümmert, dass meine Krankenkasse einen ganzen Jahresvorrat an Diabetikerzubehör bezahlt. Ich frage mich bis heute – wie?! Als die ganzen Produkte angekommen waren, wusste ich nicht, wohin mit den ganzen Kartons. Und auf einmal hatte ich Insulin im Wert von über 3000€ im Kühlschrank liegen. Ich habe mich gefühlt wie ein Millionär. Natürlich entstand so die Frage: Wie zur Hölle bekomme ich das alles nach Ungarn? Mit einem Flieger? Zuzüglich Sommer- und Winterkleidung?

Man muss dazu sagen, dass die Organisation verbietet, dass wir in dieser Zeit Familie und Freunde besuchen. Denn die Gefahr, Heimweh zu bekommen, ist anscheinend zu groß. Aber letztendlich blieb uns keine andere Möglichkeit übrig, als dass meine Eltern mir meine Kleidung nach Ungarn fahren und ich die wichtigsten Diabetesutensilien mit dem Flugzeug transportiere – Safety first.

Der Koffer war gekauft, alles war vorbereitet. Fast alles. Denn ich wusste noch immer nicht, wohin es geht. Damit war mein Diabetologe nicht sonderlich glücklich, denn er wollte mir ja einen guten Arzt heraussuchen.

Der erste Kontakt zur Gastfamilie

Wenige Wochen später kam dann jedoch der lang ersehnte Brief: ein Foto und Informationen von meiner Gastfamilie. Wir haben uns anschließend auf Facebook geschrieben und ich war sehr optimistisch. Denn zwei meiner drei Gastgeschwister waren Frühchen und hatten somit eine Entwicklungsstörung und körperliche Behinderungen. O.k., das klang jetzt eventuell seltsam. Aber ich dachte, dass dann meine Gastfamilie sicherlich kein Problem mit meinem Diabetes haben wird.

Circa einen Monat später ging es dann auch endlich los. Nach über einem Jahr warten. Überraschenderweise war ich – als weibliche Person und Diabetikerin – diejenige mit dem kleinsten Koffer am Flughafen.  Ich hoffe, das war nicht allzu auffällig?

Es war mein erster Flug, nur eine Stunde, und mit dem Blutzucker ging alles gut. Bei der Kontrolle hat es kein Schwein interessiert, dass ich Diabetes habe, und dementsprechend entspannt verlief der Tag.

Endlich in Ungarn

In Ungarn angekommen, sind wir erst einmal zu einer Art Camp gefahren. Dort sollten wir die gängigsten Wörter und Sitten des Landes kennen lernen. Leider musste ich mich zwischendurch hinlegen, da es einfach viel zu warm und mein Blutzucker viel zu hoch war. Ergo: Ich war verdammt müde.

Nach einer Woche hat meine Gastfamilie mich abgeholt. Sie wussten natürlich schon von meinem Diabetes und hatten augenscheinlich keine Probleme damit. Meine Utensilien konnte ich in meinem Kleiderschrank verstauen. Dieser stand in meinem eigenen Zimmer. Ich weiß bis heute nicht, wozu ich ein eigenes Zimmer hatte. Denn es ist trotzdem immer jemand eingetreten.

Zwei Wochen hatte ich noch Ferien. Vieles war ungewohnt, aber wir kamen miteinander klar. Und auch kam mein Blutzucker mit dem Essen klar. Jedoch konnte ich meine Portionen nicht wie gewohnt abwiegen. Was ich eigentlich zuhause immer mache. Denn dafür war ich beim Kochen einfach viel zu planlos. Aber es hat funktioniert.

Dann ging es endlich in die Schule. Sie war atemberaubend. Nicht die Schule selber. Aber die Menschen dort! Ich habe noch nie in meinem Leben so herzliche, hilfsbereite und freundliche Menschen kennen gelernt. Und das durchgehend. Noch heute – 3 Jahre später – bin ich so unfassbar begeistert von den Menschen dort.

Wie es dann aber zu einem vorzeitigen Ende des Ganzen kam, erzähle ich euch schon bald.

 


Steffi hat ebenfalls mit ihrem Diabetes Zeit im Ausland verbracht: AUSLANDSSTUDIUM MIT DIABETES? Da!

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