Kampagne „A World Without 1“ | Update

Mit „A World Without 1“ startet die wohl größte deutschsprachige Aufklärungskampagne zum Thema Typ-1-Diabetes. Sie soll nicht nur Aufmerksamkeit schaffen, sondern auch Menschen für die Forschung begeistern.

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Update vom 25.01.2019

Die Kampagne von A World Without 1 hat innerhalb von 24 Stunden einen wahren „Sh1tstorm“ nicht nur in den Sozialen Medien ausgelöst: Viele Menschen mit Diabetes haben sich angegriffen gefühlt. Die Macher der Kampagne haben sofort reagiert:

Quelle: A World Without 1

In Anbetracht der Kritik, aber auch vieler guter Diskussionen und Kommentare wird hiermit auch die Selfie-Challenge von #dedoc° und  einigen Mitgliedern der Blood Sugar Lounge umgewidmet: Lasst uns die Energie der Community nutzen, um den Sh1tstorm in etwas Pos1types zu verwandeln! Denn ob beabsichtigt oder nicht, eines steht fest: Es ist schon lange nicht mehr so intensiv über das Thema Typ-1-Diabetes diskutiert und gestritten worden. Doch im Moment erzeugt der Ärger über die Aktion (Stichwort: #sche1sskampagne) eine gefährlich negative (Eigen-)Dynamik rund um Typ-1-Diabetes – und das kann nun wirklich in niemandes Interesse sein.

Bitte nutzt daher ab sofort den Hashtag #aww1 (oder #aworldwithout1), um den Machern der Kampagne zu zeigen, dass es auch #pos1typ geht! Wir sammeln Vorschläge für alternative Slogans, eine neue Typ-1-Kampagne und jede andere Art von konstruktiver (!) Kritik, die uns jetzt weiterbringt. Danke.


 

[Dieser Beitrag enthält unbeauftragte Markennennung der Aktion „A World Without One“ des Instituts für Diabetes am Helmholtz Zentrum München u.a.]

Schon gesehen? Seit heute hängen in Berlin, Dresden, Hannover und München mehr als 1.500 große, weiße Plakate, auf denen nur ein einziges Wort prangt:

Quelle: A World Without 1

Dazu kommen hunderte Infoscreens in ganz Deutschland.* Sie sind Teil der bisher wohl größten deutschen Aufklärungskampagne zum Thema Typ-1-Diabetes:

Quelle: A World Without 1

Hinter „A World Without 1“ steht u.a. das Institut für Diabetesforschung am Helmholtz Zentrum in München unter der Leitung von Prof. Dr. Anette-Gabriele Ziegler. Zusammen mit Kollegen aus Dresden und Hannover sowie internationalen Forschern der Global Platform for the Prevention of Autoimmune Diabetes (GPPAD) hat sie innovative Ansätze zu Früherkennung und Prävention von Typ-1-Diabetes bei Kindern erforscht und leitet verschiedene Studien dazu. Bei der heutigen Pressekonferenz zum Launch der Kampagne sagte sie: „Wir wollen zeigen, dass wir als Wissenschaftler gegen den Sche1sstyp Typ-1-Diabetes kämpfen, und was es bedeutet, wenn ein Kind Typ-1-Diabetes hat. Und wir möchten über die Möglichkeiten der Studienteilnahme informieren.“

Die Sche1sstyp-Selfie-Challenge

Die Kampagne des Instituts ist in drei Phasen aufgeteilt. Mit den „Sche1sstyp“-Plakaten der ersten Phase soll zunächst größtmögliche Aufmerksamkeit für das Thema Typ-1-Diabetes generiert werdenund hier kommst Du ins Spiel! #dedoc° und die Blood Sugar Lounge rufen hiermit zur großen Sche1sstyp-Selfie-Challenge auf! Wenn Du an einem Sche1sstyp-Plakat oder einem Infoscreen vorbeikommst, mach ein Selfie, sag uns, wo Du es aufgenommen hast, denk Dir einen witzigen „Sche1sstyp-Spruch“ aus und poste ihn mit Hashtag #aww1 (oder #sche1sstyp oder #aworldwithout1) und #selfiechallenge auf Facebook, Twitter oder Instagram. Mit Deinem Selfie gibst Du Typ-1-Diabetes ein Gesicht. Wir sammeln alle Bilder für eine große Collage, um die Diabetes-Community in ihrer ganzen Vielfalt darzustellen. Mitte Februar stellen wir dann die lustigsten Sche1sstyp-Sprüche zur Abstimmung – den drei Favoriten winken tolle Preise von „A World Without 1“!

Quelle: Bastian Hauck

Dein Selfie hilft!

Im Februar und März geht es mit den Phasen zwei und drei der Kampagne weiter – dann wird es konkret: Im Rahmen der Freder1k-Studie können Neugeborene an einem Screening teilnehmen, das die genetische Veranlagung für Typ-1-Diabetes untersucht. Mehr als 58.000 Neugeborene haben dieses Screening bereits durchlaufen! Die POInT-Studie versucht dann, die Zerstörung der insulinproduzierenden Zellen bei Kindern mit erhöhtem Risiko zu verhindern – für eine Welt ohne Typ-1-Diabetes. „Damit unsere Forschung erfolgreich sein kann, benötigen wir Menschen, die sie unterstützen“, so Prof. Ziegler. Und Prof. Dr. Otmar D. Wiestler, Präsident der Helmholtz-Gemeinschaft, ergänzt: „Ich hoffe, dass viele Familien motiviert werden, an den Screening-Studien teilzunehmen, um Kindern, Jugendlichen und Familien Lebensqualität zu schenken.“ Insbesondere Eltern, die bisher wenig über das Diabetes-Risiko ihrer Kinder nachgedacht haben, sollen für diese Studien sensibilisiert werden und Dein Selfie kann dabei helfen. Mach mit!

*) Sche1sstyp-Infoscreens findest Du in Berlin, Bielefeld, Bochum, Bremen, Dortmund, Dresden, Düsseldorf, Essen, Frankfurt am Main, Gelsenkirchen, Halle (Saale), Hamburg, Hannover, Köln, Leipzig, München, Nürnberg und Stuttgart.

16 Kommentare zu “Kampagne „A World Without 1“ | Update

  1. Hallo!
    Ich finde den Einsatz, die Aktion und alles was damit verbunden ist super!! Da ich selbst seit meinem 15. Lebensjahr an Diabetes Typ1 LEIDE, bin ich sehr froh über jede Forschung und der eventuellen „Heilung“, Vermeidung, … wie auch immer.
    Wahrscheinlich bin ich mit folgender Info nicht wirklich an der richtigen Stelle, möchte sie aber trotzdem los werden um einen möglicher Weise neuen Ansatz zu geben.
    Seit 1994 ist bei mir Diabetes diagnostiziert, seit dem muss ich Insulin spritzen. 2012 hab ich mit 33 Jahren, mein 3. Kind bekommen (per Kaiserschnitt) -> nach dieser Geburt brauchte ich 4 Tage ABSOLUT KEIN INSULIN!! (Im Krankenhaus erhielt ich normale Kost, durfte 2 Tage nicht aufstehen wegen des Schnittes.) Es konnte sich keiner erklären, mich würde es brennend interessieren wie soetwas möglich ist.

    1. Ach, du bist also auch so ein Scheißtyp mit Zucker und misst deinen BZ in der Öffentlichkeit und gibst dir vielleicht noch öffentlich mit dem Pen Insilin, du Penner.

      Ich bin Insuliner und Pumpi – das ist doch viel besser, oder?

  2. Ich finde es wahnsinnig wichtig, Menschen wegen Diabetes Typ 1 aufzuklären! Damit vor allem Kinder die nichts dafür können nicht mehr ausgegrenzt werden. Denn die Angst der unwissenden ist leider größer als die Neugier. Ich selber bin Typ1 seid meiner 2ten Schwangerschaft in ’09.Mein damals geborener Sohn hat es leider dann mit 4 auch bekommen. Er geht in die 4 Klasse und es gab unglaublich viele Probleme bis jetzt zu meistern einfach weil die Menschen nicht richtig aufgeklärt wurden. Bei einer Schulung gab es sogar die Frage: „Ist das ansteckend wieHIV? Weil es ja auch von einem Virus Ausgelöst wird?“ oder „“ das ist bestimmt ansteckend ich will damit nichts zu tun haben! “ ich freue mich über jede Aufklärung!

  3. Ich finde diese Aktion einfach empörend ! Die Unterschiede der Typen sind in der Öffentlich kaum bekannt und das Interesse dafür nicht vorhanden. Diese Aktion stellt es so dar , daß Einser Scheißtypen sind. Schönen Dank auch ! Gibt es noch nicht genug Diffamierungen ? Haben wir noch nicht Probleme bei der Suche nach einem Kindergarten ,einer passenden Schule , der Suche nach einer Lehrstelle ? Alle die uns schon immer mit Vorbehalten begegenet sind bekommen jetzt recht. Das Kleingedruckte wird niemand lesen. Da steht ja Scheißtyp , das reicht. Welches kranke Hirn hat sich das ausgedacht ? Ich finde ,das muß sofort gestoppt werden. Ich erlaube jedenfalls niemandem mich Scheißtyp zu nennen. Ich bin fassungslos !

    1. Ja, das kann ich als Diabetologin nur voll und ganz unterstützen! Eine derartige Diffamierung, ja Diskriminierung sollte sich für Wissenschaftler verbieten. Gegen die Aktion per se – also Aufmerksamkeit zu erzeugen, ist grundsätzlich nichts einzuwenden, aber nicht zu diesem Preis. Wissenschaftler sollten sich nicht von Marketing-Experten einkaufen lassen!!! Hoffe auf einen Kurswechsel!

    2. Auch wir als Kinderdiabetesteam sind schockiert. Wie sich wohl ein Jugendlicher fühlt, der täglich mit seinem Diabetes-Frust kämpft muss und aus dem „aufbauenden“ Gespräch aus der Sprechstunde direkt an dem Plakat vorbeikommt? Mit dem vielzitierten Empowerment hat das nichts zu tun. Wir hätten uns vielmehr die Aufforderung zur Achtsamkeit und wirklichen Inklusion dieser Kinder (und natürlich Erwachsenen) gewünscht -aber darüber wissen die Forscher vielleicht gar nicht so viel? Dort wäre auch das Geld gut untergebracht gewesen – Schulung für Betreuer, Lehrer, Einzelfallhelfer, Jugendämter, Psychodiabetologen …. dann gern mit entsprechender Kampagne auch an die Politik.
      Hochachtung vor all den Familien, die es schaffen, gemeinsam ein Leben mit Diabetes zu meistern trotz der vielen notwendigen Kämpfe! Und Dank an die, die bisher soviel Fortschritt in Diabetestherapie und -Technik erdacht haben.

  4. Ich habe mich über die Kampagne gefreut, denn als Mutter ein es Kindes mit Typ 1 D habe ich schon mehr als einmal „Scheisstyp“ gedacht und damit sicher nicht mein Kind gemeint.
    Was die Kampagne nun soll, war mir bis zum Lesen des Artikels bzw. der Erklärung nicht klar, aber ich finde gut, dass das Thema öffentlicher wird und klar wird, dass es jeden treffen kann. Der Aufruf zum Screening ist sicher sinnvoll, wenn die Chance besteht, Präventivmaßnahmen zu finden!

  5. Bin heute zufällig über ein Plakat mit dem Slogan ´Sche1sstyp´ an einer U-Bahnstation in München gestolpert. Als ich darunter gelesen habe, dass es um Typ-1-Diabetes geht, wusste ich sofort was mit diesem Wort gemeint war. Denn mein Mann, der erst im Erwachsenenalter an Typ 1 Diabetes erkrankt ist und eigentlich recht gut damit klar kommt, hat seine Erkrankung in der Vergangenheit bereits mehr als einmal als ´Scheisstyp´ bezeichnet. Für Betroffene ist der Slogan, denke ich, nachvollziebarer als für Unbeteiligte. Daher – witzige Idee aber sicher nicht für jeden geeignet.

  6. Man sollte sich gerade als Wissenschaftler überlegen, welche Worte man für eine Kampagne wählt. Das S-Wort ist aus meiner Sicht absolut kontraproduktiv. Unter dem Deckmantel der Wissenschaft eine derartige Wortwahl zu verbergen ist mehr als traurig. Es wäre wichtig, in der Öffentlichkeit zu einer Akzeptanz der Stoffwechselstörung beizutragen und nicht um jeden Preis Aufmerksamkeit auf eine Kampagne zu lenken. Als Diabetologin habe ich von meinen Typ-1-Patienten diesbezüglich negatives Feedback erhalten. Hoffe auf einen Kurswechsel.

  7. Als SCHE1SSTYP fühle ich mich ziemlich diffamiert! Natürlich wäre es schön, wenn der Typ-1-Diabetes ausstürbe, aber nur weil es vor 56 Jahren noch nichts gab außer Insulinspritzen und der Angst meiner Mutter, daß ich nicht alt und es meine gerade mal vier Monate alte Schwester auch irgendwann erwischt, bin ich noch lange kein SCHE1SSTYP! Zudem bezweifle ich, daß selbst meine Schwester das Plakat verstünde…

    Ich habe gerade den Test mit meinem Mann gemacht, der immerhin seit 30 Jahren mit einer Typ-1erin verbandelt ist, und ihm das obige Foto von Bastian Hauck gezeigt. Ihm war überhaupt nicht klar, um was es geht!

    Hoffentlich verschwindet das Plakat ganz schnell in der Mottenkiste!

  8. Ich finde die Kampagne grundsätzlich gut, da die Öffentlichkeit auf Typ 1 sensibilisiert wird. Vielleicht gelingt es auch endlich mal die Differenzierung von Typ 1 und Typ 2 der allgemeinen Öffentlichkeit klar zu machen. Sehr schade finde ich allerdings, dass alle verfügbaren EU Gelder lediglich in die Prävention von Typ 1 gesteckt werden, um letztendlich einen Impfstoff zu entwickeln. Die Betroffenen und die Weiterentwicklung der Forschung hinsichtlich Heilungsmoglichkeiten dieser Erkrankung kommt hier leider zu kurz. Mag wohl am Einfluss der Pharmaindustrie in diesem Land liegen.

  9. Die Werbe-Fachleute haben hier nur an sich gedacht, dass sich Mediziner und Wissenschaftler
    dazu hinreißen ließen, ist für mich sehr fragwürdig. Mit einer so primitiven Wortwahl die
    Aufmerksamkeit der Bevölkerung zu gewinnen ist einfach schwach!
    Ich bin seit 66 Jahren Diabetiker und habe keine Diskriminierung, weder im privaten noch im Berufsleben erfahren!

  10. Man bekommt ja nicht alles mit, was so in der Welt passiert. Von dieser Aktion erfahre ich jetzt in diesem Rahmen. Jeder meint für jedes Thema oder Situation seinen Senf dazugeben zu müssen. Ist ja schön über soviel Meinungsvielfalt, aber manchmal halt nur zum kopfschütteln. Nach mehr als 30Jahres Typ 1 Diabetes, hört man immernoch die gleichen Phasen, ich weiss nicht wer da nichts dazugelernt hat. Es hat sich gewaltig viel verändert und meist zum Vorteil der Diabetiker. Da ich mit diesem Handycap leben muss und auch tue, nur noch soviel: Take it easy zu deutsch nimms leicht! auch mit Diabetes kann man gut leben und alt werden.
    P.S. ich bin 68Jahre alt und habe keine nennenwerte Krankheiten die auf den Diabetes zurück zuführen wären.

  11. Alles was zur Aufklärung beiträgt sehe ich als Fortschritt an, auch wenn die Formulierung je nach Sichtweise als provokant betrachtet werden kann. Aber als Betroffener T1p weiß man doch dass die Krankheit gemeint ist!;-) Aufklärung macht unseren ständigen Begleiter in meinen Augen salonfähiger!

  12. Ich denke die meisten Typ1ler verstehen das Plakat, aber ich denke doch eher das es Unwissende, nicht betroffenen Menschen ansprechen soll und dafür ist es nicht eindeutig bzw . ansprechend genug. Das Kleingedruckte geht unter wie so vieles was mit diesem Typ 1 zusammenhängt.

    Neben Forschung, Prävention muss die Aufklärung her. Kinder mit Diabetes Typ 1 erfahren immer häufiger und stärker Ausgrenzung, Diskriminierung – Eltern müssen kämpfen um alltägliche Dinge wie den Besuch der Kita oder der Schule. Sie müssen sich ständig erklären gegenüber Ämtern, Schulen, Gerichten etc.. Es müssen klare, eindeutige aber individuelle Ansagen her was Betreuung, Schulungen für Kinder, Betreuer und Versorgung etc. betrifft. Viele Eltern kommen an ihre Grenzen durch die Diagnose. Und auch Kinder mit Diabetes Typ 1 sollten noch Kind sein dürfen….

    Vielleicht sollte was mit Kindern, Jugendlichen zusammen entstehen….

    Ich habe seit 1978 Diabetes Typ 1 und meine Tochter seit 2012…. und trotz meiner Vorkenntnisse und allem – es ist ein Kampf um alles.

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