Dating mit oder „mit ohne“ Diabetes

Olli hat mal wieder ihr persönliches Erfahrungsbuch aufgeschlagen, um euch aus diesem zu berichten. Ihr heutiges Thema dreht sich um das Treffen neuer, teils unbekannter Menschen. Anhand von Dates. Ihren Diabetes hat sie dabei stets im Gepäck, doch sie erzählt nicht jedem direkt von der Erkrankung. Warum? Das könnt ihr in diesem Beitrag nachlesen!

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Ich bin sowohl privat als auch hier in der Lounge dafür bekannt, selten Dinge nicht zu thematisieren. Kurzum: Ich nehme kein Blatt vor den Mund und meine Hemmschwelle zur Peinlichkeit liegt schon sehr weit unten. Das hat aber alles natürlich nichts mit meinem Diabetes zu tun, sondern mit meinem Naturell. Demnach geht es heute um ein mehr oder minder pikantes Thema, mit welchem sich der eine oder die andere von euch sicher schon einmal beschäftigt hat. Oder sich damit vielleicht noch beschäftigen möchte. Wer weiß schon, was die Zukunft bringt!

Quelle: Olli Peters

So schreibe ich heute mal wieder ein wenig aus dem Nähkästchen, um euch so möglicherweise vorhandene Unsicherheit zu nehmen, in der Thematik: Dating mit/ohne Diabetes. Denn egal ob mit oder „mit ohne“ Diabetes, Dates und Dating sind ’ne spannende Geschichte.


Verheimlichen des Diabetes oder nicht?

Vorweg: Ich habe seit 15 Jahren (Stand 2020) Diabetes Typ 1. Auf die Frage, „wie es mir geht“ und was es so über mich zu erzählen gibt, antworte ich stets mit „gut“ und „also letztens, da war ich wieder mit meinem Hund unterwegs und dann hat der Quatschkopf …“. Ihr versteht vielleicht bereits, was ich mit diesem Beispiel eines möglichen Anfangs eines Gesprächs darstellen möchte … 

Nämlich, dass mein Diabetes die letzte Geige spielt in Gesprächen über mein allgemeines Wohlbefinden. Selbstverständlich nicht privat und in Bezug darauf, ihn im Blick zu haben und mich zu kümmern, aber generell komme und käme ich nie auf die Idee, über meinen Diabetes zu erzählen. Zumindest nicht allzu schnell und als Erstes oder als „Opener“.

Das hat absolut nichts mit Verheimlichen zu tun und auch nicht mit der Dauer der Jahre, welche ich diese Krankheit bereits habe. Dieselbe Antwort, wie oben beschrieben, hätte man von mir auch schon nach 6 Monaten Diabetes-Erkrankung erhalten. Eben weil ich mich einfach nicht über die Krankheit identifiziere. (Mal ganz davon abgesehen, dass ich mit süßen 11 Jahren, zu Beginn meiner Diabetes-Story, definitiv noch nicht auf dem Dating-Markt unterwegs war, haha.)

Ich bin aber dennoch und auch heutzutage so viel mehr als Traubenzucker, Insulin, Pumpe, Katheter, „Hypos“ und „Hypers“. Und ich finde, das ist auch absolut gut so, und ich wünsche es jedem, dass man sich nicht über seinen Diabetes identifiziert. Dass diese Krankheit einen NICHT ausmacht. Denn ihr, wir und auch ich sind doch alle so viel mehr wunderbare Persönlichkeiten, die es zu entdecken und zu erzählen gibt, neben unserem gemeinsamen Nenner, dem Diabetes. 🙂

Quelle: Screenshot Tinder-Chat Olli Peters (blau hinterlegte Schrift), Textpartner: anonym


How to date: mit Diabetes!

Zurück zum Hauptthema „Dating mit/ohne Diabetes“. Nun ja, wie der Titel schon vermuten lässt: Ich date, bzw. habe gedatet. Menschen selbstverständlich. Das war spannend, lustig, manchmal etwas verstörend, aber viel zu oft echt spaßig. Kann ich jedem nur empfehlen, der sich nicht ganz sicher ist, ob er sich denn nun einmal mit anderen, neuen, mehr oder minder unbekannten Menschen treffen soll oder auch nicht. Von mir ein klares „go for it“! Natürlich nur unter den bekannten Voraussetzungen: neutraler Ort, ihr solltet den Menschen etwas kennen, gebt einem Backup-Kontakt Bescheid, dass ihr euch mit XYZ trefft. Sicher ist sicher und Sicherheit ist nie verkehrt.


Erzählen vor dem ersten Date? Nein.

Von Freunden bekomme ich nach einem Date oft die Frage: „Und was sagt er zum Diabetes?“, oder „Weiß er davon? Wie hast Du es gesagt? Schon vor dem ersten Date?“.

Nein. Auf alle Fragen: Nein.

Also, erstmal ist meine Diabetes-Erkrankung keine Krankheit, die mich (hoffentlich) in absehbarer Zeit mein Leben kosten wird. Demnach hoffe ich natürlich auch, dass meine Lebenserwartung ähnlich positiv und lang ausfallen wird wie bei Menschen ohne Diabetes. Auch wenn Statistiken dies vielleicht ein wenig anders vermuten lassen. Aus meiner Sicht rennt mir dennoch nicht schneller die Zeit davon. Des Weiteren ist mein Diabetes kein Kind, welches man – wenn vorhanden – definitiv vor einem ersten Treffen erwähnen sollte. Nicht, weil es ein „Ausschlusskriterium“ ist, sondern viel eher ein spannender Nebeneffekt, aber eben auch ein Mensch, der fester Bestandteil des Lebens einer Person ist. Meinen Hund zum Beispiel erwähne ich auch. Nachher hat noch jemand ’ne Allergie, na danke… Hätten wir uns das Treffen auch sparen können.
Auch sonst habe ich natürlich schon öfter mit dem Gedanken gespielt, es einfach „direkt“ zu sagen/schreiben. Aber für mich persönlich ist dies weiterhin keine Option.

Warum nicht?

Erstens bin ich jemand, der sensiblere Themen gerne persönlich bespricht und nicht als stumpfe Sprach- oder Textnachricht an jemanden übermittelt. Mit „jemandem“ meine ich eine Person, welche ich sehr wahrscheinlich noch nicht einmal ansatzweise kenne. Zumal ich natürlich niemanden verschrecken möchte. Und auch das „Verschrecken“ meine ich in keinster Weise negativ. Aber wie wir alle wissen, Diabetes ist besch… und ein Großteil der Bevölkerung tappt in diesem Gebiet noch völlig im Dunkeln.

Leider.


Über altbekannte Sprüche und die Beantwortung dieser!

Wer kennt sie nicht, diese Sprüche à la „Oh, warst du mal dick?“, „Hast du dann zu viel Zucker gegessen?“, „Meine Oma hatte das, aber die ist jetzt schon lange tot.“, und der Klassiker „Darfst du DAS überhaupt essen?“.

Wow, wie mich diese Sprüche schon grundsätzlich aufregen und das nur, weil ein riesiger Teil unserer Mitmenschen einfach keinen blassen Schimmer hat. Was schade ist, denn Aufklärung ist einfach und die Mehrheit freut sich darüber, endlich den Unterschied zu kennen. Den Unterschied zwischen dem Mythos „Zuckerkrankheit“ und der Vielfalt einer Diabetes-Erkrankung. Quasi so, als würde man jemandem die Antwort auf eine knifflige „Wer wird Millionär“-Frage schon vorab verraten. Und zack! – schon läuft der Mensch mit mehr Wissen durch die Gegend und freut sich über das Wissen der „Wahrheit“, vergleichbar mit der Antwort auf die knifflige Frage. Diese Person ist also ab diesem Zeitpunkt nicht nur eine Wahrheit schlauer, sondern auch noch im Vorteil seinen Mitmenschen gegenüber, die weiterhin im Dunkeln tapsen.

Ich möchte aber bei einem potentiellen Date niemanden aufklären, ist logisch. Außer, der Mensch hat da wirklich ein Riesen-Interesse dran, dann na klar, los geht’s mit der Aufklärungsarbeit. In Bezug auf die Erkrankung Diabetes, logo. 😉 An was denkt dachtet ihr denn sonst?!


Ich bin doch so viel mehr als „das“.

Zudem geht es ja beim Dating nicht darum, „Krankheits-Bingo“ zu spielen und den passenden Arzt zu der Krankheit zu finden, sondern darum, sich kennenzulernen. Auf welche Art und Weise auch immer. Das ist jedem selbst überlassen. Und somit wären wir wieder bei meinen Anfangs-Worten „ich bin mehr als meine Krankheit, viel mehr als mein Diabetes“.

Ich bin ja immer noch ich, Olli. Eine Person mit Beruf, Hobbys, wilden Erlebnissen, Humor, ’nem Hund und einer Vorliebe für Sonne, Strand und Meer. All das muss ja erst einmal besprochen werden. Und das dauert …
Aber wann erwähne ich denn jetzt überhaupt meinen Diabetes? – das fragt ihr euch sicherlich. Zu Recht! Die Antwort ist simpel: nie.

Nein, Spaß!

Meistens beim ersten/zweiten Date. Früher oder später misst man dann ja doch mal seinen Blutzucker oder scannt seinen Sensor. Die Pumpe piept oder (zum Beispiel im Sommer) der Sensor, Katheter etc. sind generell sichtbar(er). Dann raus damit, also mit der Sache über den Diabetes. Aber nicht lang drumherum schnacken ist meine Devise. Nichts schönreden und nichts schlechtreden. Und auf gar keinen Fall rechtfertigen. Niemals! Wieso auch? Schließlich haben wir uns das alle ja nicht ausgesucht und es ändert nichts daran, wer wir als Mensch und charakterliche Typen so sind.
Und eins kann ich euch verraten: In den allerwenigsten Fällen wird euer Date sagen: „Ach du grüne Neue, von welchem Planet kommst du denn?“

Die meisten sind sogar recht interessiert oder akzeptieren es schlichtweg, so wie wir es auch sollten, denn es ist „nur“ Diabetes. Es ist fester Bestandteil unseres Lebens, aber es ändert nichts an dem, was ihr und wir für charakterliche, tolle Menschen sind.

Quelle: Screenshot Tinder-Chat Olli Peters (blau hinterlegte Schrift), Textpartner: anonym


Happy Dating – du bist gut so, wie du bist!

Und für alle, die damit nicht klarkommen, also alle Dating Partner-/innen, die ihr so trefft, treffen werdet oder wollt, gilt stets der Grundsatz: Ciao Kakao, er/sie/es sollte es dann sowieso nicht sein.

Denn wer euch nicht mag, wie ihr seid, hat keinen Platz an eurer Seite, in eurem Leben oder eurem Bett verdient.

Demnach – happy Dating, traut euch, geht raus, trefft euch und versteckt euch nicht. Ihr seid super, Dating macht (oft) Spaß und ihr seid genauso gut wie jeder andere Mensch, egal ob mit oder „mit ohne“ Diabetes! ♥


Mehr Dating-Storys gefällig? Lest Katharinas Online-Dating-Erfahrungen: TROTZ Diabetes – falsche Formulierungen und falsche Menschen

Ein Kommentar zu “Dating mit oder „mit ohne“ Diabetes

  1. Hallo Olli,
    ich bin 53 Jahre alt und bin seit 32 Jahren Typ1 und ich handhabe das ähnlich wie du. Es gibt viele Bekannte und Freundeskreis , die längere Zeit nichts von meinem Diabetes wussten. Wozu auch ? Irgendwann ergibt sich es dann meist eine Situation , wo das Gespräch darauf kommt. Meist dann, wenn man beim Essen ist und ich den Bolus abgebe, oder weil entweder die Omnipod piept oder der Dexcom. Wenn Fragen kommen werden die kurz beantwortet und erklärt und gut ist. Es gibt 2 Ausnahmen : Am Arbeitsplatz , da sagte ich den Kollegen Bescheid und in der Sportgruppe .

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