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Das nervt!

Keine Frage: Wenn wir als Diabetiker hierzulande und in der heutigen Zeit jammern, tun wir das auf hohem Niveau. Trotzdem: Susanne macht sich Luft – ihre Top 10 der nervigsten Situationen mit Diabetes.

Vorneweg: Ich bin kein Jammertyp. Im Gegenteil, mein Motto lautet: Wo ein Wille, da ein Weg. Und seien wir doch mal ehrlich – verglichen mit so vielen anderen Orten auf der Welt sind wir in einer privilegierten Lage. Wir haben Zugang zu Medikamenten, Ärzten, Wissen. Und auch die Zeit arbeitet für uns und bringt immer neue technische Innovationen mit sich.

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Doch hin und wieder nervt er trotzdem einfach, der Diabetes. Hier meine Top 10 der nervigsten Situationen, die per se überhaupt nicht dramatisch sind. Aber eben manchmal nerven. Die Luft, die ich mir hier mache, würde ich mir übrigens nie meinem sozialen Umfeld gegenüber machen (wie gesagt: Bin kein Jammertyp – und die anderen können ja auch nichts dafür!) – das mache ich nur hier, denn ihr erkennt sicher die eine oder andere Situation wieder, oder!?

  1. Schlechtes Timing: Man muss los, ist verabredet, vielleicht schon spät dran. Und dann? ALARM! Der Omnipod streikt und nervt mit einem Dauerton – oder wahlweise nennt der FreeStyle Libre statt eines Zuckerwerts beim letzten Check vor Verlassen der Wohnung unerwartet: „Sensor ersetzen“.
  2. Zäher Geduldsfaden: Bei nächster Gelegenheit will man sein defektes Equipment reklamieren – und landet, wenn es schlecht läuft, 10 Minuten lang in der Warteschleife der Hersteller-Hotline. Dann noch geduldig alle Fragen beantworten: Ja, ich habe die Stelle vor dem Anlegen desinfiziert. Ja, das Insulin hatte Zimmertemperatur. Die Seriennummer? Klar, gerne.
  3. Talfahrten: Unterzuckerungen gehören zum Diabetes-Alltag und treten daher auch mal in unpassenden Situationen auf – nervig: mitten in einer wichtigen Konferenz, in einer Bandprobe, beim Sex …
  4. Selbst schuld: Als Diabetiker hat man immer Traubenzucker dabei. Das stimmt – in der Theorie. Trotzdem passiert es mir hin und wieder, dass ich bei einer Unterzuckerung nur noch leere Verpackungen und keinen Traubenzucker mehr in der Jackentasche finde. Grmpf.
  5. Toleranz üben: Wenn ich in meiner Apotheke mein Insulin in Durchstechampullen abhole (nicht zum ersten Mal, wohlgemerkt) und gefragt werde: „Wissen Sie, wie Sie das einnehmen sollen? Sie sollen das spritzen“, dann muss ich nach 15 Jahren Diabetes innerlich tief durchatmen, um ein patziges „Ach, nee – echt?“ zu unterdrücken. Ich weiß, die meinen es ja nur nett.
  6. Bin ich ein Einhorn?: Checkup beim Allgemeinarzt, der meine Insulinpumpe entdeckt, interessiert nachfragt und dann „fachmännisch“ urteilt: „Was es mittlerweile nicht alles gibt!“ (Wann das war? Im Jahr 2016!)
  7. Frage der Disziplin: Wer kennt es nicht? Zähneputzen und auf dem Weg ins Bett nochmal kurz den Blutzucker checken … Unterzucker! Also schnelle Kohlenhydrate nachlegen. Und dann entscheiden, wer stärker ist: die Disziplin, die Zähne noch mal zu putzen – oder die Müdigkeit.
  8. Wie bitte?: Jährliche Untersuchung des Augenhintergrunds. Puh, keine Auffälligkeiten. Doch dann ein irritierend ernst klingender Kommentar des Augenarztes (der mich zum ersten und letzten Mal gesehen hat): „Wieder nichts – mit den heutigen Diabetikern macht man einfach kein Geschäft mehr.“ Soll das lustig sein?
  9. Hoch hinaus: Die Mittagspause naht, der Hunger steigt. Endlich ist es so weit. Und dann? 280 mg/dl. Buh! Statt der Pasta, auf die ich mich so gefreut habe, gibt es erstmal eine Korrektur plus Wartezeit.
  10. It’s your turn: Jetzt seid ihr dran: Was nervt euch? Lasst den Frust raus!

5 Kommentare

  1. Am meisten nervt mich:
    Man hält sich an alles, man berechnet alles und bääm! der Blutzucker macht genau nicht das, was man mit all dem rum rechnen und beachten erreichen wollte *grrr*
    Fragen wie „Darfst du das essen? Da ist doch Zucker drin!“ – einatmen, ausatmen, lächeln und wenn man das Gefühl hat es nützt was, die Sachlage erklären
    Der Zaharzt, der Frauenarzt, der Neurologe oder die Podologin, die Tipps zur Therapie geben und mur als Typ 1 eine andere Tablettenart empfehlen… Oh man – ich hab das seit 32 Jahren, ich kenne mich besser aus als du, mit nem halbem Semester im Grundstudium!
    Ansonsten ist der Diabetes halt da, wie am Niederrhein das milde Klima und man arrangiert sich irgendwie damit, mal mehr, mal weniger!

    1. Bin auch gerade so wütend…
      Alles berechnet und doch morgens alles zu hoch!
      Immer wieder!
      Nee, wo kann ich meine Wut nur lassen?!!!
      Na ja, auf ein Neues!

  2. Oh ja, das kann ich alles nachfühlen!

    Auch toll: man sitzt im Büro, es geht hektisch zu und Zack – Katheter raus gerissen! Und das Beste: Der Ersatzkatheter ist weg, weil schon benutzt 🙁

    Und: nächtliche Unterzuckerungen, die vor Schlaftrunkenheit in einen Fress-Flash ausarten

    Liebe Grüße, Sandra

  3. Morgens auf dem Weg zur Arbeit im Auto sitzen und merken, da stimmt was nicht. Also rechts radfahren und libre app aktivieren. Nach dem achten versuch endlich ein Wert 95 mit Pfeil direkt nach unten. Also stehen bleiben und Traubenzucker und Kekse futtern. Alle paar Minuten scannen und statt rauf geht der Wert immer weiter runter. Also weiter warten und das bei minus 7 Grad. Irgendwann nach einer guten halben Stunde steigt der Wert dann wieder! Zur Sicherheit noch etwas warten und dann weiter. DAS NERVT.

  4. Ihr macht Euch viel zu viel Gedanken! Ich bin jetzt 81. Ich mach das nun schon über 30 Jahre mit. Die Regeln beachten. Alles ist klar. Die kennt Ihr doch? Lasst das Gejammere!!!!

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