Die Diabetes-Angst-Spirale

Wenn die Angst vor dem Diabetes, insbesondere vor Unterzuckerungen, den Alltag bestimmt, ist es Zeit, die Notbremse zu ziehen. Carolin hat das in 5 Schritten geschafft.

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Vor einiger Zeit warf mich der Diabetes zum ersten Mal in meinem Leben so richtig aus der Bahn. Die Zukunft machte mir Angst, ich versuchte fast schon paranoid, Hypoglykämien zu vermeiden. Auch wenn es andere sicher nicht bemerkten – ich kapselte mich innerlich ab, gefangen in meiner selbst erschaffenen Angst.

Photographee.eu - fotolia.com
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Und ich wusste: So kann es nicht weitergehen. Doch wie komme ich von der alles beherrschenden Angst los? Von meinen selbst auferlegten Vorsichtsmaßnahmen und Einschränkungen? Wie es mir schrittweise gelungen ist, wieder einen normalen Alltag zu führen, möchte ich euch hier erzählen.

#1 Aussprechen:

Janis, meine Eltern und unsere Diabetologin erfuhren von meinen Sorgen. Auch online musste ich meine Gedanken loswerden – und erhielt viel Rückmeldung, die mich wirklich aufbaute und bestärkte. Wieder einmal wurde mir bewusst, wie viele mit genau den gleichen Problemen zu kämpfen haben und dass es immer einen Ausweg gibt. Nachdem ich ausgesprochen hatte, was mir Sorgen machte, fühlte ich mich irgendwie befreit und bereit dazu, den nächsten Schritt zu tun.

#2 Ziele setzen:

Ich fasste einen Plan. Nur für mich. Ich setzte mir kleine Ziele, die mir sinnvoll und erreichbar erschienen: Wieder regelmäßig essen. Die Erinnerungsfunktion meiner Pumpe nutzen, um nicht unkontrolliert zu messen, sondern zu sinnvollen Zeiten. Meine Insulingaben vor jedem Bolus genau überdenken. Meine eigenen Gedanken beruhigen, indem ich Hypohelfer auf der Arbeit, im Auto, in meinen Taschen und am Bett deponierte – so versuchte ich, meine Angst vor dem Kontrollverlust während einer Hypo zu besiegen.

#3 Ablenkung:

Ich zwang mich dazu, mein Einigeln zu überwinden. Ich verabredete mich mit einer Freundin, plante die Wochenenden durch und entwickelte wieder Spaß am Ausgehen. Kleine Trips in die Stadt, alleine einkaufen, das Auto stehen lassen und mit dem Fahrrad zur Arbeit fahren – das alles klingt nach völlig normalen Aktivitäten, doch meine eigenen Gedanken fesselten mich förmlich an meine Komfortzone, unsere kleine Wohnung. Diese kleinen Erfolgserlebnisse außerhalb meines Wohlfühlbereichs machten mich stolz und sorgten dafür, dass ich mich wieder sicherer in meiner Haut fühlte.

#4 Belohnungen:

Meine Erfolge belohnte ich mit Dingen, die mir gut taten und mich den Diabetes für einen Augenblick vergessen ließen. Ein paar neue Klamotten, ein langes Bad, ein Restaurantbesuch und lange Fernsehabende mit meinem Liebsten.

# 5 Verzeihen:

Etwas, mit dem ich schon lange kämpfe, versuche ich noch immer täglich umzusetzen: Mir selbst kleine und große Fehler zu verzeihen. Hohe Werte versuche ich zu tolerieren und dann kontrolliert und langsam wieder in einen normalen Bereich zu bringen. Mich nicht stundenlang über schlechte Werte zu ärgern, sondern den Grund dafür zu suchen und bei der nächsten ähnlichen Situation besser zu lösen, ist ein weiteres Ziel, das ich immer wieder versuche umzusetzen. Und ab und an mache ich einfach ein Diabetesreset: Die Pumpendaten auslesen, Muster suchen und Lösungsstrategien finden, Faktoren und Basalraten prüfen und anpassen – und den Kopf frei kriegen.

Letztendlich zwinge ich mich also quasi dazu, Spaß zu haben, und löse mich so Stück für Stück von meinen Ängsten. Kontrolle in Form von Messungen und Datenauswertung hilft mir sehr dabei. Genauso wichtig sind mir aber mittlerweile die kleinen Dinge im Alltag geworden, die den Diabetes hintenanstehen lassen und so Freiraum für etwas viel Wichtigeres lassen: für MICH.

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