Erste-Hilfe-Kit für Freunde

Als sie ihre Diabetesdiagnose bekam, war Tine 22 Jahre alt. Mitten im Studium, in Berlin, eine recht typische 22-Jährige, wenn man das heute so von ihr behaupten darf. Damals wie heute war und ist sie gern mit Freunden unterwegs. Egal, ob es um Kuchenessen, Cocktails, Schwimmen, Reisen oder mal Partymachen geht, der Diabetes und Tine waren und sind dabei und ihre Freunde auch.

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Mit dem Diabetes ist das aber so ’ne Sache, ich denke, da könnt ihr mir alle zustimmen. Manchmal wollen die Werte einfach nicht runter, die Kopfschmerzen dazu werden immer stärker und es raubt einem die Energie, egal, wie schön es gerade mit den liebsten Menschen ist. An wiederum anderen Tagen folgt eine Hypoglykämie der nächsten und die Traubenzuckervorräte sind schneller leer, als man „Unterzucker“ sagen kann. Hier habe ich, wie bestimmt auch schon viele von euch da draußen, festgestellt, dass es wichtig ist, dass die eigenen Freunde mindestens grob wissen, was bei uns Sache ist und wie sie im Falle des Falles schnell helfen können. Ich versuche heute mal ein paar Tipps zu notieren, die vielleicht gerade auch praktisch für diejenigen unter euch sind, die noch gar nicht so lange Diabetes haben und noch nicht so genau wissen, wie sie ihre Freunde da direkt mit einbinden können, um im Ernstfall jemanden an seiner Seite zu haben, ohne die Freunde vielleicht sofort zu Beginn mit zu vielen Infos zu überfordern oder ihnen zu große Sorgen zu bereiten.

1. Traubenzucker

Wie oben schon gesagt, kann es manchmal sein, dass eine Hypoglykämie auf die nächste folgt und der Traubenzuckervorrat sich schnell dem Ende neigt. Es kann auch mal vorkommen, dass man komplett vergisst, Hypohelfer einzupacken. Ja, es sollte nicht passieren, aber wir wissen ja, wie stressig es manchmal im Leben werden kann, und ich bin mir sicher, dass auch das den meisten von euch schon einmal passiert ist. Informiert eure Freunde darüber, was eine Hypoglykämie ist und was sie für euch bedeuten kann. Erzählt ihnen von möglichen Symptomen, so dass sie ein Gespür dafür entwickeln können, wann ihr eine Hypoglykämie haben könntet. Drückt ihnen ein paar Rollen Traubenzucker in die Hand und bittet sie lieb, immer was dabei zu haben, wenn sie euch treffen. Irgendwann wird es auch für sie „normal“ und sie können im Notfall mit etwas Simplem wie Traubenzucker helfen, gerade zum Beispiel auch in Kombination mit Alkohol, wenn ihr lange spazieren geht oder gemeinsam Sport macht.

2. Überzucker

Wenn der Blutzucker über Stunden nicht runter will, kann das verschiedene Folgen haben und auch darüber sollten eure Freunde im Groben Bescheid wissen. Es muss ja kein vorbereiteter Vortrag sein, aber ein „Übrigens, wenn ich lange mit hohem Blutzucker durch die Gegend laufe, passiert Folgendes…“ schadet nicht. Dazu die Info, dass für euch damit leider auch schnell mal ein Abend gelaufen sein kann, so dass sie einfach Bescheid wissen, die Situation verstehen lernen und ihr nicht in unangenehme Situationen kommt, in denen es euch vielleicht unangenehm ist, wenn ihr wirklich einfach langsam machen müsst.

3. Wenn es für Traubenzucker zu spät ist oder die Ketoazidose nicht besser wird

Stellt sicher, dass die Nummer des Rettungsdienstes allen bekannt ist (sollte sie sowieso sein, aber man weiß ja nie), und erklärt, wann genau eine akute Notfallsituation bei euch bestehen kann und wie so etwas möglicherweise aussehen könnte. Versucht, eurem Gegenüber keine Panik zu machen, sondern klare Anweisungen zu geben, so dass sie im Ernstfall möglichst cool bleiben können!

4. Insulinvorrat

Ein bisschen Insulin im Kühlschrank der Freunde, bei denen du dich am häufigsten aufhältst, hat auch noch nicht geschadet. Manchmal verpeilt man das ja doch, und dann muss man zumindest nicht extra wieder nach Hause, sondern kann den Abend gemeinsam genießen.

5. Wenn sie erstmal gar nichts davon wissen wollen…

Cool bleiben! Gerade wenn ihr relativ neu diagnostiziert worden seid, ist es nicht nur für euch eine ungewohnte Situation. Auch eure Freunde sind vermutlich komplett unerfahren, was Diabetes angeht, und haben bestimmt viele Vorstellungen davon, die mehr oder weniger mit der Realität übereinstimmen. Eventuell machen sie sich Sorgen und sind übervorsichtig mit euch, oder aber sie wollen gar nichts von dem Thema wissen, weil sie es zunächst komisch finden. Alles schon vorgekommen. Gebt euch und ihnen Zeit. Irgendwann könnt ihr dann vielleicht mit dem Traubenzucker beginnen und euch so nach und nach vorarbeiten. Möglicherweise beginnen sie selbst irgendwann, Fragen zu stellen. Das ist ein Prozess und wird schon. Man kann nichts aufzwingen, aber zumindest für den Notfall sollten sie gewappnet sein, wenn bei uns mal irgendwas sein sollte. Schließlich sind es Freunde!

Ich hoffe, ich konnte euch mit diesen Basic-Tipps vielleicht gerade helfen, wenn ihr noch nicht so lange diagnostiziert seid, und drücke euch die Daumen, dass ihr gut mit euren Freunden über den Diabetes sprechen könnt! Habt ihr noch Tipps und Tricks für Notfälle? Lasst es die Community wissen!

Ein Kommentar zu “Erste-Hilfe-Kit für Freunde

  1. Sehr gut geschrieben! Ist auch nicht immer einfach. Ich habe nach 25 Jahren Typ 1 das erste mal eine Kollegin, die sich super auskennt und mir endlich ein Gefühl von Ruhe gibt.

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