Die Pumpe, der Sensor und meine Haut

Die Insulinwirksamkeit hängt von vielen Faktoren ab: Unter anderem wird sie von der Haut und den Spritzstellen beeinflusst. Um die wiederkehrenden Stichverletzungen optimal zu pflegen, hat Heike Tipps zu einigen Cremes.

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Die Haut ist unser größtes Organ. Seit meiner bald 10-jährigen Pumpenkarriere steche ich meinen Katheter immer noch rund um den Bauchnabel. In letzter Zeit wirkt mein Insulin jedoch immer schlechter (wie berichtet in „Hilfe, mein Insulin wirkt nicht mehr!„) und ich wechsele deshalb meinen Katheter statt alle 3 Tage sehr oft schon nach 2 Tagen. Damit steigt natürlich mein Katheterverbrauch. Meine Krankenkasse hat deswegen glücklicherweise noch nicht reklamiert.

Nun habe ich bereits die Insulinsorte gewechselt, aber nur mit mäßigem Erfolg. Peter, ein Community-Mitglied der Blood Sugar Lounge, hat mich auf die Möglichkeit des Mitspiels von Insulin-Antikörpern hingewiesen. Auf den Insulin-Antikörper-Test muss ich leider noch etwas warten bis zu meinem nächsten Termin in der Klinik. Ich ernähre mich momentan gezielt nach Low Carb. Das wirkt nicht immer, aber ich bin trotzdem relativ zufrieden.

Ein weiterer Baustein, der bei der ganzen Problematik noch nicht berücksichtigt wurde, sind die Einstichstellen vom Katheter. Ich setze meine Katheter momentan gezielt immer mehr an der Seite des Bauchnabels bis zum Bauch.  Und manchmal gelange ich schon nahe an den Rücken. Soweit das mein Speck eben zulässt. Ich suche gezielt nach der passenden Einstichstelle und oft entscheiden wenige Millimeter, ob das Insulin wirkt oder eben auch nicht. Ich selbst habe mich gegen das Setzen des Katheters am Oberschenkel oder Oberarm entschieden, da ich eine Medtronic-Pumpe mit Schlauch in Besitz habe. An diesen Stellen würde der Katheter mich zu sehr mit der Bekleidung und allgemein in meiner Bewegungsfreiheit stören.

Ich habe mich nun gefragt,  welche Verbesserungen der Haut es bei diesen immer wiederkehrenden Stichverletzungen gibt. Ist es möglich, dass durch bessere Hautpflege das Insulin vielleicht besser wirkt? Ich bin dazu in die Apotheke gegangen und habe auch die Meinungen im Internet recherchiert.

Auf folgende Salben bin ich gestoßen:

Thrombareduct

Quelle: Hexal

„Der Wirkstoff hat blutverdünnende, gerinnungshemmende Eigenschaften und unterstützt den Abbau von Blutgerinnseln. Auch weitere Stoffwechselprodukte, die bei stumpfen Verletzungen zum Beispiel ins Muskelgewebe ausgetreten sind, werden schneller abtransportiert. Dadurch werden Schwellungen abgebaut, Blutergüsse schneller beseitigt und Entzündungen gemildert.“ (Quelle: Beipackzettel (über Apotheken Umschau)

Diese bei Entzündungen wirksame Salbe hat manchen Diabetikern bei ihren Verletzungen der Einstichstellen geholfen.

Traumaplant

Quelle: Traumaplant

Traumaplant ist eine pflanzliche Schmerzcreme bei größeren und kleineren Verletzungen. Die Creme kann bei Gewebe- und Hautverletzungen der Haut – wie etwa unseren Katheterstichen – helfen. Zu diesem Zweck kommt die sogenannte Beinwellwurzel in der Creme zum Einsatz. Es sollen dabei die Dellen, die auch durch zu viel Spritzen an einer Stelle entstehen, abgemildert werden. (Quelle: https://www.traumaplant.de)

Kytta

Quelle: Kytta

Diese Salbe ist Alternative zu chemischen Wirkstoffen und ebenfalls eine Schmerzsalbe. Hier kommt ebenso die Beinwellwurzel wie bei der Traumaplant-Salbe zum Einsatz. Diese Salbe ist in der Wirkung vergleichbar mit der Traumaplant-Salbe.

Linola

Quelle: Linola

Meine Apotheke hat mir den Linola-Schutz-Balsam zum Wundschutz empfohlen. Nach jedem Katheterwechsel sollte die Haut damit an der „verletzten“ Katheterstelle  gründlich eingecremt werden. Linola bietet zusätzlich verschiedene andere Spezialcremes an, die bei leichten bis stärkeren Entzündungen helfen. Ich verwende zurzeit jedoch den Schutzbalsam. Er tut meiner Haut gut und damit hoffentlich auch den Einstichstellen.

 

Pflegt ihr auch eure Stichverletzungen des Katheters und auch des Sensors mit einer speziellen Creme? Vielleicht testet ihr mal die ein oder andere Salbe und berichtet mir.

 

Einen schönen Sommer wünscht euch Heike!

5 Kommentare zu “Die Pumpe, der Sensor und meine Haut

  1. Hallo Heike, ein toller Artikel und eine gute Übersicht über die verschiedenen Möglichkeiten der Behandlung.

    Ich möchte dich bestimmt nicht nerven, mein Antrieb, hier zu kommentieren ist der, das ich dir wirklich helfen möchte.

    Die ganzen Symptome, die du schilderst, kenne ich zu gut. Ich versuche immer bei einem Problem dieses einzugrenzen indem ich versuche Fehler oder Möglichkeiten auszuschließen, die eventuell als Fehler infrage kommen. Dann versuche ich eine Erklärung dafür zu bekommen. Das mache ich nicht nur mit dem Diabetes sondern auch, wenn der Computer nicht will oder das Auto nicht anspringt. Seit 20 Jahren brauche ich nicht den ADAC und auch keinen Computernotdienst.

    Nehmen wir mal eine Spritzstelle, die drei Tage lang Insulin resorbieren soll. Die Basalrate läuft mit unterschiedlicher Intensität den ganzen Tag über. Das Insulin hat fast immer die gleichen Voraussetzungen. Kommt jedoch eine Bolusgabe hinzu, verändert sich dadurch das Gewebe und damit auch die Aufnahmefähigkeit, das Insulin so in den Körper abzugeben, dass es verlässlich wirkt.

    Niemand hat mir vor einem halben Jahr gesagt, dass die Spritzstelle überfordert ist. Ich war in einer der größten Kliniken, die Diabetes im Namen tragen. Ich bin bei einem Diabetologen, der sich richtig Gedanken macht. Aber drauf gekommen bin ich auf mein Problem nur durch einen Zufall. Diesen Zufall habe ich in meinem Beitrag „Einstellung – Umstellung…“ letzte Woche beschrieben.

    Wenn du 10 Jahre deine Pumpe trägst, kann ich mir vorstellen, wie gefordert deine Haut dabei ist. Bei mir verhält es sich nach fast 40 Jahren Diabetes und 5 Jahren Pumpe ähnlich. Wenn du nur den Bauch für den Katheter nutzt, probiere doch einfach mal den pen am oberarm für die beiden größten Mahlzeiten aus. Schau nach drei Tagen, ob sich etwas verändert hat. Wenn nicht, waren es 6 mal pieksen umsonst. Dadurch entlastest du auch deinen Bauch und dieser resorbiert deine Basalrate wieder besser.

    Wenn ich nur eine einzige Mahlzeit mit der Pumpe spritze, habe ich richtige Probleme. Die Werte schiessen hoch und ich brauche 12 Stunden bis alles wieder ok ist.

    Ich wünsche dir wirklich, dass du bald eine Lösung für dein Problem finden wirst, mit dem du zurechtkommst ohne das du zusätzlich Medikamente nehmen musst.

    Ich kann mir vorstellen, dass eine Insulin Antikörper Geschichte mit Immunsuppressiva behandelt wird, die vielleicht auch Nebenwirkungen haben.

    Alles, alles Gute!

    Gruß Volker

  2. Ich habe seit fast 40 Jahren Diabetes und trage seit 30 Jahren eine Insulinpumpe. Zu Beginn, als ich noch alle Einheiten in den Oberschenkel spritzte, riet mir mein damaliger Hausarzt, Gott hab ihn selig, ein erfahrener alter Arzt, die Spritzstellen, an denen sich Verdickungen bilden, doch einfach jeden Tag mit einer weichen Massagebürste zu massieren, keine Creme, keine Salbe, keine Lotion, einfach nur Bürsten, um die Haut gut durchblutet zu halten. Das habe ich dann gemacht und beim Kathetertragen immer weiter gemacht, mach ich heute noch. Nicht nur den Bauch, auch der restliche Teil des Körpers freut sich über Massage. Ich habe nach dieser Zeit keine einzige verdickte oder verhärtete, oder gerötete Stelle, keinen Pickel, sondern eine Weiche, aber stabile Haut, die gut durchblutet ist, und das Insulin aufnimmt und weiterleitet wie zu Anfang. Das war für mich die einfachste, billigste und effektivste Methode.

  3. Mir fällt noch ein, dass ich eine Diabetikerin kennengelernt habe, die eine solche Antikörper Problematik hatte. Diese Diabetikerin hat am Tag etwa 430 Einheiten Insulin benötigt und brachte dabei weniger als 50 Kilo Körpergewicht auf die Waage. Wenn du wirklich Antikörper hast, dann sind diese gleichmäßig rund um die Uhr da.

    Unverhoffte BZ Anstiege können auch dann vorkommen, wenn du zu wenig Kohlenhydrate im Körper hast. Dann nämlich fängt deine Leber an, unkontrolliert bis zu 150 gramm Zucker auszuschütten. Das macht die Leber, um dem Körper wieder Energie zur Verfügung zu stellen.

  4. Vielen Dank für die wertvollen Hinweise und Erfahrungsberichte. Ich bin seit 38 Jahren Typ I und überlege, ob ich auf eine Pumpe (DexcomG6) umsteigen soll. Oder sollte ich angesichts der geschilderten möglichen Komplikationen lieber bei Injektionen mit Pen bleiben?

    1. Hallo Dietmar, wegen der Sommerferien eine verspätete Antwort. Entschuldige bitte! Ich persönlich würde sofort wieder auf Pumpe umstellen. Mit der Dexcom habe ich keine Erfahrung. Ich benutze die Mendtronic 640g und einen Sensor. Sobald ich in eine Hypo Rutsche, schaltet die Pumpe sich aus und ich vermeide Unterzuckerungen. Du muss aber auch bedenken: Mit Pumpe und Sensor bist du abhängig von der Technik. Momentan ist mein Sensor defekt und ich warte schon bald 3 Wochen auf einen Ersatz von Medtronic. Die lassen sich da viel Zeit und ich muss ständig nachtelefonieren. Das ist im Alltag sehr unangenehm! Zum anderen hast du mit Sensor und Pumpe zwei Einstichstellen, die gepflegt werden müssen. Ich reagiere eben manchmal kaum noch auf das Insulin, was an der Katheterstelle liegt. Aber alles ist machbar. Gesamt gesehen bin ich sehr zufrieden mit der Pumpe und dem Sensor (wenn alles technisch funktionieren würde).

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