If you can dream it, you can do it – mein Weg in die USA

Nadja begibt sich auf ein Abenteuer in die USA. Sie wird ein Jahr in Orlando leben und für die Disney Company arbeiten. Nur den Diabetes kann sie leider nicht daheimlassen.

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[Dieser Beitrag enthält unbeauftragte Markennennung.]

„Mit Diabetes kannst du alles machen, der schränkt dich nicht ein.“ Der Satz ist so wohl nicht ganz richtig. Ja, man kann alles machen. Nur manche Dinge erheblich schwerer. Eines dieser Dinge ist Auswandern bzw., wie in meinem Fall, eine Reise ins Ausland, die die übliche Urlaubszeit überschreitet.

Bye-bye Deutschland

Ich bin jetzt 25, mit meinem Studium fast fertig und nun beginnt der richtige Ernst des Lebens für mich. Arbeit suchen, erste eigene Wohnung, Familienplanung. Aber will ich das alles? Will ich jetzt schon einen anständigen Bürojob, meine Abende auf der heimischen Couch verbringen und am Wochenende meine Eltern besuchen? Ich wollte doch immer die Welt sehen, fremde Kulturen kennenlernen und was erleben!

Klar kann man noch die Welt sehen, wenn man älter ist und auf „eigenen Beinen steht“ – sogar besser, als wenn man noch studiert. Aber da ist der springende Punkt. Ich wollte nie einfach nur zum Urlaub irgendwo hin, in 14 Tagen Schnelldurchlauf ein Land sehen, Sehenswürdigkeiten abklappern und dann wieder heim. Nein, ich wollte was lernen. Ich wollte Kulturen kennenlernen, neue Menschen kennenlernen, mit Aufgaben wachsen. Wie das alles genau laufen sollte, da wollte ich mir drüber Gedanken machen, wenn es so weit ist. Also JETZT.

The American Dream

Also habe ich mich im Sommer 2018 für das Cultural Representative Program von Disney beworben. Während des Programms lebt man ein Jahr lang in Florida und arbeitet für den Epcot Park. Als ich meine Bewerbung abgeschickt hatte, hatte ich die Befürchtung, sofort aussortiert zu werden. Auf das Programm bewerben sich bestimmt so viele Leute, da habe ich doch gar keine Chance. Und dann kam die Einladung zum Interview nach Frankfurt. Und innerhalb einer Woche hatte ich meine Zusage für Orlando. Im Mai soll es losgehen.

Während meine künftigen Kollegen schon ihre „Bucket Lists“ schrieben, sich darüber unterhielten, welcher Appartement-Komplex doch am schönsten ist und welchen Disney-Park man als Erstes besucht, hatte ich ein Riesenproblem. Das Diamonster, oder besser gesagt, wie versorge ich mich in den USA!

Quelle: Pixabay

Diabeteskosten in den USA

Über Insulinkosten in den USA kursieren die wildesten Gerüchte.

Es gibt relativ günstiges „Human Insulin“ bei Walmart zu kaufen. Problem daran ist, dass die Wirkdauer erheblich länger ist als bei Insulinanaloga.
Mein Diabetesmanagement könnte dadurch schwieriger werden, die Flexibilität wäre geringer. In einem Job, in dem sich die Schichten täglich ändern, in einem fremden Land mit anderen Lebensumständen ist das fast unmöglich.

Drüben alles aus eigener Tasche zu bezahlen, ist keine Option!
Schnellwirksame Insulinanaloga wie z.B. NovoRapid können schon mal gut und gerne mehrere hundert Dollar kosten pro Fläschchen. Hinzu kämen Kosten für CGM und Pumpe.
Während das für manche Luxus ist, habe ich beides natürlich auf Grund von medizinischen Indikationen. Genauer gesagt ein Dawn-Phänomen und eine Hypoglykämiewahrnehmungsstörung. Auf Pumpe und CGM für ein Jahr zu verzichten, funktioniert für mich einfach nicht.

Krankenversicherung im Ausland

Am einfachsten wäre es natürlich, wenn ich eine Versicherung finde, die zu denselben Konditionen arbeitet wie meine Krankenversicherung in Deutschland. Das kommt genauso häufig vor wie die Sichtung eines rosafarbenen Einhorns. Nämlich gar nicht! Wenn ich Deutschland verlasse und hier keine Beiträge mehr zahle, muss die Krankenkasse natürlich auch nicht mehr leisten!

Zwar gibt es Auslandskrankenversicherungen, diese zahlen aber alle nur im Notfall. Das deckt keine Regeluntersuchungen oder Medikamentenversorgung bereits bestehender Erkrankungen ab.

Bei privaten Krankenversicherungen sieht das schon anders aus. Genauso anders sehen die Beiträge aus. Da wird man dann gut und gerne mal 500€ aufwärts für einen Monat los, wenn man eine private Krankenversicherung findet, die einen nimmt mit Typ-1-Diabetes. Geld, das ich bei 10$ Stundenlohn nicht habe.

Ähnlich ist es übrigens bei einer Krankenversicherung direkt in den USA und auch die unternehmenseigene Krankenversicherung von Disney schließt die Versorgung von bereits bestehenden Erkrankungen aus.

Quelle: Pixabay

Ich packe meine Koffer…

… und nehme mit: Insulin, Teststreifen, CGM und Patch-Pumpen für ein Jahr. Diese Alternative klingt nicht schlecht. Ist in der Praxis aber schwer umzusetzen. Grundsätzlich verschreibt ein Arzt Medikamente für ein Quartal, im extremen Fall für ein halbes Jahr. Das liegt daran, dass der Arzt natürlich immer die Notwendigkeit der Medikamente prüfen muss beim Quartalscheck.

Klar! Am Diabetes ändert sich nichts mehr. Aber hinter dieser Regelung steckt ein komplexes rechtliches Wirrwarr und wer schon mal eine Insulinunverträglichkeit hatte oder eine Pflasterallergie, weiß auch, wie schnell sich an der Versorgung etwas ändern kann.

Bei Hilfsmitteln wie CGM und Patch-Pumpe kommt natürlich immer die Haltbarkeit dazu, die meistens kurz bemessen ist, da die Batterien im Transmitter oder der Pumpe nicht ewig halten.

Ich dachte trotzdem, ich versuche das Ganze, und rief meinen Arzt und meine aktuelle Krankenkasse an und fragte nach, ob es möglich wäre, alles für ein Jahr in die USA mitzunehmen.

Die Antwort: Ja, aber…

Mein Arzt würde mir die Rezepte ausstellen, jedoch ist dann das Problem, dass meine aktuelle Krankenkasse ab dem Zeitpunkt, in dem ich das Land verlasse, alles wieder zurückfordern kann, weil ich ja im Normalfall keine Beiträge mehr zahle.

Quelle: Nadja Thümling

Wir haben eine Lösung

Im letzten Versuch fragte ich bei meiner Krankenkasse an, wie es denn aussieht, wenn ich mich freiwillig in Deutschland weiter versichere. Also einen Mindestbeitrag von rund 180€ zahle bzw. meine Studentenbeiträge, solange ich noch immatrikuliert bin. Da ich meine Bachelorarbeit in den USA schreiben werde, passt das ganz gut.

Das Ganze läuft jetzt also wie folgt ab: Ich versichere mich freiwillig weiter in Deutschland. Das gewährt mir, dass ich trotzdem einen Anspruch auf meine Hilfsmittel und Medikamente in Deutschland habe. Mein Arzt darf mir weiter Rezepte ausstellen, ggf. mit vorheriger Sichtung bzw. Gespräch über Skype, durch Atteste eines dort ansässigen Arztes, den ich dann selbst bezahlen muss oder ich fliege für ein paar Tage in die Heimat.

Nach mehreren Gesprächen mit meinen Versorgern für CGM und Insulinpumpe konnte ich jetzt einen Jahresvorrat an Patch-Pumpen, einen Halbjahresvorrat an CGM und Insulin und Teststreifen für ein halbes Jahr horten. Das fliegt alles mit in die USA und den Rest muss ich dann eben holen kommen 😉

In diesem Sinne: Amerika, ich komme!

Quelle: Pixabay

Weltenbummler Michi ist ein alter Hase, was das Reisen mit Diabetes angeht: Neues Jahr, neues Land, neue Motivation!

2 Kommentare zu “If you can dream it, you can do it – mein Weg in die USA

  1. Liebe Nadja,

    ich drücke Dir beide Daumen, dass alles so klappt, wie du es dir vorstellst.
    Das läuft, yes, you can 😉

    Es wird garantiert eine spannende Zeit.
    Freue mich auf deine Berichte aus den USA!

    Lieben Gruß, Matthias

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