Solo-Backpacking – einen Monat unterwegs in Mittelamerika mit Typ-1-Diabetes

Lisa war über einen Monat in Mittelamerika unterwegs. Trotz oder vor allem mit Typ-1-Diabetes hat sie sich alleine auf die Reise gewagt. Ihre Erfahrungen teilt sie hier mit uns.

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Ich habe lange überlegt, ob ich diese Zeilen schreiben soll, da ich zu dem Typ Mensch gehöre, der seine Diabetes-Erkrankung lieber versteckt und am liebsten gar nicht thematisiert, und es kostet mich immer wieder Überwindung, darüber zu sprechen. Vielleicht aus der Befürchtung heraus, bemitleidet, als krank angesehen oder anders behandelt zu werden.

Aber ich glaube, dass diese Zeilen der ein oder anderen Person Mut machen können. Genauso wie einer meiner Arbeitskolleginnen und mittlerweile sehr guten Freundin vor einigen Jahren, die mit Anfang 30 die Diagnose Diabetes mellitus Typ 1 bekommen hat.

Quelle: Lisa Gocke

Diabetes ist kein Hindernis!

Das war ein totaler Schock für sie, denn leider stellte einer der behandelnden Ärzte die Diagnose mit einem extrem eingeschränkten Leben gleich und wies sie darauf hin, dass z.B. Reisen und Fliegen so nicht mehr möglich seien – was für ein Quatsch! Solche demotivierenden und angstmachenden Aussagen von einigen medizinischen Fachpersonen kenne ich leider nur zu gut, denn ich habe mit dem 9. Lebensjahr die Diagnose bekommen.

Natürlich bedarf es ein bisschen mehr Vorbereitung und Vorsicht als vorher, aber das sollte doch niemanden daran hindern, zu reisen und neue tolle Erfahrungen zu sammeln! Als ich sie im Krankenhaus besuchte und ihr mitteilte, dass ich ebenfalls Typ-1-Diabetikerin bin, konnte sie das gar nicht glauben. Ich, die schon so viel gereist ist und eigentlich alles macht, was sie will! Sie sagt bis heute, dass ihr mein Besuch im Krankenhaus damals extremen Mut gemacht hat.

Deshalb möchte ich gerne meine Erfahrungen meiner einmonatigen Solo-Backpacking-Reise durch Mittelamerika mit euch teilen.

Backpacking mit Diabetes? Alleine?

Backpacking? Alleine? Mit Diabetes? Durch Mittelamerika? Als Frau? JAAAAAAAAAAA, absolut! Natürlich kostet es ein bisschen Mut und Überwindung, aber das ist ja auch völlig in Ordnung, immerhin verlässt man die eigene Komfortzone und das ist gleichzeitig eine sehr wertvolle Erfahrung, um zu wachsen. Und Diabetes sollte dabei kein Hindernis sein, denn mit einiger Vorbereitung ist eine solche Reise auch problemlos möglich.

Ich spritze das Insulin mit Pens (Humalog und Tresiba) und benutze FreeStyle-Libre-Sensoren.

Da ich mit Letzteren auf einer früheren Reise in Ghana schlechte Erfahrungen gemacht habe, da sie aufgrund der Hitze und hohen Luftfeuchtigkeit nicht gehalten haben, habe ich noch ein Kinesio-Tape zur Fixierung eingepackt. Zudem ein Ersatz-Blutzuckermessgerät, Teststreifen, Pennadeln, Traubenzucker, Ersatzpens und natürlich Insulin. Für mein Insulin kann ich die Kühlbeutel von Frio sehr empfehlen, denn so ist man unabhängig von Kühlschränken und gerät nicht in Panik, wenn es unterwegs mal richtig heiß wird. Damit habe ich bereits auf anderen Reisen sehr gute Erfahrungen gemacht.

Schritt 1: Vorbereitung ist alles

Da ich alleine unterwegs war, habe ich alle Sensoren, Pennadeln, Ersatzgeräte und natürlich das Insulin, das ja immer im Handgepäck transportiert werden muss, in meinen kleinen Tagesrucksack gepackt, den ich die ganze Zeit bei mir im Flugzeug hatte, denn der große Backpack im Aufgabegepäck kann ja immer wegkommen oder später am Zielflughafen ankommen.

Ich benutze auf Reisen oft eine schmale Bauchtasche, die ich unter der Kleidung tragen kann, um hier ein bisschen Geld und jeweils eine Insulin Ampulle zu verstauen, damit ich noch versorgt bin, sollte es wirklich mal hart auf hart kommen.

Für mich war es außerdem auch sinnvoll, vorab mit meiner Diabetologin zu sprechen, um z.B. eine aktuelle Flugbescheinigung, die man auf jeden Fall dabeihaben sollte, zu bekommen und auch über Themen wie Insulinanpassung in Bezug auf die Zeitverschiebung zu sprechen.

Mitten in der Nacht startete ich also Ende Februar meine Reise ins Abenteuer, mit jeder Menge Gepäck und darunter auch einer großen Portion Aufregung.

Die Aufregung legte sich aber schon bald, nachdem ich bereits den ersten netten Kontakt im Flugzeug hatte. Es wurde eine Reise voller toller Erlebnisse, Begegnungen und einmaliger Natur. Von einzigartigen Stränden bis Dschungel war alles dabei und ich hatte das Gefühl von kompletter Freiheit.

Quelle: Lisa Gocke

Nach 2 Wochen Panama wurden meine Vorräte allmählich weniger, wodurch ich mehr und mehr Platz für schöne Souvenirs im Rucksack hatte und mit leichterem Gepäck nach Costa Rica reisen konnte.

Schaffen die Dia-Gadgets das?

Erstaunlicherweise haben auch die Sensoren trotz extremer Hitze gut gehalten und sind nicht vorher abgefallen! Ich bin wirklich sehr dankbar für diese tolle Technik!

Das Einzige, was ich zu wenig dabeihatte, waren Traubenzucker, denn die gab es vor Ort nicht zu kaufen und es war ein bisschen nervig, die ganze Zeit eine Cola-Flasche mitzutragen, die sich ja nicht so gut verstauen lässt wie kleine Traubenzucker – aber man lernt ja auf jeder Reise dazu. 😉

Meine Learnings beim Reisen mit Typ-1-Diabetes

Was ich vor allem gelernt habe und täglich übe, ist, achtsam mit meinem Körper zu sein und gleichzeitig den Moment zu genießen, ohne dabei mit Ängsten vor der Zukunft umgeben zu sein.

Ich möchte anderen Menschen mit Diabetes Mut machen, sich zu trauen, ins Unbekannte aufzubrechen und neue Erfahrungen zu sammeln, denn es lohnt sich! 😊

Quelle: Lisa Gocke

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