O du schöne Kürbiszeit – oder: Wie man aus einem Kürbis Spaghetti macht

Spätestens Ende Juli wird Bettina unruhig: Bei jedem Besuch im Supermarkt halte ich die Augen offen, immer in der Hoffnung, dass die schönste Zeit des Jahres endlich beginnt!

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Bevor hier jetzt jemand denkt, dass ich nach den ersten weihnachtlichen Lebkuchen der Saison suche, nehme ich lieber gleich mal den Wind aus den Segeln. Denn es sind die wunderbaren Kürbisse, die mit ihrer kräftigen orangenen Farbe mein Herz und meinen Gaumen erobert haben. Ich kann es immer kaum abwarten, bis sie sich endlich wieder in vielfältigen Varianten auf den Wochenmärkten stapeln.

Wenn ich jetzt hier schon loslege und Werbung mache für den Kürbis, dann will ich auch etwas klugscheißen, denn Kürbis ist mehr als nur lecker und hübsch orange. Nein, man kann mit Kürbissen auch ganz toll Halloweenfratzen schnitzen und dann Kerzen hineinstellen. Wobei, eigentlich Verschwendung, denn wenn wir etwas ernsthafter hinschauen, dann präsentiert sich der Kürbis als gesunde Gemüsebombe, so viele tolle Inhaltsstoffe bringt er mit. Viel zu schade, um vor der Haustüre zu stehen. Gerade wir Diabetiker sollten unbedingt mehr Kürbis in allen Variationen auf den Teller lassen. Und wenn nicht jetzt, wann dann?

Kürbis – die Riesenbeere mit extra viel Beta-Carotin

Botanisch gesehen ist die Kürbisfrucht eine Beere, eine Panzerbeere, um genau zu sein. Eine mächtige Beere, die bis zu 100 kg schwer werden kann. Seit ich das gelesen habe, träume ich von monströsen Erdbeeren und bekomme das nicht mehr aus dem Kopf. Seufz, was so ein Beitrag für die Blood Sugar Lounge doch manchmal für Seiteneffekte mit sich bringt. Ich habe ein akutes Monsterbeerentrauma und muss das nun mit viel Kürbis bewältigen!

Zurück zu den Vorteilen des wunderbaren Kürbisses. Das herbstliche Gemüse ist sehr wasserreich und immer, wenn in Lebensmitteln viel Wasser steckt, ist die Energiedichte erfreulich gering. So punktet auch der Kürbis mit wenigen Kalorien, die dazu sehr wohlschmeckend sind. Weiterhin enthält der Kürbis viele Ballaststoffe, also unverdauliche Pflanzenfaserstoffe, die nachhaltig sättigen, die Verdauung regulieren und dazu für uns Diabetiker die Eigenschaft mitbringen, dass der Blutzuckerspiegel nicht rasant in die Höhe schnellt.

Ein ordentliches Vitamin- und Mineralstoffpaket ist der Kürbis außerdem. Das Kürbisfleisch enthält viel Beta-Carotin (die Vorstufe des Vitamin A), Magnesium, Kalzium und ganz besonders üppig Kalium. Das Beta-Carotin ist übrigens für die Farbe der Kürbisse zuständig und ist ein wichtiger antioxidativer Schutzstoff für unsere Zellen. Wichtig ist dabei, dass das Beta-Carotin fettlöslich ist. Es ist daher notwendig, beim Kochen mit Kürbis auch immer ein wenig Fett mit ins Essen zu zaubern, denn erst dann kann unser Körper die fettlöslichen Vitamine optimal verwerten. Und leckerer ist es mit ein wenig Fett doch sowieso.

Kürbis und Kohlenhydrate – Unterschiede, die für Diabetiker wichtig sind

Bis zu dem Zeitpunkt, an dem ich begonnen habe, mich Low Carb zu ernähren, habe ich mir über den Kohlenhydratgehalt von Kürbissen keine Gedanken gemacht. Das hat sich zwischenzeitlich geändert, und ich war echt überrascht, dass bei Kohlenhydraten eben nicht jeder Kürbis gleich ist. Je nach Kürbissorte sind die Unterschiede deutlich und können abhängig von der Portionsgröße um mehrere Broteinheiten in einer einzigen Mahlzeit voneinander abweichen.

Der Kohlenhydratgehalt der wichtigsten Kürbissorten auf 100 g:

Hokkaido: 14 g
Butternut: 8 g
Sweet Dumpling: 8 g
Bischofsmütze: 6 g
Gelber Zentner: 6 g
Gorgonzolakürbis: 6 g
Spaghettikürbis: 6 g
Muskatkürbis: 5 g

Also, wenn ich mir bei einem Gericht eine Portion von 300 g Kürbis vorstelle, dann liegt zwischen dem Hokkaido mit 42 g Kohlenhydraten und dem Spaghettikürbis mit 18 g Kohlenhydraten ein Delta von 24 g Kohlenhydraten, was immerhin zwei Broteinheiten entspricht. Das ist doch eine Hausnummer, mit der man als Diabetiker schon rechnen muss, um den Blutzucker im Lot zu halten.

Es wird also allerhöchste Zeit, auch mal den anderen Kürbissen jenseits des allgegenwärtigen Hokkaidos eine kulinarische Chance zu geben, was ich auch direkt und sofort mit einem Rezept unter Einsatz eines leckeren Spaghettikürbis tun werde. Noch nie gesehen so ein Ding? So sieht der Spaghettikürbis aus, den es aktuell erfreulicherweise in vielen gut sortierten Supermärkten zu kaufen gibt.

Viel Spaß beim Nachkochen und eine loungige Kürbiszeit wünsche ich.

Spaghettikürbis alla salsiccia speciale

2 Portionen/Personen

1 mittelgroßer Spaghettikürbis, längs halbiert und entkernt
10 ml Olivenöl
Salz und Pfeffer

 

Für das Salsiccia-Hack:
250 g grobe Bratwurst ohne Pelle oder gewürztes Schweinemett
1 TL getrocknete Fenchelsamen, gehackt
½ TL Thymian, frisch oder getrocknet
½ TL Paprikapulver rosenscharf
¼ TL Muskatnuss, frisch gerieben

 

Für die würzige Tomatensoße:
10 ml Olivenöl
50 g rote Zwiebel, fein gehackt
1 Knoblauchzehe, fein gehackt
1 Sardelle in Öl oder Salz, fein gehackt
400 g geschälte Tomaten aus der Dose, grob zerkleinert
25 g Tomatenmark, doppelt konzentriert
50 g schwarze Oliven, entkernt und halbiert

 

15 g Pecorino grob gerieben, zum Bestreuen (alternativ Parmesan)

Zubereitung:

Den Backofen auf 180 Grad Celsius Umluft vorheizen.

Den Kürbis mit dem Olivenöl bepinseln, salzen und pfeffern und auf ein mit Papier ausgelegtes Backblech legen. Für ca. 50 Minuten in den Ofen schieben und backen.

Das Bratwurstbrät mit den Gewürzen vermengen, so kommt die italienische Note in das Fleisch. In einem Topf das gewürzte Fleisch im Olivenöl krümelig anbraten. Dann die Zwiebelwürfel, die gehackte Sardelle und die Knoblauchwürfel hinzufügen. Alles gemeinsam kurz anschwitzen und anschließend mit dem Tomatenmark und den Dosentomaten ablöschen. Für 25 Minuten köcheln lassen. Dann noch die halbierten Oliven in die Soße geben und final mit Salz und Pfeffer abschmecken.

Den Kürbis aus dem Ofen holen und eine Gabel längs durch das gare Kürbisfleisch hin- und herschieben – so entstehen kurze Spaghetti. Die Kürbis-Spaghetti auf einem Teller mit der Soße anrichten und den Schmaus noch mit würzigem geriebenem Pecorino bestreuen.

Buon appetito!


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