Das Privileg Schwangerschaft – Teil 4

Schwangerschaft und Diabetes – dieses Thema ist sehr komplex und emotional aufwühlend, deswegen schrieb Vivi eine ganze Beitragsreihe dazu. Im letzten Teil hat sie 10 Tipps für euch zusammengefasst.

Weiterlesen...

In den bisherigen Teilen meiner Beitragsreihe zum Thema „Das Privileg Schwangerschaft“ berichtete ich von der Schwangerschaftsplanung, vom Schwangersein und der Geburt meiner beiden Kinder. Weiter geht es mit:

Stillen

Jeder weiß, wie gesund das Stillen ist. Diabetikerinnen wird das Stillen über einen längeren Zeitraum sogar ausdrücklich empfohlen. Das Stillen fördere die Entwicklung der kindlichen Immunabwehr und verringere die Wahrscheinlichkeit einer späteren Diabetes-Erkrankung, wird immer gesagt.

Bei meinem ersten Kind habe ich mich aufgrund der „versprochenen“ positiven Effekte des Stillens monatelang gequält. Das Stillen bereitete mir massive Schmerzen. Die Brustwarze war so strapaziert, dass sie bereits im ersten Monat einriss und gelasert werden musste. Meine Brust war wund. Ich salbte und cremte, ließ „lufttrocknen“, doch meine Tochter trank viel – auch zur Beruhigung und zum Einschlafen – und eine „Brust-Schonung“ schien unmöglich. Mir liefen die Tränen in Strömen über die Wangen und es gab viele Momente, in denen ich deshalb meinen Diabetes verfluchte.

Quelle: Pixabay

Ein Vierteljahr später hatte ich mich plötzlich daran gewöhnt. Der Schmerz verflog und ich konnte schmerzfrei und voller Hingabe stillen. Ich bin froh, dass ich dafür gekämpft habe.

Bei meiner zweiten Tochter schmerzte das Stillen auch, aber viel kürzer und weniger massiv. Ich wusste von Beginn an, dass der Schmerz endlich war, und stellte mich kühn der Herausforderung. Wenn es mal „gar nicht ging“, griff ich beherzt zur Flasche. Dieses Mal nahm ich es lockerer und hatte auch mir gegenüber mehr Erbarmen.

Fazit

Noch vor knapp 40 Jahren wurde Typ-1-Diabetikerinnen abgeraten, schwanger zu werden und Kinder zu gebären. Ein stabiler Blutzucker konnte noch nicht anständig kontrolliert oder dauerhaft stabil eingestellt werden. Sensoren, die die Zuckerwerte dauerhaft messen können, also Mess-Sensoren wie der heutige FreeStyle Libre oder Sensoren von Dexcom waren noch absolute Zukunftsmusik. Als diabetische Frau war man bei Schwangerschaften mehr Risiken ausgesetzt, ohne dass die Ärzte damals so viel wie heute hätten für sie tun können. Glücklicherweise können wir Diabetikerinnen Typ 1 heute genauso leicht und gesund schwanger werden wie alle anderen gesunden Frauen auch. Das sollten wir feiern!

Quelle: Pixabay

10 Tipps

Da ich nun bereits zwei Schwangerschaften hinter mir habe, fasse ich meine wichtigsten Erfahrungen kurz zusammen:

  1. Das HbA1c sollte vor Empfängnis laut Leitlinie A1c- nicht mehr als absolut 0,5 bis 1% oberhalb des oberen Referenz-Grenzwertes der verwendeten Labormethode liegen.
  2. Bei Schwangerschaftsplänen sollten wir Folsäure und Jod einnehmen.
  3. Der Diabetologe unterstützt bei der Beantragung von Pumpen und Sensoren. Hierfür sollten wir über drei Monate lang ein Blutzuckertagebuch führen und bei der Krankenkasse einreichen. Je früher man die Gerätschaften erhält, desto früher lässt sich lassen sich die Glukosewerte gut einstellen.
  4. In der Frühschwangerschaft erleiden wir Diabetikerinnen häufig Unterzuckerungen! Dafür sollten wir gewappnet sein.
  5. Während der Schwangerschaft steigt der Insulinbedarf stark an – meist geht es richtig los ab der „Schwangerschaftsmitte“, wenn auch das Kind anfängt, ordentlich zu wachsen. Ich empfand eine ausgewogene Diätküche mit reduzierten Kohlenhydraten hilfreich!
  6. Da durch erhöhte Glukosewerte der Mutter, die auch das Ungeborene mitbekommt und deshalb selbst viel Insulin produziert, um die Zuckerwerte zu senken, und so das Kind zu stark wachsen kann, also das Risiko einer Makrosomie besteht, war es für mich wichtig, gesund zu leben und so gute Glukosewerte zu haben.
  7. Es ist keine Schande, als schwangere Typ-1-Diabetikerin seine Arbeitszeiten zu reduzieren.
  8. Drei pränatale Ultraschalluntersuchungen stehen allen Schwangeren als Krankenkassenleistung zu. Ich habe hier in Bayern als Schwangere mit Diabetes weitere Ultraschalluntersuchungen auf Krankenkassenkosten bekommen, um Wachstumsstörungen oder eine Makrosomie frühzeitig zu erfassen (außerdem gibt es sensationelle Ultraschallbilder). Fragt einfach euren Arzt nach den weiteren Ultraschallen!
  9. Ich befürworte die Entbindung in Krankenhäusern mit einer angeschlossenen Kinderklinik.
  10. Nach der Entbindung haben wir einen schnellen Gewichtsverlust, die hormonelle Situation ändert sich und der Insulinbedarf sinkt umgehend. Die Gefahr von Hypoglykämien ist unmittelbar gegeben. Wir müssen damit rechnen, dass sich die Krankenhausmitarbeiter nicht mit Diabetes auskennen und wir uns im Notfall selbst helfen müssen.

„Es ist ein Wunder“, sagt das Herz.
„Es ist eine große Verantwortung“, sagt der Verstand.
„Es ist viel Sorge“, sagt die Angst.
„Es ist eine enorme Herausforderung“, sagt die Erfahrung.
„Es ist das größte Glück“, sagt die Liebe.

„Es ist unser Kind, unser ein und alles, Lebensinhalt und Inspiration“, sage ich 😊

(Quelle: www.motherbook.de)

Hier findet ihr noch einmal alle vorherigen Teile der Reihe “Das Privileg Schwangerschaft:

Das Privileg Schwangerschaft – Teil 1

Das Privileg Schwangerschaft – Teil 2

Das Privileg Schwangerschaft – Teil 3


Video: Schwangerschaft mit Typ 1 – Tipps, die ich mir schon früher gewünscht hätte – Kathi ist ebenfalls zweifache Mutter und hat einige Tipps für eine Schwangerschaft mit Typ-1-Diabetes zusammengestellt.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.