Nadjas USA-Tagebuch, Teil 3: Ein Update aus Florida

Wie schnell die Zeit verfliegt. Schon über zwei Monate ist Nadja jetzt in den USA. Zeit für ein kleines Zwischen-Resümee, wie die Dinge dort drüben laufen.

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[Dieser Beitrag enthält unbeauftragte Produktnennung.]

Back to the roots: Heute gibt es mal wieder einen schriftlichen Beitrag. Denn alles, was ich euch heute erzähle, geht auch super zu lesen. Viele von euch haben über Instagram abgestimmt, was denn als nächster Beitrag kommen soll. Und als klarer Winner ging das „Update aus den USA“ hervor. Also, wie liefen meine ersten 2 Monate hier im Sunshine State? Los geht’s:

Fliegen, Basalrate und Insulinanpassungen

Ein Riesenthema ist immer, wie man seine Basalrate bei Zeitverschiebung behandeln soll. Hier gibt es keine einzig richtige Antwort und jeder, der viel unterwegs ist, hat über die Jahre seine eigene Methode herausgefunden. Wie ich es gemacht habe: Ich habe die Uhr an meinem Omnipod jeden Tag um 2h zurückgestellt über drei Tage hinweg. Das hat für mich persönlich richtig gut geklappt. Vor allem auch, weil der Jet Lag mich schon um 5 Uhr geweckt hat in den ersten Tagen.

Allgemein ist mein Insulinverbrauch um einiges zurückgegangen. Aktuell überlebe ich mit knapp unter 100 Einheiten in der Pumpe für 72h. Auf der anderen Seite brauche ich jedoch ab und an viel mehr Insulin fürs Essen. Während ich in Deutschland kaum über 60g Kohlenhydrate (KH) pro Mahlzeit kam, kann hier ein Besuch im Restaurant oder schnell ein bisschen Fast Food, um 23 Uhr nach der Spätschicht, gut und gerne mal in 100g KH enden.

Hurricane Season – was tun im Ernstfall?

Eine weitere Sache, die man nur hier in Florida erlebt, ist die „Hurricane Season“. Tatsächlich befinden wir uns da schon mitten drin. Von Anfang Juni bis ungefähr Ende Oktober macht der Sunshine State seinem Namen ausnahmsweise keine Ehre. In der Regel schüttet es hier jeden Tag mindestens eine Stunde wie aus Eimern und letzten Monat hatten wir sogar schon die erste Tornadowarnung.

Während momentan noch alles relativ entspannt ist, kann es in den Monaten August und September richtig lebensgefährlich werden. Stromausfälle sind dann hier keine Seltenheit. Keine Elektrizität heißt im Umkehrschluss für mich kein gekühltes Insulin. Aber auch da weiß ich mir zu helfen. Die Kühlakkus für meine Reisekühltasche sind schon bereit. Im extremen Fall wird alles dort reingepackt und der Hurricane hoffentlich ohne Probleme ausgesessen.

Von Papierkram und Diabetes-Problemen

Wer sich noch an mein erstes Video erinnert, weiß vielleicht noch, dass ich riesige Angst vor meinem ersten Arbeitstag hatte und wie die Kollegen und Vorgesetzen alles auffassen würden. Leider ging es nicht ohne lästigen Papierkram. Ich musste einen Antrag stellen, mein Handy, welches mit dem Dexcom gekoppelt ist, auf Arbeit benutzen zu können. Auch, wie man mit Alarmen von Pumpe und CGM umgeht, musste geklärt werden, und was ich mache, wenn ich z.B. auf Arbeit eine Hypoglykämie bekomme.

Logischerweise haben wir eine Lösung gefunden, denn auch hier in den USA schützt das Gesetz uns Diabetiker vor Diskrimierung. Wie das allerdings Kollegen und Vorgesetzte auffassen würden, stand auf einem anderen Blatt. Und an dieser Stelle muss ich ein riesengroßes DANKESCHÖN aussprechen. Ich hatte von Anfang an betont, dass ich keine Sonderbehandlung möchte. Ich möchte nicht die „lästige“ Arbeit auf andere abwälzen, nur weil mein Blutzucker verrücktspielt. Und ja, ich hatte die ein oder andere „Hypo“. Vor ein paar Tagen ging es sogar so weit, dass ich wie ein Häufchen Elend mit meiner Cola und einem Blutzucker von 45 mg/dl (2,5 mmol/l) im Pausenraum saß und unkontrolliert geheult habe, weil ich mich selbst so sehr über meinen Diabetes geärgert habe.

Danke an die besten Kollegen, die man haben kann

Jeder auf Arbeit fasst es super gut auf, gibt mir die Zeit, die ich brauche, wenn die Werte mal wieder in den Keller rauschen, und übernimmt kurz meine Position, wenn ich spritzen oder kalibrieren muss. Trotzdem möchte ich von meinem Körper nicht zu dieser Sonderbehandlung gezwungen werden. Es ärgert mich, dass mir manche Dinge nicht so leicht von der Hand gehen wie meinen gesunden Kollegen. Aber ich bin extrem froh, dass jeder hinter mir steht und mich unterstützt.

Frustration und Motivationsloch oder doch eher „Auszeit“?

Hier in den USA sind viele Dinge anders als zuhause in Deutschland. Mein Nervengerüst ist weit weg von daheim sowieso ein bisschen dünner geworden und dann können es kleine Dinge sein, die einen runterziehen.

Das größte Problem für mich aktuell ist, dass ich keine HbA1c-Messung habe und damit auch keine Sicherheit, dass hier alles gut läuft. Der Arztbesuch wäre für mich zu teuer und ein „A1C Testingdevice“, die es hier tatsächlich gibt, ist mir, um ehrlich zu sein, ein bisschen suspekt.

Vielleicht stört mich das so extrem, weil ich mich aktuell in einem kleinen Motivationsloch befinde. Anstatt sofort die Pumpe rauszuholen, wenn mein Zuckerwert über den Zielbereich geht, ertappe ich mich immer öfter, eher nicht auf das CGM zu schauen. Was man nicht sieht, kann man nicht korrigieren. Auch kommt es immer häufiger vor, dass ich meinen Bolus einfach „vergesse“ oder besser gesagt mir selbst einrede: „Das kannst du auch noch später machen.“ Die Pumpe läuft in 5 Stunden aus? Ach, die kann ich auch noch nach meiner 8-Stunden-Schicht plus eine Stunde Heimweg wechseln.

Trotzdem liege ich laut Dexcom immer noch 75-80% im Zielbereich. Vielleicht sollte ich das Ganze nicht so verbissen sehen und einfach ala „Hakuna Matata“ an die Sache rangehen.


In der Beitragsreihe Motivation monatlich hat #BSLounge-Autor Christian u.a. darüber geschrieben, was Motivation mit Emotion zu tun hat: Motivation monatlich. Erster Teil: eine Einführung.

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