Diabetes-Momente zwischen Kampf und Liebe – die ersten Tage mit meiner Pumpine (Teil #3)

Katharina hat seit kurzer Zeit eine Insulinpumpe – schön und gut. Welche Probleme sich im Leben mit einer Pumpe ergeben und in welche Situationen sie geraten ist, erzählt sie euch in diesem Mehrteiler.

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Die Kanüle soll man alle zwei bis drei Tage wechseln – schön und gut. Sollte es zwischendurch unerklärlich hohe Blutzuckerwerte geben, früher – auch kein Problem. Aber was, wenn sich das Pflaster von der Kanüle sowohl bei jedem Duschen als auch gerne zwischendurch mitten am Tag mehrmals löst? Zwar ist das Setzen der Kanüle mithilfe des LinkAssist Plus (Setzhilfe) nicht schmerzhaft, aber nie zu wissen, bei welcher Bewegung die Insulinversorgung wieder unterbrochen wird, und der enorme Verbrauch des Pumpenzubehörs ist stressig.

und plötzlich war überall Blut!“

Insbesondere durch meine unerholsamen Nächte fühle ich mich nicht belastbar, es ist nicht leicht für mich, den Diabetes zu managen. „… und plötzlich war überall Blut!“, diese Worte sendete ich über verschiedene Kanäle an Freunde und Familie. Klang so schön dramatisch – war es nur leider auch wirklich. Nachdem ich zuhause schon 3x die Kanüle neu gesetzt habe, fühlt er sich, während ich Auto fahre, schon wieder nicht gut an. Es pikst, es brennt, es fühlt sich wirklich nicht gut an. Nachdem ich das Auto geparkt habe, schiebe ich mein T-Shirt hoch, um nachzusehen, ob das Pflaster noch fest sitzt. Und plötzlich war überall Blut!

Mein ganzer Bauch war rot, das Pflaster hing noch an einem letzten Fitzelchen an mir und die Teflonkanüle vom Katheter pikst mich je nach Bewegung mal ein bisschen an. Wie unkooperativ kann eine Haut denn beschaffen sein? Ich mache alles richtig: Die Stelle, wo die neue Kanüle gesetzt werden soll, wird desinfiziert. Das Desinfektionsmittel, welches mir als das ultimative von einer Apothekerin verkauft wurde, muss komplett trocknen. Kanüle in die Setzhilfe einlegen, die Folie abziehen, die Setzhilfe spannen, ansetzen, damit die Sicherung entriegelt wird, Knopf drücken, Kanüle dran. Dann das Pflaster noch vorsichtig andrücken, den Katheter-Schutz abziehen, fertig! Nur manchmal saß das Pflaster direkt nach dem Setzen schon so schlecht, dass es nicht mal das Ankoppeln des Schlauches überstand.

Die Lösung war so einfachBild 2

Da in der Zwischenzeit meine Diabetesberaterin krank wurde, bekam ich von ihrer Vertretung ein wasserfestes Pflaster, mit dem ich die Kanüle zumindest beim Duschen schützen kann – so weit, so gut. Aber das Problem war letztendlich so leicht zu lösen, dass es fast zum Heulen ist. Die Apotheke hat mir ein rückfettendes Desinfektionsspray verkauft: Das ist super zur Wunddesinfektion, aber kein bisschen super in Bezug auf die Haltbarkeit von Pflastern. Seitdem ich mit alkoholgetränkten Pads desinfiziere, sitzen die Kanülen total gut und auch meine Nachtwerte sind seitdem viel, viel besser. Ob das wirklich auch zusammenhing, weiß ich natürlich nicht. In Wahrheit beschäftigte mich dieses Problem etwas über eine Woche, gefühlt ging es mir seit Ewigkeiten schlecht. Umso erleichterter bin ich, mich nun wieder im normalen Rahmen auf die Pumpeneinstellung konzentrieren zu können: Basalratentests, Basalratentests, Faktortests, Basalratentest, auseinandersetzen mit den Systemeinstellungen und -möglichkeiten und ein paar Basalratentests.

Bild 1

Bin ich zu ungeduldig, um mich auf das alles einzulassen?

Solange ich nicht daran denke, dass ich nun eine „Pumperin“ bin, ist es okay, die Pumpe zu haben. Insulinabgabe auf Knopfdruck, Basalabgabe für jede Stunde genau eingestellt und Bolus, der in verschiedenen Verzögerungen abgegeben werden kann, das alles ist super. Aber gehört das wirklich zu mir? Zurzeit habe ich die Kanüle an den Flanken sitzen, das ist schon ein besseres Gefühl als vorher zum Beispiel am oberen Bauch. Sobald ich die Pumpe, nicht die Fernbedienung, in der Hand habe, kann ich mir nicht vorstellen, für immer mit einem Gerät verbunden zu sein. Ich hätte vorher nicht gedacht, dass das Gefühl mit Pumpine so ein anderes ist als das mit dem FreeStyle Libre. Vielleicht wäre es anders, hätte ich mich doch für eine schlauchlose Pumpe entschieden? Bin ich zu ungeduldig, um mich auf das alles einzulassen?

Wie sich die Beziehung zwischen Pumpe und mir weiterentwickelt und was mich an der Beschaffung von dem Pumpenzubehör irritiert, lest ihr bald!

→ Die anderen Beiträge dieser Reihe findet ihr hier: Teil #1Teil #2Teil #3Teil #4Teil #5.1Teil #5,2 und Teil #6 

 

2 Kommentare zu “Diabetes-Momente zwischen Kampf und Liebe – die ersten Tage mit meiner Pumpine (Teil #3)

  1. Hallo Katharina!
    Habe alle Deine drei Bloggs gelesen! Für meine Tochter Sabine wäre aus medizinischen Gründen eine Pumpe wohl ideal, damit sie immer die richtige Insulinmenge bekommt, nicht mehr nach jedem Essen spritzen muss und so die Gefahr von Hypos wegfallen! Wenn ich mir aber Deine Berichte so durchlese, verstehe ich warum Sabine eine Pumpe ablehnt! Ich weiß nicht ob sich der Aufwand u. die Unannehmlichkeiten lohnen würde! Sabine hatte ganz am Beginn ihrer Krankheit, beim einstellen des BZ im Spital, eine Pumpe u. das hat damals nicht so wirklich geklappt!
    Ich bin neugierig auf Deine weiteren Berichte und wünsche Dir alles Gute!

    1. Hallo Harald!
      Ich denke, es ist ganz individuell, ob und wann jemand bereit ist, mit einer Pumpe “zu arbeiten”. Ebenso denke ich, dass die meisten, die sich dazu entschieden haben, nach einiger Zeit sehr glücklich mit der Pumpe sind – so wie ich es auch bin. Ich habe diese Unsicherheiten der ersten Wochen geteilt, um auf das aufmerksam zu machen, was eben kommen kann und vielleicht, um zu helfen, schon vorher darauf vorbereitet zu sein. Ich wollte auf keinen Fall Angst und Schrecken verbreiten. Inzwischen habe ich die Pumpe fast 3 Monate und kann mit all den neuen Umständen sehr gut und entspannt leben, was ich mir über 7 Jahre eben gar nicht vorstellen konnte. Und insbesondere bei den Hypos hat mir die Umstellung auf die Pumpe auch viel geholfen.
      Ich wünsche dir und deiner Tochter auch alles Gute!

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