Fast ein Jahr mit Pumpine – War’s das schon? Teil #6

Katharina ist im Mai 2016 von der ICT auf die CSII umgestiegen und hat seitdem einige Hochs und Tiefs mit ihrer Pumpine erlebt. Für sie hat sich der Wechsel trotzdem gelohnt, auch wenn die Krankenkasse das anders sieht.

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Wenn ich aktuell auf meine Pumpe angesprochen werde oder von mir aus davon erzähle bzw. schreibe, steht ein Thema immer im Vordergrund: die Ablehnung der weiteren Kostenübernahme durch die Krankenkasse. Obwohl ich irgendwie damit gerechnet hatte, war der Moment, in dem ich die Entscheidung schwarz auf weiß hatte, wirklich schwer zu verdauen – und kostete mich ein paar Tränchen.

Ablehnung

Die letzten Monate mit meiner Pumpine liefen gut – ich denke, dafür, dass ich keine Bauchspeicheldrüse bin, manage ich die Insulinversorgung für meinen Körper ganz akzeptabel. Ich bin viel weniger unterzuckert – vor allem nachts – und kann inzwischen Pizza mit einem verzögerten Bolus abdecken, ohne blutzuckermäßig total abzudriften.

Mein HbA1c liegt allerdings nahezu unverändert bei 7,5 %. Für mich ist das kein großes Problem, der Medizinische Dienst der Krankenversicherung (MDK) nimmt dies aber als Grund, meinen Diabetes als schlecht eingestellt einzustufen, und das wiederum bedeutet für meine Krankenkasse, dass es sich nicht lohnt, mir die Insulinpumpentherapie (CSII) weiterhin zu bezahlen und verweist auf den Wechsel zurück zur intensivierten konventionellen Therapie mit Insulinpen (ICT).

Ich hatte Zweifel – aber die Pumpe hat mich überzeugt

Lange bevor ich mich dazu entschieden hatte, eine Insulinpumpe zu beantragen, hörte ich immer von allen Seiten – von Ärzten oder Betroffenen – dass kaum einer den Schritt zur Pumpe bereue und dass der Wechsel so viele Vorteile für die individuelle Diabetes-Therapie bedeute. Ich habe daran gezweifelt, weil ich, wie in den ersten Teilen meiner Pumpine-Reihe beschrieben, die Pumpe für einen Krankheitsmarker hielt. Aber ich wurde überzeugt. Und zwar nicht von den Stimmen der anderen, sondern von meiner eigenen Erfahrung.

PumpePen

Wir alle wissen, wie viele Faktoren die Blutzuckerwerte beeinflussen. Neben Essen, Bewegung, Gesundheitszustand (physisch oder psychisch) und vielen anderen Dingen ist es eben auch der Hormonhaushalt, der da mächtig mitmischt.

Nachdem ich im August letzten Jahres die Antibabypille abgesetzt habe, wurde mir das von meinem Körper noch einmal extra deutlich gemacht. Bis mein natürlicher Zyklus sich einigermaßen eingespielt hatte – und das ist noch nicht lange her – hatte ich teilweise unberechenbare Blutzuckerwerte, die ich nicht innerhalb weniger Tage in den Griff bekommen konnte. Es hat Wochen gedauert, um ein Schema zu erkennen und daraus schließen zu können, wann ich die Basalrate auf 140% setzen und wann ich sie wieder absenken sollte. Inzwischen läuft es ganz gut. Aber was soll ich machen, wenn ich wieder nach der ICT spritze und keine in dieser Form flexible Basalrate zur Verfügung habe? Ich weiß es nicht. Und es macht mir wirklich etwas Angst, plötzlich vor diesem Problem zu stehen.

Ich bin keine Bauchspeicheldrüse

Genau diesen Punkt habe ich auch in meinem eingereichten Widerspruch genannt. Neben einer weiteren Sache, die die perfekte Einstellung meines Diabetes deutlich erschwert: meine Multiple Sklerose. Ich lebe fast durchgehend mit erhöhten Entzündungswerten im Blut. Je nachdem, wie stark diese gerade schwanken, schwankt natürlich auch mein Blutzucker. Und in dem Fall kann ich nichts anderes tun als handeln, wenn es so weit ist. Ich kann dem nicht vorbeugen, ich kann nicht hellsehen, ich bin keine Bauchspeicheldrüse, ich kann nicht den Job eines ganzen Organs perfekt ausüben. Schon gar nicht, wenn ich nebenher auch noch ein bisschen leben möchte. Aber ich gebe doch mein Bestes. Schließlich geht es um nichts anderes als mich selbst, wenn es um meine Gesundheit geht.

Medizinisches Equipment oder ein Smartphone?

PumpeSmartphone

Neben den ganzen Vorteilen für die Therapie hat die Pumpe noch einen ganz anderen Aspekt für mich: Der Diabetes ist viel unsichtbarer geworden. Es ist das Gegenteil von dem, was ich früher dachte. Aber durch das Abgeben des Bolus durch den Diabetesmanager (die Fernbedienung zur Pumpe) fällt es kaum noch auf, wenn man nebenher mit dem Diabetes beschäftigt ist. Eher fällt man als unhöfliches Gegenüber auf, das nebenher an seinem Handy spielt – so modern kann Diabetes-Zubehör inzwischen aussehen. Ich kann mir in diesem Moment überhaupt nicht vorstellen, mir wieder ständig eine Pen-Nadel in den Bauch und in die Beine zu piksen. All die blauen Flecken, die ich immer hatte, vermisse ich nicht wirklich. Außerdem sind da auch immer noch meine Lipohypertrophien an meinem Bauch, die einen Großteil der möglichen Spritzstellen bedecken.

Ich bin nicht bereit für den Schritt zurück zur ICT. Ich bin nicht bereit für den Rückschritt.

Die bisherigen Teile meiner Pumpen-Beitrags-Reihe findet ihr hier: Teil #1, Teil #2, Teil #3, Teil #4, Teil #5.1, Teil #5.2

 

Screenshot5.2

Die Schwierigkeiten, die ich dort teilweise beschrieben habe, sind alle nicht mehr aktuell. Das Problem mit den nicht halten wollenden Kanülen war ja zum Glück recht schnell gelöst, aber auch die Problematik, mich beim Schlafen von der Pumpe belästigt zu fühlen, hat sich gelegt. Und der Ärger darüber, so viel mehr Insulin zu verschwenden als bei der ICT, hat sich auch gelegt. Schließlich habe ich völlig vergessen gehabt, dass ich beim Pen vor jeder einzelnen Injektion 2 E Insulin in die Luft abgegeben habe, um zu sehen, ob alles richtig funktioniert.

Warum ich mich für das Accu-Chek Insight-Insulinpumpensystem entschieden habe und wie ich heute dazu stehe, könnt ihr hier lesen.

Magst Du alle Teile der Serie lesen? Dann geht es hier weiter: 

Teil #1Teil #2Teil #3Teil #4Teil #5.1Teil #5,2, Teil #6 und Teil 7

 

6 Kommentare zu “Fast ein Jahr mit Pumpine – War’s das schon? Teil #6

  1. Unglaublich, dass man dir die Pumpe nicht dauerhaft genehmigt. Ich hoffe, dass du dich nicht unterkriegen lässt und weiter für deine Pumpe kämpfst. Leben mit Pumpe ist so viel leichter und führt zu besserer Einstellung. Jeder Diabetiker sollte eine Pumpe bekommen, wenn er denn möchte. Ich drücke dir die Daumen, dass alles gut ausgeht. Liebe Grüße Klaus

  2. Liebe Katharina, ich kann dich sehr gut verstehen. Ich habe seit Februar auch eine Pumpe und meine Werte sind stabiler geworden, mein HbA1c allerdings unverändert (wenn auch bei 6.4%)… Ich habe auch Angst, dass meiner Krankenkasse bzw.dem MDK das nicht reichen könnte… Den Schritt zurück zum Pen kann ich mir wirklich nicht vorstellen, auch, wenn ich das vorher nie gedacht hätte.
    Dir wünsche ich ganz viel Erfolg für die Genehmigung und dass man doch noch ein Einsehen hat! Es ist so traurig, dass etwas so Gutes nicht jedem Diabetiker (zumindest denen, die sich ernsthaft darum kümmern) zur Verfügung gestellt wird :/
    Liebe Grüße
    Caro

  3. Hallo Katharina,
    Ich kenne dein Problem sehr gut, denn als ich 2007 meine Pumpe bekam war alles sehr einfach, aber nach 3 Monaten sagte die KK, dass die ICT noch nicht ausgeschöpft sei und mir die Pumpe daher nicht genehmigt wurde. Dann habe ich Widerspruch eingelegt. Als auch das nichts geholfen hat, habe ich das ganze rechtliche über den VDK laufen lassen, die gegen die KK für mich geklagt haben und dann auch vor das Sozialgericht sind. Nach vier Jahren habe ich dann die Pumpe endlich genehmigt bekommen. In der Zwischenzeit habe ich die Pumpe aber die ganze Zeit weiter benutzen können, was zu Beginn mit der Kulanz von Medtronic zusammenhing, dann wurde aber auch darüber entschieden, dass ich die Materialen währen des Prozesses weiterhin bekomme.

    Ich wünsche dir auf jeden Fall viel Erfolg im Kampf für deine Pumpe!
    Gerne kann ich dir mit meinen Erfahrungen auch Tipps geben.

  4. Hi Katharina!
    ich weiß gar nicht was die Krankenkasse will?
    “Mein HbA1c liegt allerdings nahezu unverändert bei 7,5 %.”
    Das ist doch prima! Meinen die, in aller Ernst, daß Du z.B. 6,0 bekommen solltest? Wie drollig!
    Ich scheine nicht so richtig unter 8,0 zu kommen nach 8 Monate Pumpe (MiniMed 640–meine 1.). Und keiner kann mir sagen, ob die Entgleisungen (immer stark Richtung 300) an eine Verstopfung, defekte Pumpe (darf noch nicht um eine CGM fragen), Verhärtungen oder was auch immer liegen.
    Es ist zum Verzweifeln.
    Schöne Grüße—Harald

  5. Liebe Kathrin,
    nicht verzweifeln!! Sofort Widerspruch einlegen. Die Frist dazu beträgt 4 Wochen. Am Besten schon mit der Unterstützung eines der beiden großen Sozialverbände (VDK oder Sozialverband Deutschland). Das Problem bei der Therapie mit der Insulinpumpe ist dort sattsam bekannt. Es gehört bei einer Reihe von KK leider zur schlechten Gewohnheit nur auf Widersprüche und Klagen zu reagieren.
    Bei der Begründung des Widerspruchs musst du versuchen dich in die Sichtweise der KK hinein zu denken und immer bedenken dort möchte man nicht zahlen. Wenn aber die Werte stabiler werden und nächtliche Unterzuckerungen stark vermindert sind kommt z. B. nicht so häufig zu einer Arbeitsunfähigkeit am nächsten Tag. Mein HbA1c hat sich damals erst nach über einem Jahr so richtig eingependelt. Ich habe meinen Diabestes jetzt 60 Jahre und meine Eltern und später ich haben immer kämpfen müssen um den Fortschritt nutzen zu können. Hat immer geklappt. also :Mut
    Viel Erfolg Susanne

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