10 Diabetes-Momente mit Pumpine – vom Einleben zum Erleben (Teil #5.1)

Seit dem 10. Mai 2016 trägt Katharina die Accu Chek Insight Insulinpumpe, ihre Pumpine. Das sind inzwischen über drei Monate, in denen aus dem Einleben als Pumperin ein abwechslungsreiches Erleben geworden ist.

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Die ersten vier Wochen berichtete ich in der Beitragsreihe „Diabetes-Momente zwischen Kampf und Liebe – die ersten Tage mit meiner Pumpine“ (Teil #1, Teil #2, Teil #3, Teil #4) noch von der Therapieumstellung, die nicht nur mit der Anpassung der Insulindosis zu tun hatte, sondern auch viel in meiner Wahrnehmung im Bezug auf den Diabetes und mein Leben damit veränderte. Heute setze ich die Reihe mit Teil 5.1 und den ersten 5 von 10 Momenten als Pumperin fort.

BolusMultiVerz

  1. Die „Aha-Momente“. Ich habe ein anderes Verständnis für den Einfluss von Lebensmitteln auf den Blutzucker, insbesondere in Berücksichtigung der Fett-Protein-Einheiten, entwickelt. Mindestens einmal pro Tag nutze ich den Multiwave- (Kombination aus normaler und verzögerter Abgabe) oder den verzögerten Bolus, weil es sich bei so vielen Lebensmitteln bzw. zubereiteten Mahlzeiten anbietet. Solange ich mit dem Pen meinen eigenen „Möchtegern Verzögerten Bolus“ gebastelt habe, indem ich die Insulindosis gesplittet und mit einem gewissen Abstand dazwischen gespritzt habe, nutze ich das bei Pizza oder in Situationen, in denen ich nicht alles auf einmal gegessen habe, wie beim Grillen oder einem großen Frühstück. Jetzt gibt es für Kartoffeln mit Quark, Müsli mit (fettem) Joghurt oder auch beim Essen nach einer Hypoglykämie keinen normalen Bolus mehr.
  2. Die „Aua-Momente“. Nein, die Kanüle an sich oder gar das Setzen von dieser sind nicht schmerzhaft. Aber das (ungewollte) Entfernen davon schon! Super Möglichkeiten, sich die Kanüle rauszureißen, findet man nicht nur beim Klamotten an- oder ausziehen. Besonders gut klappt das auch, wenn man an Möbelstücken (beispielsweise dem Griff einer Schublade) hängen bleibt. Außerdem reiße ich mir die Kanüle nicht immer gleich raus, manchmal klappt der Adapter um, der dafür sorgt, dass die Kanüle in einem 90°-Winkel unter meiner Haut sitzt.Katheter-umgeklappt
  3. Die „Hä-Momente“. Nicht, dass mein Körper im Allgemeinen wenig Platz (Hautoberfläche) bietet, aber mir gehen die Kanülen-Stellen aus – und das schneller als gedacht. Insbesondere dadurch, dass mein gesamter Bauch als mögliche Setzstelle wegfällt. Alles direkt um den Bauchnabel und darunter ist wegen Lipohypertrophien gesperrt. Alles, was höher ist, verschwindet im Sitzen in einer Bauchfalte und dabei knickt die Kanüle oder der Schlauch ab. Ich strenge mich sehr an, keine neuen Lieblingsstellen zu überlasten, und probiere ein wenig herum.
    Der (äußere) Oberarm: absolut nicht meine erste Wahl, weil die Haut da sicher genug mit dem Pflaster vom FGM zu tun hat, aber einen Versuch wert. Es blieb allerdings bei genau dem einen Versuch. Der aus dem Ärmel kommende Schlauch irritierte mich bei Bewegungen sehr. Der Bauch: wie schon gesagt, problematisch wegen Fettröllchen und Lipos. Die Flanken: waren auf dem Weg zur neuen Lieblingssetzstelle. Ich musste mit der Stelle etwas aufpassen, da es sonst mit dem Hosenbund zu Eskalationen kommen konnte, aber sonst alles super. Das obere Gesäß/der Po: Klingt das für euch auch so befremdlich? Ich war erst sehr abgeneigt, aber als ich merkte, dass ich keine anderen Ideen mehr hatte, probierte ich es aus und muss sagen, dass das echt gut klappt. Bequem, relativ (abreiß-)sicher und gute Insulinverwertung.KatheterBein
    Die Oberschenkel: An der seitlichen Vorderseite der Garant dafür, mir die Kanüle rauszureißen, wenn auch sonst absolut angenehm zu tragen. Für Leute, die Schubladen nicht mit den Beinen einen Schubs geben, um diese zu schließen, aber sicherlich auch eine Empfehlung! Die seitliche Rückseite der Oberschenkel ist meine Neuentdeckung und ich liebe es sehr! Meistens lasse ich die Pflasterreste der entfernten Kanüle dran, um einen Anhaltspunkt zu haben, nicht zu nah an der Stelle direkt wieder ein Infusionsset zu setzen. Was ich leider nicht hinbekomme, und schon während der ICT immer versucht habe, ist, mir ein „Wechsel-Schema“ zu erstellen. Ich kenne die Grafiken und Tipps dazu und trotzdem handele ich nicht danach.
  4. Die „Ih-Momente“. Sowohl zu Anfang, als ich selbst ganz aufgeregt wegen der neuen Situation als Pumperin war und deshalb die Pumpe jedem zeigen wollte, als auch jetzt, wo es für mich so normal geworden ist, sie am Körper zu haben, reagierten Menschen darauf anders, als ich dachte. Und zwar mit Ekel. Oder zumindest einer Überforderung, die sie mit „Ih“ äußern. Und das, bevor sie den Katheter gesehen haben o.ä., sondern nur als Reaktion auf „Willst du mal sehen?“ oder wenn ich darauf antwortete, wie genau das jetzt funktioniert. Sorry, dass ich auf Medikamente angewiesen bin und Gefühle habe. Aber „Ih“ ist keine schöne Aussage.
  5. Die „Jippie-Momente“. Das HbA1c ist tatsächlich in den ersten beiden Monaten um 0,2% gesunken – und das mit weniger Hypos als vorher. Yay! Ich habe den Weg von „Wie fremd das alles ist“ zu „War es je anders?“ ziemlich gut gemeistert.

In den Punkten 6-10 erfahrt ihr unter anderem, warum ich auf einmal zu einer unhöflichen Gesprächspartnerin mutierte und warum einige Leute denken, eine Insulinpumpe wäre mit einer künstlichen Bauchspeicheldrüse gleichzusetzen.

Magst Du alle Teile der Serie lesen? Dann geht es hier weiter:

Teil #1Teil #2Teil #3Teil #4Teil #5.1Teil #5,2, Teil #6 und Teil 7

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