Mein persönlicher Endgegner – ein Magen-Darm-Infekt und der Diabetes

Ein Magen-Darm-Infekt, das ist wohl nicht das schönste Thema, das man sich zum Lesen aussuchen würde. Allerdings wichtig, wenn es um die Handhabung eines solchen Infekts im Zusammenspiel mit einer Diabetes-Erkrankung geht, findet Olivia und sucht dabei Tipps in der Community.

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Eigentlich sollte dieser Beitrag über meine persönlichen Wechselwirkungen zwischen dem jahrelang genutzten Insulin NovoRapid und dem Insulin Fiasp informieren. Allerdings gibt es zu diesem Thema schon sehr viele tolle und einzigartige Beiträge in der Blood Sugar Lounge, sodass ich zu dem Ganzen gar nichts mehr hinzufügen möchte.

(P.S.: Meine Erfahrungen sind übrigens 1:1 dieselben wie bei Marcel und psssst: mittlerweile bin ich wieder #teamnovorapid.)

Warum also jetzt ausgerechnet der Magen-Darm-Infekt in Kombi mit dem Diabetes als Thema?

(Ich habe für euch alle Bilder einmal in Schwarz-Weiß gehalten,
denn nicht jeder Diabetiker kann auch gleichfalls gut Blut sehen.) Quelle: Olivia Peters

Kommen wir aber nun zu meinem Thema, das definitiv keine Erheiterung hervorruft. Diabetes und ein Magen-Darm-Infekt, mein persönlicher Endgegner. Vor keinem Infekt graut es mir mehr als diesem. Nie war ich öfter im Krankenhaus als auf Grund eines Magen-Darm-Infekts. Diesem blöden Infekt, welcher jedes Mal aufs Neue meinen Diabetes und mich an den Rand des Wahnsinns treibt.

Und jährlich grüßt das Krankenhaus…

Leider liege ich fast jährlich einmal im Krankenhaus. Glücklicherweise noch nie grundlegend nur wegen des Diabetes. Auch nicht immer nur wegen eines Magen-Darm-Infekts. Einmal hatte ich zum Beispiel eine Rippenfellentzündung, auch nicht allzu „lustig“, kann ich euch sagen. 
Allerdings ist mein Körper generell bei einem Infekt oder einer Krankheit eine kleine Pfeife. Beziehungsweise vertragen sich ein Infekt und der Diabetes bei mir einfach nie miteinander. Es artet deshalb so aus, dass ich entweder den Diabetes nicht mehr kontrolliert bekomme oder der Infekt überhandnimmt. Kritisch wurde es dabei eigentlich immer nur bei dem berühmt-berüchtigten Magen-Darm-Infekt.

Deshalb schreibe ich auch diesen Beitrag hier und hoffe, dass es in dem wilden Kosmos da draußen vielleicht Gleichgesinnte gibt, denen es genauso ergeht. Denn dann freue ich mich jetzt schon über jeden gut gemeinten Tipp, sodass wir nie wieder auf Grund von „Magen-Darm“ ins Krankenhaus müssen! 🙂

Quelle: Olivia Peters

Der Magen-Darm-Infekt ist ein klassisches Beispiel für einen Infekt, den ich bisher in meinen gesamten ca. 14 Diabetes-Jahren nur einmal ohne Krankenhaus-Aufenthalt geschafft habe. Mein ganz persönlicher Erzfeind also. Bei diesem Infekt schreit mein Körper auch förmlich „HIER“, sobald „Magen-Darm“ mal wieder rumgeht. Och, was hasse ich es. Letztes Jahr kurz vor Weihnachten war es leider wieder einmal so weit. Meine Story begann allerdings ungewöhnlich…

Frisch tätowiert und gepierct, also doch kein Magen-Darm-Infekt?

Quelle: Olivia Peters

Zuletzt hatte ich mich nämlich gerade frisch tätowieren und piercen lassen, alles an einem Tag, innerhalb von 10 Minuten Zeitunterschied. Deswegen dachte ich auch nicht im Geringsten darüber nach, einen möglichen Magen-Darm-Infekt in mir auszubrüten. Lieber schob ich alles auf das Offensichtliche: das neue Tattoo und das frisch gestochene Piercing. Nach vielen Schmerztabletten (selbstverständlich im angemessenen Rahmen und auch immer gemäß der täglichen Maximaldosis) ging es mir weiterhin furchtbar. Trotz erhöhter Temperatur und absoluter Übelkeit sowie sehr wenig Nahrungsaufnahme und furchtbarer außer Rand-und-Band-Blutzuckerwerte ging ich weiterhin auch brav arbeiten. Ich dachte ja, ich sei selbst schuld an diesem körperlichen Zustand, und kam noch nicht auf die Idee, dass es ein Infekt sein könnte.
(Kleiner Tipp am Rande: Seid nicht so doof wie ich und marschiert lieber direkt zum Arzt. Danke!)

Die Blutzucker-Werte hatte ich zu dem Zeitpunkt, wie gesagt, bereits komplett abgeschrieben. Meine Symptome, Schmerzen und Beschwerden schob ich über Stunden weiterhin wohlwollend auf das neue Piercing und das Tattoo. (Den beiden „Neulingen“ ging es allerdings recht gut, daher hätte es, rein faktisch, also gar nicht kommen können.) Es kam irgendwann, wie es kommen musste, ich ließ die ganzen Tabletten eines Abends aus lauter Verzweiflung und trotz anhaltender Beschwerden komplett weg.

Quelle: Olivia Peters

Nicht die schlauste Idee, aber es war eine Idee

Zu spüren bekam ich die volle Ladung Infekt deshalb, als ich in der folgenden Nacht aufwachte und wusste: Du brauchst jetzt Hilfe, ansonsten war’s das! (Klingt dramatisch, war es auch. Im Nachhinein kann ich allerdings sagen, ich wäre sicherlich nicht gestorben. Zu dem Zeitpunkt fühlte es sich allerdings so an, als wenn es jederzeit so weit sein könnte. Wie das Empfinden nun einmal so ist, nachts, müde, krank und alleine.) Um ganz genau halb 3 Uhr nachts war mein Blutzuckerwert bei 18,0 mmol/l (324 mg/dl). Laut meinem FreeStyle-Libre-Sensor hing ich bereits schon vorab ca. sechs Stunden in diesem schwindelerregenden Blutzucker-Bereich ab. Wieso ich nicht deutlich eher aufgewacht bin, ist mir bis heute ein Rätsel…

Der Wert von 18,0 mmol/l (324 mg/dl) ist ganz klar ein hoher Wert, der auch definitiv keinen Spaß mehr macht, tagsüber und bei vollem Bewusstsein. Ohne Krankheit bekomme ich solch einen Ausrutscher allerdings noch ganz gut gebändigt.

In dieser Nacht war dem nicht mehr so. Ich hatte so starken Schüttelfrost, dass ich kaum das Telefon in der Hand halten konnte, mit welchem ich mir höchstpersönlich den Krankenwagen rief. (Das nenne ich auch mal eine einmalige Lebenserfahrung.) Mir war so furchtbar übel, dass ich genau wusste, würde ich jetzt auch nur ansatzweise erbrechen, wäre ich nach wenigen Minuten eine leere Hülle Mensch, welcher sich in der tiefsten Hypoglykämie befunden hätte. Denn Übelkeit, Erbrechen und diese körperliche Anstrengung lassen meinen Blutzucker IMMER von 100 auf Null fallen, innerhalb nur weniger Minuten. Ja, wenn ich eins über „Magen-Darm“ in Bezug auf den Diabetes und mich gelernt habe, dann: Lass es bloß nicht raus, danach folgt nur Graus. 😉

Hallo Magen-Darm-Infekt, ich hasse dich!

Zu dem Zeitpunkt, nachts um 3 Uhr, war mir dann mittlerweile auch klar: Hallo Magen-Darm-Infekt, ich habe dich nicht vermisst und ich hasse dich immer noch. Nach den etwas panischen Minuten über Nacht sowie meinem bisher einmaligen und einzigen Anruf unter der Nummer 112 folgte das übliche Prozedere. Ich wurde von drei wirklich netten Sanitätern im Krankenwagen ins nächste Krankenhaus transportiert. Dort bekam ich dann insgesamt drei Mal eine Kochsalzlösung in Verbindung mit Vomex. Einem Mittel gegen Übelkeit und Erbrechen. Meine Blutzuckerwerte hatten ebenfalls keine Lust mehr, auch nur im Geringsten mitzuspielen, und waren dauerhaft hoch. Sprich, weiterhin im Bereich von 15,0-17,0 mmol/l (270-306 mg/dl).

Nach insgesamt 12 Stunden Krankenhaus-Aufenthalt habe ich mich schlussendlich selbst entlassen. Selbstverständlich nicht, weil es mir wieder blendend ging, sondern weil ich absolut kein Fan von Krankenhäusern bin. Ich wollte mich einfach zuhause auskurieren. Dies gelingt mir besser alleine anstatt mit drei weiteren Patienten in einem Vier-Bett-Zimmer. Mittlerweile hatte ich auch genügend Flüssigkeit in meinem Körper, die Blutzuckerwerte haben sich im Bereich von 10,0-12,0 mmol/l (180-260 mg/dl) eingependelt und ich traute mir meine eigens beschlossene Entlassung zu. Nach insgesamt einer Woche Ausruhen und Auskurieren war ich dann pünktlich zum zweiten Weihnachtsfeiertag 2018 wieder unter den „Lebenden“. Weihnachten habe ich dementsprechend nur so semigut miterlebt, das Essen hatte ich auch verpasst, aber wenigstens war ich wieder topfit und meine Werte hatten sich wieder komplett eingependelt.
Danke „Magen-Darm“.

#communitybeitrag

Quelle: Olivia Peters

Alles in allem ist dieser Beitrag kein Beitrag, der motiviert, begeistert, anregt oder inspiriert. Mit diesem #communitybeitrag möchte ich die Blood-Sugar-Lounge-Community und alle anderen Leser aufrufen, sich auszutauschen. Denn ich bin mir sicher, egal ob Typ-1-, Typ-2-, Typ-F- oder gar kein Diabetiker – ein Magen-Darm-Infekt ist der Graus und jeder gut gemeinte Tipp, diesen Infekt einigermaßen im Rahmen halten zu können, ist Gold wert!

Also, auf geht’s Community – ich zähle auf euch und bin gespannt darauf, von euch, in einem Kommentar unter dem Beitrag, zu lesen.

P.S.: Dem Piercing und dem Tattoo geht’s übrigens blendend, das nächste Tattoo ist schon in Planung! ☺


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