Diabetes im Urlaub: Ein Haarriss in der Insulinpumpe

Endlich eine Auszeit! Heike war mit ihrer Familie in Italien und die Urlaubsstimmung lies nicht lange auf sich warten. Bis zu dem Moment, in dem ihre Insulinpumpe nach dem Baden einen kritischen Fehler meldete.

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[Dieser Beitrag entält unbeauftragte Produkt- und Markennennung.]

Endlich wieder ein verlängertes Wochenende! Unsere Familie hat die Tage genutzt und ist zum Ledrosee in Italien gereist. Ich als Diabetiker-Mama habe an alle Sachen für meine Familie gedacht. Mich selbst als Diabetikerin aber leider vernachlässigt…

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Der Ledrosee ist ein Bergsee in der Nähe des Gardasees in der italienischen Provinz Trient. Er lädt mit italienischem Flair in den Bergen zum Wandern und auch zum Schwimmen ein. Ausgezeichnet ist der See auch für Hundebesitzer wie mich, denn es gibt extra Badestrände für Hunde.

Quelle: Heike Wolf

Ich trage eine „wasserdichte“ Medtronic Pumpe vom Typ 640G. Mit beim Wasserspass dabei waren natürlich auch mein Mann, unsere Tochter und meine Schutzhündin Daphne. Als es dann zum Baden ging, habe ich die „wasserdichte“ Pumpe in Urlaubsstimmung leider nicht abgelegt. Als wir zurück ins Hotel kamen, meldete meine Pumpe durch permanentes Piepsen eine bedrohliche Warnung.

Urlaubsstimmung und Pumpen-Warnung

Ich bin als erfahrene Diabetikerin meist etwas gelassener in kritischen Situationen. Zuerst hatte ich meinen Blutzucker getestet und dann die Batterieleistung der Pumpe angeschaut. Alles schien ok.

Quelle: Heike Wolf

Was jetzt? Bei Medtronic gibt es glücklicherweise einen 24-Stunden-Sevice, bei dem man jederzeit bei Bedarf anrufen kann. Leider funktionierte die österreichische Nummer in Italien nicht. Langsam wurde ich etwas unruhiger. Im Internet fand ich – wohl vor lauter Aufregung – auch nicht die internationale Nummer. Zum Glück habe ich ein großes Netzwerk an Diabetes-Bekannten, die mir die Auslands-Hotline per WhatsApp zuschickten.

Eine „wasserdichte“ Pumpe mit Wasserschaden

Ich wurde immer nervöser. Denn ohne Insulin können wir Diabetiker nicht  allzu lange überleben! Nun telefonierte ich rasch und erreichte die Auslands-Hotline von Medtronic, die sich in Deutschland befindet. Telefonisch stellten der Berater und ich fest, dass die Pumpe einen Wasserschaden hatte. Die Pumpe war komplett defekt! Ursache: Der Berater wies mich darauf hin, die Hülle meiner Pumpe nach Haarrissen abzusuchen. Und ich entdeckte einen winzigen Haarriss an der Rückseite meiner Pumpe.

Quelle: Heike Wolf

Wenn eine 640G-Pumpe auf den Boden fällt (bei mir passiert es manchmal, wenn ich mich anziehe), kann ein leichter Haarriss an der Plastikhülle der Pumpe entstehen. Die Pumpe ist dann nicht mehr wasserdicht. Hier ein großer Dank an den schnellen Service von Medtronic! In 24 Stunden sollte eine Ersatzpumpe geliefert werden. Aber eben erst in 24 Stunden…

Meine persönliche Notversorgung

Bis dahin brauchte ich ein Ersatzinsulin. Im Urlaub ist es unabdingbar, Ersatzpens und auch Nadeln mitzunehmen. Ich hatte leider nur ein kurzwirksames Insulin dabei. Meine persönliche Lösung in der Not war, dass ich mich alle 3 Stunden mit einer kleinen Menge an Kurzzeitinsulin versorgte. Auch in der Nacht stellte ich mir den Wecker. Zudem testete ich den Blutzucker alle 2 Stunden. Auf meinem Speiseplan standen zudem nur wenige Kohlehydrate. Die Strategie ging auf. Und meine Werte hielten sich trotz dieses Wechsels von Pumpe auf Pen im optimalen Bereich. Dennoch ist dieses Vorgehen keine Empfehlung für andere Menschen in so einer Situation!

Anbei nochmals meine neue persönliche Checkliste für den Sommerurlaub:

  • Notfall-Nummer von Medtronic / Ausland: 0049 21598149370
  • Kühltasche für Insulin (Ich persönlich empfehle hier Frio-Taschen)
  • Insulinpen oder Insulinampullen mit Langzeit- und Kurzzeitinsulin
  • ausreichend Infusionssets und Reservoirs
  • Glucagonspritze
  • Traubenzucker
  • Batterien für die Pumpe
  • Blutzucker-Teststreifen
  • Desinfektionsmittel
  • Wattepads zum Desinfizieren

Was ich aus diesem Vorfall lerne

Dieses Erlebnis war für mich ein Warnschuss für meinen kommenden etwas größeren Urlaub. Ich werde meine Pumpe, obwohl sie wasserdicht ist, nicht mehr beim Baden tragen. Die Gefahr, dass sie doch einen unbemerkten Haarriss hat, ist mir zu groß. Zu Hause habe ich mir ebenfalls sofort neue Kühltaschen für mein Insulin bestellt und wieder ausreichend neue Insulinampullen mit Kurzzeit- UND Langzeitinsulin besorgt. Ich war nach diesem Erlebnis sehr unsicher, ob ich mich nicht besser vorbereiten hätte können. Anweisungen findet man ja zur Genüge. Neben dem Job und meiner Familie habe ich die Notfallnummer einfach vergessen und auch kein Langzeitinsulin für die paar Tage mitgenommen.

Habe ich grob fahrlässig gehandelt?

Zum Glück ist alles nochmal gut ausgegangen. Habt ihr auch schon vergleichbare Schrecksekunden erlebt?


Ramona hatte auch bereits einen großen Schreckmoment während einer Reise: Sie hat ihr Insulin vergessen: Insulin vergessen im Urlaub: Was tun im Worst Case?

6 Kommentare zu “Diabetes im Urlaub: Ein Haarriss in der Insulinpumpe

  1. Hallo Heike,

    kenne ich so nicht, da ich immer zwei Ampullen Insulin bei meinem Dia-Kram dabei habe (also auch Basal), aber bzgl. “Schrecksekunde” das hier:

    Als ich vor gut 20 Jahren noch “Actrapid” gespritzt hatte, war ich so leichtsinnig vor dem Kantinen-Essen Insulin zu spritzen (gut das Zeug dauert ja auch ne halbe Ewigkeit bis es “ankommt”), ca. 8 Einheiten und dann zur Kantine mit dem Aufzug zu fahren.

    Es kam so, wie es kommen musste, der blöde Aufzug blieb 30 Minuten stecken und ich hatte nur 0.5 BE Traubenzucker in der Hosentasche (normal habe ich immer gut 5 BE TZ dabei).

    Da hatte ich echt Angst.

    CGM gab es nicht und das BZ-Messgerät lag im Büro.

    Ging alles gut, zum Glück war es “nur” Actrapid und kein Analog-Insulin.

    Gruß, Matthias

  2. Medtronic bietet auch die Möglichkeit eine Pumpe für den Urlaub auszuleihen. Das genaue Procedere kenne ich nicht, weil ich es noch nicht gemacht habe. Ich habe aber schon darüber gelesen.

  3. In solch eine Situation darf man als Diabetiker nicht geraten. Jeder Pumpenträger solllte irgendwo noch sein Pumpenvorgängermodell von Roche oder Medtronic etc. als Notfallpumpe aufbewahrt und dabei haben.
    Ein paar Notfallpatronen dürfte man auch verwahrt haben.
    Dann kann man gelassen bei derRückkehr zu Hause das Nötige erledigen und der Urlaub kann gelassen genossen werden.

  4. Lieber Peter, du hast natürlich Reecht mit deiner Aussage: In solch eine Situation darf man als Diabetiker nicht geraten … Wir DiaetierInnen sind jedoch auch alle nur Menschen. Und Menschen machen auch mal Fehler. Aber aus Fehler lernt man, oder? Genau deswegen habe ich meine Geschichte hier veröffentlicht. Liebe Grüsse aus Innsbruck, Heike

  5. Falls es dir zumindest ein wenig Trost schenkt – über gemeinsame Dummheiten lacht es sich ja meistens ganz gut – mir ist vor zwei Jahren fast genau das selbe passiert. Im Urlaub mit der Familie, kleinen Ausflug ins Wasser und schon segnete die Pumpe das Zeitliche. Und natürlich hatte ich kein Basalinsulin dabei – hab dann genau wie du immer kleine Dosen Bolus gespritzt (wenigstens hatte ich mir so viele Pens eingepackt, dass ich die eine Woche lang problemlos damit auskam) In dem Sinne: klar, hätte nicht passieren sollen, aber ist es nun mal. Und ich bin mir sicher, wir beide vergessen nun garantiert nicht mehr alles einzupacken. 🙂 Liebe Grüße!

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