Pumpine Teil #8 – HbA1c vs. MDK

Es ist mal wieder so weit: Der MDK in der einen Ecke, das HbA1c in der anderen. Wer den Kampf gewinnt, bekommt die Insulinpumpe. Katharinas Gedanken kreisen zurzeit um nichts anderes als die Weitergenehmigung ihrer CSII-Therapie.

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Es ist Oktober, und die Erprobungsphase meiner Insulinpumpentherapie ist (mal wieder) vorbei. Vor ein paar Tagen kam per Post die Bitte meiner Krankenkasse, ein Formular von meiner Ärztin ausfüllen zu lassen und dieses ebenso wie meine Diabetes-Tagebücher der letzten drei Monate zum Medizinischen Dienst der Krankenversicherung (kurz „MDK“) zu senden. Zu den Angaben, die meine Ärztin machen muss, gehört – natürlich – das HbA1c.

Und ganz ehrlich: Inzwischen belastet mich in meinem Leben mit Typ-1-Diabetes kaum etwas mehr als die Gedanken an diesen bestimmten Laborwert.

Die meisten Menschen mit Diabetes werden sich in etwa an ihren allerersten HbA1c-Wert erinnern. Ich schätze, es gibt kaum jemanden, bei dem am Tag der Diagnose die Zahl vor dem Prozent-Zeichen einstellig war (mein Wert lag bei 13,4%). In dem Moment, in dem man als Nicht-Mediziner zum ersten Mal von der Existenz dieses Blutwertes erfährt, bekommt man auch eingeprägt, dass dieser Wert sinken muss.

Das gute HbA1c als A und O. Wenn Ärzte aus anderen Fachrichtungen sich für irgendetwas an meinem Diabetes interessieren, dann für das HbA1c. Ich wurde danach schon in Situationen gefragt, in denen das dem behandelnden Arzt bei nichts hätte helfen oder Aussage über etwas geben können – trotzdem hatte er eine Meinung inklusive Gruselgeschichten dazu, dass das HbA1c ein bisschen zu hoch sei und was die Folgen davon wären.

Aber worum geht es beim HbA1c eigentlich genau?

„Hämoglobin A1c ist das sogenannte Zuckerhämoglobin. Der rote Blutfarbstoff (Hämoglobin = Hb), der mit Glukose verbunden ist (Hämoglobin A1c), ist ein Maß für die durchschnittliche Blutzuckerkonzentration der letzten acht bis zehn Wochen.“ (Quelle: https://www.diabetes-online.de/a/diabetes-lexikon-h-1637051)

In erster Linie wird der Ziel-Wert beim HbA1c individuell zwischen dem Facharzt und dem Patienten festgelegt, prinzipiell gilt aber, dass die Wahrscheinlichkeit von Folgeschäden am geringsten ist, wenn der HbA1c-Wert unter 7,5% ist.

Mein aktueller HbA1c-Wert liegt exakt bei 7,5%. Vor dem Umstieg auf die Insulinpumpe lag er bei 7,6% – verbunden mit doppelt so vielen Hypoglykämien.

Ja, mein HbA1c könnte niedriger sein. Schaue ich mir andere Menschen mit Diabetes an, die von der Pen- zur Pumpentherapie gewechselt haben, fällt dort fast immer eine deutliche Verbesserung des HbA1c auf. Was mache ich falsch? Bin ich einfach doch eine schlechte Diabetikerin? Der MDK hat mich dazu gebracht, vermehrt an mir zu zweifeln. Während meine Ärztin und meine Diabetes-Beraterin mir jedes Mal diese Zweifel wieder versuchen zu nehmen, klingelt in meinem Kopf nur der „Aber der MDK entscheidet es, ich muss es dem MDK recht machen“-Alarm.

Was könnte ich tun, um das HbA1c zu verbessern?

Was ich aus meiner Sicht noch ändern könnte, um ein besseres HbA1c zu bekommen? Ernährung und Bewegung. Natürlich ist das die Antwort. Ich bin kein fittes Low-Carb-Mädchen, bestimmt gehöre ich sogar zu den Menschen, die mit Typ-1-Diabetes ziemlich uneingeschränkt weiter essen, was sie mögen, auch wenn das mal eine postprandiale Blutzuckerspitze bedeutet. Warum ich das nicht ändere? Weil ich gemerkt habe, dass es überhaupt keinen Einfluss auf mein HbA1c hat, ob ich Pizza oder Salat esse. Ebenso wenig interessiert es mein HbA1c, wie viel ich mich bewege. Den Sommer über war ich deutlich aktiver als sonst, ich habe auch ein paar Kilo abgenommen, und trotzdem rührt sich der Wert nicht um 0,1%. Mein HbA1c liegt, genau wie bei den letzten Kontrollen im Juli, April und Februar davor bei 7,5%.

Denn etwas, das ich nicht zuverlässig beeinflussen kann, sind mein Stresspegel, meine Hormonschwankungen seit dem Absetzen der Antibabypille und immer wiederkehrende Entzündungen in meinem Körper. All das beeinflusst den Blutzucker genauso wie Essen oder Bewegung.

Der Moment, in dem jemand aus meinem Diabetes-Team sagt, „Toll, dass dein HbA1c trotz allem so stabil ist!“, ist eben auch der Moment, in dem der MDK meint, ich bzw. mein Diabetes sei schlecht eingestellt. Zuletzt bekam ich nun den Tipp von meiner Diabetes-Beraterin, dass ich bei der anstehenden Überprüfung explizit darum bitten solle, dass mein Fall von einem MDK-Gutachter mit fachärztlichem Hintergrund in Sachen Diabetes bearbeitet wird. Dass das nicht automatisch so geregelt ist, war mir nicht einmal bewusst – ein klitzekleiner Grund zur Hoffnung, dass die Beurteilung dieses Mal positiver für mich ausfällt?!

Alle Artikel aus meiner Pumpen-Reihe: #1 #2 #3 #4 #5.1 #5.2 #6 #7

 


Das Thema beschäftigt Katharina schon eine ganze Weile – zum Beispiel in ihrem Artikel „5 Gedanken, die ich vor jedem Quartals-Check habe“.

Und auch bei Heike geht es um den HbA1c-Wert – die „heilige Kuh des Diabetes“.

Ein Kommentar zu “Pumpine Teil #8 – HbA1c vs. MDK

  1. Hallo Katharina,
    auch wenn ich diese ganze Geschichte um den MdK verstehe, begreifen kann ich es nicht.

    Mein erster HbA1, damals noch ohne „c“ war etwa um 11%. Das war etwa 1981 und noch in der Erprobung im Labor.

    In Deinem Beitrag schreibst Du, dass sich der Wert nicht verbessert hat, jedoch wesentlich weniger Hypos. Genau das ist eine Begründung für eine Pumpe! Der HbA1c ist ein Durchschnittswert. Das bedeutet, dass obwohl sich Dein Wert nicht verändert hat, Deine Einstellung wesentlich ausgeglichener geworden ist. Gerade die Hypos senken einen HbA1c ungemein und wenn diese nicht oder weniger vorhanden sind bei einem gleichbleibenden Wert, bedeutet es im Umkehrschluss, dass Deine Behandlung erfolgreich ins Positive verändert wurde und genau wie Hypos auch Hyperglykämien weniger geworden sind. Ausserdem sollte doch die Bewilligung einer Pumpe nicht als Belohnung angesehen werden, wenn Du Dich als Patient besonders erwiesen hast. Wenn Du als Patient der Meinung bist, dass mit einer Pumpe für Dich eine bessere Lebenssituation erzielt werden kann und Du mit dem Tragen der Pumpe Dein Leben besser absolvieren kannst, dann ist auch dieses ein Kriterium, was berücksichtigt werden sollte. Niemand trägt eine Insulinpumpe um damit aufzufallen oder weil er um Anerkennung sucht. Der MdK kann und darf nur eine Empfehlung aussprechen und Du solltest Dir das nicht so zu Herzen nehmen.

    Ein HbA1c von 7,5% ist ein Durchschnittswert von 135 mg/dl. Vor dem Hintergrund, dass Du nur wenige Hypos hattest, ein Wert, an dem man gut arbeiten kann! Das kann man aber nicht in 3 Monaten. Wer eine optimale Einstellung will, sollte nur langsam an der Therapie drehen sonst verzettelt man sich. Es ist fast unmöglich, immer die Gründe für eine Entgleisung zu bestimmen. War es die Leber, war es wie bei Dir eine hormonelle Situation, war es Stress, Bewegung, ein Virus oder war es ganz was anderes? Der MdK kann dies nicht beantworten. Genauso wenig kann der MdK anhand Deines HbA1c festmachen, dass Du ein guter Diabetiker bist, der sich um seine Einstellung bemüht und alles versucht, seine Einstellung zu verbessern.

    Ich trage meine Pumpe erst seit 2013. Damals hatte ich einen HBa1C von 9,6%. Zum Glück bin ich bei einer Krankenkasse, die bei mir noch nie den MdK eingeschaltet hat, da der MdK nur eine Empfehlung geben kann und kein Urteil ob oder ob nicht. In den letzten vier Jahren war mein bester HbA1c bei 7,1%, das war dieses Jahr. Mittlerweile ist er wieder bei 7,4%. Da ich erst vor drei Wochen in der Klinik war um alles checken zu lassen und dort meine postprandialen Werte als Problem angab, habe ich auf Fiasp umgestellt. Im Moment muss ich alles neu erfahren und kann mir auch vieles gar nicht erklären, aber ich denke mein nächster HbA1c wird sich auch verbessern obwohl ich wesentlich weniger Hypos unter Fiasp habe. Selbst, wenn er sich nicht verbessert, wäre es somit eine Verbesserung der Gesamtsituation.

    Mein erster Satz mit dem begreifen und verstehen, bezieht sich jedoch auf die Versorgung mit der Kasse und dem MdK. Zurzeit sehe ich, dass es bei den Versicherungen erhebliche Unterschiede gibt, wie diese eine Verordnung behandeln. Meine letzte Verordnung habe ich deshalb selbst geschrieben und danach meinem Arzt zur Unterschrift vorgelegt. Kein Arzt kann alle erforderlichen Angaben berücksichtigen und eine Verordnung verfassen, die ohne Reklamation bei der Kasse durchgeht, weil einfach die Zeit fehlt. Für meine Verordnung habe ich mehrere Stunden recherchiert und bis sie fertig war, hat es fast 4 Stunden gedauert. Vom Schreiben an Dexcom bis zum Eingang der Bewilligung durch die Kasse hat es bei Dexcom gerade einmal 6 Arbeitstage gebraucht. In dieser Zeit konnte kein MdK eingeschaltet sein, da ich den Antrag per Post verschickt habe. Wenn man alleine 3 Tage für den Postweg rechnet, war das superschnell.

    Oft werden Verordnungen nicht mit allen erforderlichen Angaben bei den Kassen eingereicht. In diesem Falle muss die Kasse den Antrag an den MdK abgeben und von dort eine Beurteilung erhalten. Je eindeutiger die Verordnung formuliert ist und je mehr Begründungen angeführt werden umso aussichtsreicher ist eine Bewilligung. Sowie Rückfragen bestehen, wird nicht der verordnende Arzt sondern der MdK befragt. Der zweite Hasenfuß könnte jedoch auch Deine Krankenkasse sein. Es gibt wie gesagt erhebliche Unterschiede bei der Abwicklung eines Antrages.

    Für mich solltest Du die Pumpe bekommen! Alleine dieses Forum ist ein Zeichen, dass Du Deiner Verantwortung gegenüber Deinem Körper Rechnung trägst und dass Du Dich engagierst. Deshalb solltest Du das beste Werkzeug von Deiner Kasse erhalten, um Dein Leben mit Diabetes zu führen. Da hat meines Erachtens niemand das Recht, Dir dieses abzusprechen und zu verwehren, auch nicht der MdK.

    Sollte es in naher Zukunft weiterhin Probleme geben, würde ich gerne weiterhelfen bei der Beantragung.

    Viel Erfolg und Kopf hoch!

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